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Potsdam-Mittelmark DLRG: Unerfahrene Skipper und Baden an den falschen Stellen sind die größten Gefahren der Havel
Lokales Potsdam-Mittelmark DLRG: Unerfahrene Skipper und Baden an den falschen Stellen sind die größten Gefahren der Havel
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11:01 15.05.2019
Einsatzübung der DLRG Ortsgruppe Potsdam auf der Havel auf Höhe des Luftschiffhafens. Quelle: DLRG Potsdam
Potsdam

Das Mai-Wetter lädt noch nicht zum Baden in der Havel ein. Aber für die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat die Saison jetzt begonnen. Wo lauern die Gefahren für Schwimmer und Nichtschwimmer? Das weiß Christian Neuse (38). Er ist seit 22 Jahren Rettungsschwimmer, Vize-Vorsitzender der Ortsgruppe Potsdam und ehrenamtlich als Fachberater Wasserrettungsdienst im Landkreis Potsdam-Mittelmark tätig.

Christian Neuse (38) ist Rettungsschwimmer bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Potsdam, und Fachberater Wasserrettungsdienst im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Quelle: privat

Wichtigste Frage zuerst: Wie warm ist das Havelwasser zum Saisonbeginn?

Christian Neuse: Angenehme 13 Grad Celsius. (grinst)

Brrr. Okay, ist es denn sauber nach ihren Erfahrungen?

Die Sauberkeit der Havelgewässer und der Seen im Landkreis Potsdam-Mittelmark lassen zu dieser Jahreszeit kaum Wünsche offen. Gerade für unsere Taucher ist die Sichtweite unter Wasser sehr gut. Wird die Havel im Laufe des Jahres wärmer und der Algenwuchs und Schifffahrt nehmen zu, geht die Sicht stellenweise gen Null.

Sie als erfahrener Rettungsschwimmer mal Hand aufs Herz: Könnten Sie spontan alle Baderegeln aufsagen?

Mittlerweile (nach 22 Jahren) denke ich, schon.

Wer in unserer Gegend lebt, geht auch in der Havel baden. Welche Baderegel ist für unseren Fluss am wichtigsten?

Es gibt Grundregeln für das Baden in Fließgewässern: Nicht an Buhnen und Wasserbauwerken baden und auch nicht dort, wo die Berufsschifffahrt unterwegs ist! Vorbeifahrende Schiffe sorgen für starke Wellen, auch noch in Ufernähe. Kinder sollten nie allein am Wasser spielen. Grundsätzlich sind größere Flüsse mit Strömung kein geeigneter Badeort für Kinder und untrainierte Schwimmer. Jeder sollte sich informieren: Wenn ein Badeverbot herrscht, ist das unbedingt zu beachten.

Es gibt zwischen Potsdam und Werder einige Strandbäder. Werden die alle von Rettungsschwimmern oder Schwimmmeistern bewacht?

Leider nicht. Es gibt Strandbäder, welche von Bademeistern und Rettungsschwimmern bewacht werden – das gilt für die Bäder am Tiefen See in Babelsberg, Templiner See, Lehnin, Plessower See und natürlich Wannsee. Allerdings, gibt es auch Strandbäder, in welchen das Baden auf eigene Gefahr stattfindet. Darüber sollte man sich vorher informieren.

Viele Leute gehen lieber „wild“ baden. Wie gefährlich ist das und worauf sollte man achten?

Diese „wilden“ Badestellen sind natürlich nicht von Unrat, Verschmutzungen oder Wasserpflanzen befreit. Darauf gilt es ebenso zu achten, wie die „Nichtkennzeichnung“ des Badebereiches durch Bojen, welche der Schifffahrt anzeigen, dass diese Gewässerbereiche den Schwimmern vorbehalten sind.

An welchen Stellen sollte man auf keinen Fall baden gehen?

