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Potsdam-Mittelmark Denkmäler auf dem Bricciusberg verfallen
Lokales Potsdam-Mittelmark Denkmäler auf dem Bricciusberg verfallen
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09:30 10.04.2018
Inge Leifheit (63) ärgert sich über Stolperfallen und Müll auf dem Weg zum Bricciusberg. Außerdem ist sie enttäuscht über den Zustand der Denkmäler, die bereits seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben sind.
Inge Leifheit (63) ärgert sich über Stolperfallen und Müll auf dem Weg zum Bricciusberg. Außerdem ist sie enttäuscht über den Zustand der Denkmäler, die bereits seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben sind. Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

„Als Kind bin ich mit meinen Großeltern oft hier oben spazieren gegangen. Es war immer wunderschön und alles sehr gepflegt“, erinnert sich Inge Leifheit aus Bad Belzig.

Mit „hier oben“ umschreibt sie das Plateau des Bricciusberges, konkret das Areal zwischen Burg Eisenhardt und Bricciuskirche. Dieser Tage machte sich die 63-Jährige wieder einmal auf den Weg dorthin. In der Hoffnung, dass sich seit ihrem letzten Besuch auf dem Gelände etwas zum Besseren verändert haben könnte.

Stolperfallen und Müll werden zum Ärgernis

Doch die Enttäuschung steht ihr schnell ins Gesicht geschrieben. Auf den Wegen gibt es Stolperfallen, umrahmt sind sie von achtlos weggeworfenem Müll. Doch ist das in ihren Augen noch nicht einmal das schlimmste Übel. Vielmehr ärgert sich die Ruheständlerin über den Zustand der beiden Denkmäler – dem Klemming-Stein und der Stele der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, mit der man einst an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kolonnenmitglieder erinnern wollte.

„Vor einem Jahr war ich mit meinem Mann im Rathaus“, erzählt Inge Leifheit weiter. Dort habe sie den Zustand der Denksteine angemahnt, die seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben seien. Nicht nur, dass der sprichwörtliche Zahn der Zeit die Fugen des Mauerwerks derart ausgenagt hat, dass sich immer mehr Steine aus dem Mauerwerk lösen, werden diese zwischenzeitlich sogar zum Spielball und von böswilligen Händen teilweise vom Hang heruntergekullert.

Archivbild von einem Gedenken am Sanikol-Denkmal auf dem Belziger Bricciusberg. Quelle: Sammlung Altenkirch

Für die 63-Jährige ist die Situation so nicht länger tragbar. Sie hofft, dass die Stadtväter endlich auch Verantwortung für diesen Flecken Erde übernehmen und wenigstens den weiteren Verfall der Denksteine stoppen. „Man könnte eine Sammelbüchse aufstellen wenn kein Geld da ist. Ich würde sogar sammeln gehen“, bietet sich Leifheit engagiert an.

Krokusse und Schneeglöckchen, die einst um die Denkmäler herum und auf dem Areal in die Erde gebracht wurden, blühen derzeit im Dickicht und zwischen Mauersteinen. Mit ihrer Blüte deuten sie Jahr für Jahr an, dass die Anlage einst tatsächlich ein vollkommen anderes Bild bot. Die Begrünung des ehemals kahlen Bricciusberges gehörte zu den ersten Projekten, denen sich der 1875 in Belzig gegründete Verschönerungsverein einsetzte. Dem Initiator der Idee, dem Amtsgerichtsrat Ernst August Klemming, wurde nach seinem Tod dort oben ein Denkmal gesetzt.

Ursprünglich drei Denkmäler

Ursprünglich existierten auf dem Bricciusberg drei Denkmäler und ein behauener Stein mit Inschrift. Alle wurden über Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

1895 wurde der Bau des Klemming Steins vollendet.

Schlicht, einfach und unverwischbar sollte er ein Zeichnen des dankbaren Gedenkens an den Begründer des Verschönerungsvereins sein.

1924 ließ die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ein weiteres Denkmal setzen. Es war den sechs Mitgliedern der Kolonne gewidmet, die im Ersten Weltkrieg starben.

Die Bauausführung beider Denksteine oblag dem Belziger Bildhauer Scholz.

Verschwunden ist ein einfacher behauener Stein, der den Toten des Krieges von 1870/71 gewidmet war.

Ferner ein 1909 enthüllter Denkstein für ein weiteres Mitglied der Sanitätskolonne, das während kriegerischer Auseinandersetzungen in Südwestafrika starb.

„Eigentlich müsste es hier auch einige Infotafeln geben, damit die Leute wissen, warum die Denkmäler überhaupt gesetzt wurden. Ich würde mir auch wünschen, dass der Burgberg stärker in die Stadtführungen einbezogen wird“, so Inge Leifheit weiter.

„Ich sehe die Sanierung der Denkmäler auch als wichtig an“, sagt Bad Belzigs Bauamtsleiter Christoph Grund auf MAZ-Anfrage. Er bestätigt, dass der bauliche Zustand derselben und des gesamten Areals im Rathaus bekannt seien. Gleichzeitig hoffe er, dass die Kommunalpolitiker dem Vorschlag der Verwaltung folgen, und demnächst Mittel für erste Sanierungsarbeiten bewilligen.

Förderung über Altstadtsanierung wäre möglich

„Der Bricciusberg ist eine der letzten Maßnahmen, die über Förderungen aus der Altstadtsanierung realisierbar sind. Theoretisch könnte in diesem Jahr noch etwas vorbereitet werden“, erklärt der Verwaltungsmitarbeiter. So könnten in einem ersten Bauabschnitt Wege auf dem Bergplateau hergerichtet und die Stelen saniert werden. Noch vor der Sommerpause soll die Angelegenheit beraten werden.

Ob die Parlamentarier dann dem Marktplatz oder dem Stadtgraben den Vorrang geben, die ebenfalls auf der Liste der noch machbaren Projekte aus dem Topf der Altstadtsanierung stehen, bleibt abzuwarten. Können sie sich nicht für die Gestaltung der Freiflächen auf dem Bricciusberg entscheiden, „dann müsste über eine Notsicherung nachgedacht werden“, räumt Grund ein. Mehrere Tausend Euro, die in diesem Fall nicht über Förderrungen gedeckelt werden könnten, wären einer groben Schätzung zufolge dafür erforderlich.

Von Christiane Sommer