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Potsdam-Mittelmark Der tapfere Lehniner Pater Alfons Engler
Lokales Potsdam-Mittelmark Der tapfere Lehniner Pater Alfons Engler
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05:05 09.01.2017
Pater Alfons Engler (2. von links) bei einer Hochzeitsfeier um 1950, wahrscheinlich in oder um Lehnin.
Pater Alfons Engler (2. von links) bei einer Hochzeitsfeier um 1950, wahrscheinlich in oder um Lehnin. Quelle: Sammlung Hesse
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Lehnin

Bei diesem letzten Weg muss halb Lehnin auf den Beinen gewesen sein. Am 27. Juni 1982 war Pater Alfons Engler gestorben, nach einem erneuten Herzinfarkt. Der langjährige Pfarrer der katholischen Gemeinde „wird unter großer Beteiligung, darunter Bischof und Weihbischof, Provinzial und viele Priester in Lehnin beigesetzt“, heißt es in der Chronik der katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit aus Brandenburg/Havel, zu der die Lehniner Gemeinde gehört.

Wie kaum ein anderer Geistlicher hat Pater Engler das Leben der katholischen Christen in und um Lehnin geprägt. So ist es kein Wunder, dass seine sterblichen Überreste am 1. