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Potsdam-Mittelmark Protest bei Synode: Dahnsdorfer demonstrieren für Kirchenrettung
Lokales Potsdam-Mittelmark Protest bei Synode: Dahnsdorfer demonstrieren für Kirchenrettung
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10:37 01.04.2019
Die Dahnsdorfer wollen, dass ihre Kirche saniert wird. Bei der Frühjahrstagung der Kreissynode in Werder haben sie dafür demonstriert.
Die Dahnsdorfer wollen, dass ihre Kirche saniert wird. Bei der Frühjahrstagung der Kreissynode in Werder haben sie dafür demonstriert. Quelle: Josephine Mühln
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Dahnsdorf

Mit einer Demonstration bei der Frühjahrstagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg (EKMB) haben die Dahnsdorfer ihrem Wunsch nach einer Kirchensanierung noch einmal Nachdruck verliehen. 33 Dorfbewohner, darunter Mitglieder des Freundeskreises zur Rettung der Dahnsdorfer Kirche, sind dafür am Samstag nach Werder gefahren.

Im Gepäck hatten sie große Schilder mit Forderungen wie „Bauzaun weg, Rüstung ran“ und „Kirchenaustritt ist keine Lösung“. „Wir wollen auf uns aufmerksam machen und darauf, dass wir Probleme haben. Dass wir es unverständlich finden, dass der Pfarrer sich dagegen verwehrt und blockiert, die Kirche zu retten“, sagt Walter Wieland, Kirchenältester bis zur Fusion Dahnsdorfs mit der Kirchgemeinde Planetal. „Es muss endlich einen Durchbruch geben, das geht ja seit 2015 hin und her“, ergänzt Bernd Lüthke, Sprecher des vor vier Jahren gegründeten Freundeskreises.

„Was sollen wir den späteren Generationen sagen, wenn sie fragen, warum wir das nicht geschafft haben?“, sagt Lüthke weiter. „Wir wollen niemanden persönlich angreifen – es geht uns um das historische Gebäude und nicht um Befindlichkeiten einzelner Personen.“ Es seien bereits mehrere Kirchen im Altkreis saniert worden – und das fordern die Dahnsdorfer auch für ihr Gotteshaus.

Vertrauensverhältnis kaputt

Das Vertrauensverhältnis zu Pfarrer Jörg Frenzel aus Mörz ist im Laufe der Zeit jedoch aus mehreren Gründen beschädigt worden. So sorgt aktuell der Vorwurf für Unverständnis und Unmut, dass die Kirche seit einiger Zeit gänzlich verriegelt sei.

„Die Kirche ist für jeden offen, der einen Dienst in der Kirche tut, weil derjenige einen Schlüssel erhält“, sagt Jörg Frenzel am Sonntag im Gespräch mit der MAZ dazu. „Diesen Schlüssel erhält er nach einem Schlüsselprotokoll für seinen Dienst, zum Beispiel Reinigungsdienst oder Orgeldienst. Darüber hinaus gibt es im Ort Herrn Kühne, der einen Schlüssel hat und der für alle ansprechbar ist – und auch ich bin für jeden ansprechbar, der in die Kirche möchte“, sagt Jörg Frenzel weiter. Das sei vom Gemeindekirchenrat (GKR) und für alle Kirchen der Gemeinde Planetal so geregelt.

Die Dahnsdorfer wollen, dass ihre Kirche endlich saniert wird. Mit diesen Schildern haben sie in Werder demonstriert. Quelle: Josephine Mühln

Was die von den Dahnsdorfern geforderte Sanierung angeht, so habe der GKR ein Sanierungsgutachten beauftragt, sagt Jörg Frenzel. „Uns wurde zugesichert, dass dieses bis Anfang Juni übergeben wird. Aber ich sage gleich dazu: Wie bei jedem Bau kann sich auch das verschieben, ich möchte den Architekten nicht wegen 14 Tagen auf einem Datum festnageln – denn was wir von ihm bekommen, hat Hand und Fuß.“

Zu den kritisierten Verzögerungen bis jetzt sagt Jörg Frenzel: „Da Dahnsdorf ein größeres Sanierungsobjekt ist, haben wir zum Beispiel Kranepuhl als kleineres Projekt vorgezogen – auch das entscheidet der Gemeindekirchenrat. Kranepuhl konnten wir aus eigener Tasche bezahlen, während in Dahnsdorf unheimlich viele Fördermittel benötigt werden.“

Groß- oder Teilsanierung

Das Gutachten schlage schließlich mehrere Sanierungspläne vor – ob beispielsweise erst der Turm oder erst das Schiff saniert werden sollen. „Anschließend entscheidet der GKR auf Empfehlung des Architekten, welchen Weg er gehen möchte“, sagt Jörg Frenzel weiter. „Dann steht die Frage, ob es eine Großsanierung über Staatskirchenvertragsmittel oder eine Teilsanierung mit Hilfe von Vereinen und Sparkassenmitteln wird.“

Siegfried-Thomas Wisch, Superintendent Evangelischer Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg (EKMB), hatte im Vorfeld der Synode auf MAZ-Anfrage deutlich gemacht: „Wir können nicht auf so einer großen Tagung einen solchen Streit beheben, das ist nicht das richtige Forum dafür. Die Mitglieder können aber demonstrieren, das ist ihr gutes Recht.“ Die EKMB sei natürlich an einer Lösung interessiert – Gespräche dazu seien bereits geführt, verschiedene Ansätze diskutiert worden.

Zufrieden mit dem Protest

„Ich kann die Dahnsdorfer verstehen – das geht nun schon so lange und es bewegt sich nichts, die gegenseitigen Vorwürfe erzeugen nur Frust“, sagt Wisch weiter. „Aber wir müssen innerhalb der Kirche agieren. Dahnsdorf gehört zur Kirchengemeinde Planetal – und innerhalb dieser muss das Problem gelöst werden. Die Dahnsdorfer müssen sich in dieses Gefüge einfügen.“

Bernd Lüthke zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis des Protests. „Wir haben durch die Gespräche mit verschiedenen Vertretern gemerkt, dass unser Problem in der Breite noch nicht bekannt gewesen ist.“ Außerdem konnte er mit Stefan Köhler-Apel, Präses des EKMB, sprechen.

„Uns wurde offiziell zugesichert, dass es im September eine Visitation geben soll, bei der beide Seiten gehört werden. Dann sollen Empfehlungen gegeben werden, wie die Situation verändert und gerettet werden kann“, schließt Bernd Lüthke.

Von Josephine Mühln