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Potsdam-Mittelmark Dem Waldgarten zur Zierde
Lokales Potsdam-Mittelmark Dem Waldgarten zur Zierde
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21:30 06.05.2013
Rotraut und Alfred Täufel im Waldgarten.
Rotraut und Alfred Täufel im Waldgarten. Quelle: Bernd Gartenschläger
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BERGHOLZ-REHBRÜCKE

Dabei ist die kurze Zeit der Frühlingsblüher schon vorbei, die späten unter ihnen rüsten sich noch und die Rhododendren und Azaleen stehen in Habachtstellung. Bei dem vorausgesagten schönen Wetter in dieser Woche könnte der Knospenknall bis zum Wochenende klappen. Dann dürfen sich die Besucher am Tag der Offenen Gärten auch in dem Rehbrücker satt sehen.

Dem Ehepaar, das seit 40 Jahren den gut 2000 Quadratmeter großen Waldgarten unter hohen Kiefern, Birken und einer vielleicht gut 100-jährigen Eiche bewirtschaftet, gelingt, was der große Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster zum Lebensmotto erhoben hatte: Es wird durchgeblüht. Ob es die aparte gelbe Trauerglocke ist, die interessante Waldlilie oder das Schildblatt, das erst den blütenreichen Kopf nach oben streckt, bevor sich das Blattwerk bildet oder die Frühlingsplatterbse in zartem Rosé oder Dunkellila, die Magnolienbäume, der Silbertaler – von den Tulpen mal ganz abgesehen – auf Schritt und Tritt begegnet schon jetzt dem Besucher feines Florales. „Wenn Sie erst die Leberblümchen gesehen hätten – es war ein weiß-blauer Teppich“, schwärmen sie. Selbst im Winter verzaubern Knospen und die Beeren des Ilex ihren Garten.

Die beiden Endsiebziger sind „absolute Laien“, wie sie immer betonen, während sie sich die botanischen Namen ihrer Pflanzen und Gehölze liebevoll über den Tisch zurufen und auf eine umfangreiche Lektürensammlung verweisen. Die ehemalige Internistin von Herrmannswerder und der Ernährungswissenschaftler hatten einst den väterlichen Täufel-Garten übernommen und urbar gemacht. Kaum zu glauben, dass das grüne Areal damals nur eine dicke Schicht Nadelhumus und drunter weißen Sand zu bieten hatte. Trotzdem waren sie nicht in blinden Aktionismus verfallen. Bevor die ersten Knollen und Setzlinge in den Boden kamen, ging die Hobbygärtnerin, die mit drei Jahren ihr erstes Beet unter einem Pfirsichbaum bepflanzt hatte, auf Laubsammlung. „Wo die Leute es verbrennen wollten, war ich da“, erzählt Rotraut Täufel. „40 Jahre Kompostwirtschaft machen sich bemerkbar“, sagt sie heute stolz. Ein ganzes Eckareal gehört den Haufen. Chemiedünger kommt bei den Täufels nicht aufs Beet. Die Pflanzen bekommen den Platz, den sie benötigen. Formschnitte fehlen im Waldgarten ebenso wie saubere Rabatten und Pflasterwege, „bloß zum Haus hin gibt es welche“, sagt die Gärtnerin fast entschuldigend. Dafür sind Baumstümpfe umrankt, tragen Vogeltränke oder Töpfe mit Zierklee. Ein alter Korbstuhl schaukelt zwischen zwei Kiefern, an anderer Stelle thront ein Naturstuhl auf einer Anhöhe. Den hat sich der Hausherr selbst gezimmert. Von dort aus habe man einen „überraschend hübschen Blick“, sagt Alfred Täufel. Er sei im übrigen eher der Gestalter, seine Frau die Botanikerin. Geschichten zu (fast) jeder Pflanze haben aber beide parat. Von der persönlichen Begegnung mit Karl-Foerster zehren sie noch heute. Auch wenn ausgerechnet der Rittersporn bei ihnen nicht gut komme, gedeihen aber Gräser, denen Foerster den Weg in die Gärten geebnet hat. Als der Ernährungswissenschaftler mit dem Bornimer Züchter einmal dienstlich wegen der Königskrone, die eine bestimmte Zuckergruppe enthält, zu tun hatte, gab ihm Foerster noch mit auf den Weg, „vergessen Sie nicht, sie im Garten auszusäen“.

Die Pflanzenleidenschaft führte die Täufels mit vielen Gleichgesinnten in der ganzen Republik zusammen. Da wird gefachsimpelt und getauscht. „Verkauft haben wir noch nie etwas“, sagen sie. Inzwischen sind die Rehbrücker auch Mitglieder in der Gesellschaft der Staudenzüchter, Fachgruppe Wildstauden der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg.

Wenn sie am Tag der Offenen Gärten mit bis zu 130 Besuchern durch ihr grünes Reich schreiten, dann bleibt neben Zeigen, Erzählen und Erklären keine Zeit zum Ausbuddeln. „Deshalb legen wir ein Buch aus, in das die Leute ihre Anregungen, Fragen und Wünsche schreiben können“, sagt die Hausherrin und versichert, „alles abzuarbeiten“. Überhaupt sei ihnen „der Garten eine Brücke zu den Menschen“. Schon als Kind habe sie bei Leuten geklingelt, wenn sie in deren Vorgärten Interessantes entdeckt hatte. Heute lässt sie selbst Nachbarn rein, die über ihren Zaun große Augen machen, so Rotraut Täufel.

Waldgarten, Rotraut und Alfred Täufel, Am Nuthetal 21, Rehbrücke, geöffnet am 12. Mai, 10 bis 18 Uhr. Gesellschaft der Staudenfreunde, Regionalgruppe Berlin-Brandenburg über Graciela Schubert, 030/40632926. Teilnehmerübersicht www.offene-gaerten-berlin-umland.de (Von Claudia Krause)

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