Auf keinen Fall im Buhnenbereich oder in der direkten Nähe von Wasserbauwerken. Das Baden und Schwimmen zu dicht an der Schifffahrtslinie, also dort wo die großen Schiffe fahren, ist ebenfalls sehr gefährlich. Und Reusen müssen definitiv gemieden werden. Das Caputher Gmünd ist gefährlich, der Potsdamer Hafen oder die Bereiche der Seilfähren. Ich sehe auch immer wieder Menschen von Brücken springen, etwa in Klein Glienicke – direkt in die Schifffahrtslinie. Das ist höchstgefährlich!

Es sind bei gutem Wochenendwetter massenhaft Motor- und Segelboote, Ausflugsschiffe und Freizeit-Flöße auf der Havel. Wie gefährlich ist der Schiffsverkehr geworden?

Mittlerweile leider sehr gefährlich. Ein wesentlicher Grund dafür ist das „führerscheinfreie“ Fahren diverser kleiner Sportboote, Freizeit-Flöße oder Sonstigem mit bis zu 15 PS Motorstärke. Den Bootsführern sind häufig nicht die geltenden Verkehrsvorschriften und das richtige Verhalten auf dem Wasser bekannt. Folgen sind: Fahren in gesperrten Bereichen, zu schnelles Fahren, Missachten von Vorfahrtsregeln oder falsches Verhalten in Gefahrensituationen.

Was sind typische Unfälle?

Der klassische gekenterte „Segler“ ist der typischste Unfall. Ansonsten sind Havarien, durch Auflaufen auf Unterwasserhindernissen nicht selten, oder Havarien durch technische Mängel an den Booten und Schiffen.

An welchen schweren Unfall denken Sie noch heute oft zurück?

Vermisste Personen im Wasser – im Alltag „ertrunkene Personen“ – führen zu einem enormen Einsatzaufwand, welche mir über die Jahre hinweg durchaus im Gedächtnis geblieben sind. Einer der tragischsten Einsätze war vor einigen Jahren auf dem Schlänitzsee. Dort hatte ein Schubverband ein Segelboot gerammt. Zwei der drei Bootsinsassen starben.

Wie verarbeiten Sie so ein Erlebnis?

Das ist absolut individuell. Jeder geht anders damit um. Ich persönlich war damals noch beruflich im Rettungsdienst tätig. Das ist dann anders als bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften. Aber der Rettungsdienst ist inzwischen in diesem Bereich gut organisiert. Es stehen zum Beispiel immer Seelsorger zur Verfügung und als Verein bieten wir Unterstützung an und suchen über mehrere Wochen das Gespräch.

Szenario: Ich schwimme, kann plötzlich nicht mehr und rufe um Hilfe. Ist die DLRG dann sofort zur Stelle?

Die DLRG-Ortsgruppe Potsdam ist im Landkreis Potsdam-Mittelmark beauftragt, den Wasserrettungsdienst zu betreiben. Wir tun dies rein ehrenamtlich, weshalb ich diese Frage leider verneinen muss. Durch die Ehrenamtlichkeit brauchen wir, ähnlich wie die freiwilligen Feuerwehren, eine gewisse Vorlaufzeit unterhalb der Woche. An den Wochenenden innerhalb der Saison von Mai bis September leisten wir Präsenzdienst auf unseren Wasserrettungsdienststationen in Potsdam am Luftschiffhafen und in Töplitz. Die besetzten Rettungsboote stehen mit der regionalen Rettungsleitstelle in Brandenburg/Havel über Funk in Kontakt und können so zu den Notfällen disponiert werden.

Andersherum: Ich sehe, wie jemand im Wasser Probleme hat. Wie kann ich die DLRG erreichen?

In dieser Notfallsituation erreichen Sie die DLRG und auch die zuständige Feuerwehr oder die Wasserwacht über die allgemeine Notrufnummer 112. Wir haben für sonstige Anliegen im Bereich des Wasserrettungsdienstes des Landkreises auch eine permanente Erreichbarkeit unter der Telefonnummer 0177/4 97 64 27 eingerichtet.

Die DLRG Potsdam ist auf den Havel-Gewässern und im Landkreis Potsdam-Mittelmark aktiv.. Quelle: DLRG Potsdam

Kann das Rettungssystem auf dem Wasser dann überhaupt so gut und schnell sein wie an Land?

Leider nicht. Das ist mit einem rein ehrenamtlich betriebenen Wasserrettungsdienst gar nicht möglich. Die Anfahrtswege sind zudem sehr lang. Vorgeschriebene Hilfsfristen wie an Land sind auf dem Wasser nicht zu halten.

Wer finanziert die Wasserrettung – und genügt das?

Zum einen finanzieren wir uns durch Mitgliedsbeiträge, Fördermittel und Spenden. Zum anderen unterstützt uns der Landkreis Potsdam-Mittelmark enorm durch Investitionen in neue Boote, Fahrzeuge und Ausstattung für unsere Rettungstaucher und das stellen der Betriebsmittel zur Aufrechterhaltung des Wasserrettungsdienstes.

Haben Sie genug Leute, die mitmachen?

Bei weitem nicht. Oft liegen auch Boote unbesetzt in den Stegboxen und ähnlich wie alle Hilfsorganisationen und freiwillige Feuerwehren, können wir nie genug personelle Unterstützung haben – und wir brauchen sie ganz dringend.

Kurz erklärt: Wie wird man Rettungsschwimmer?

Das Rettungsschwimmen basiert auf der Schwimmausbildung und stellt damit einen weiteren zentralen Punkt der Kernaufgaben der DLRG dar. Wir bilden in den Rettungsschwimmstufen Bronze, Silber und Gold aus sowie den Juniorretter als Heranführung an das Thema für Kinder ab zehn Jahre aus.

Es reicht also nicht, ein guter Schwimmer zu sein.

Das ist eine wichtige Voraussetzung, deshalb bringen wir Kindern das Schwimmen bei. In der Rettungsschwimmausbildung lehren wir aber noch viel mehr. Es geht darum, Gefahren am und im Wasser zu kennen, mit den richtigen Techniken Menschen zu retten und Patienten als Ersthelfer medizinisch zu helfen. Darüber kann man sich gut auf der Internetseite der DLRG informieren.

Was wünschen Sie sich für die Badesaison 2019?

Schönes Wetter und wenige Einsätze.

Retter mit 80 Quadratkilometer Wachgebiet

Die DLRG-Ortsgruppe Potsdam hat 500 Mitglieder, davon 120 Kinder und Jugendliche.

Das Wachgebiet umfasst schwerpunktmäßig etwa 80 Quadratkilometer Havel-Wasserfläche westlich von Potsdam. Dazu gibt es Stationen in Töplitz und am Potsdamer Luftschiffhafen. Der Verein ist mit dem Wasserrettungsdienst im gesamten Landkreis Potsdam-Mittelmark betraut. In Potsdam ist die Wasserwacht des Roten Kreuzes die zuständige Wasserrettungsdienstorganisation.

Den Rettern – etwa 75 aktive Wachgänger – stehen acht Rettungsboote zur Verfügung. Im vorigen Jahr leisteten sie knapp 3000 ehrenamtliche Einsatzstunden an den Wochenenden. Sie fuhren zu 51 Einsätzen, darunter zwölf Hilfeleistungen auf dem Wasser und acht Fälle von Erste Hilfe.

Neben dem Wasserrettungsdienst sichert die DLRG Veranstaltungen ab, dazu zählen das Baumblütenfest in Werder, das vereinseigene Inselschwimmen auf der Potsdamer Freundschaftsinsel sowie diverse Dreharbeiten oder Segelregatten.

Es gibt eine spezielle Sondereinsatzgruppe, die an Land und zu Wasser tätig wird und 2018 unter anderem bei den großen Waldbränden in Fichtenwalde und Treuenbrietzen im Einsatz war.

Zum Saisonbeginn stellte die Potsdamer DLRG zwei neue Einsatzfahrzeuge in Dienst. Die geländetauglichen Ford Ranger dienen Einsatzleitern als Dienstwagen, ziehen Bootstrailer und transportieren Tauchgruppen mit ihrer Technik zu Einsätzen.

Von Alexander Engels

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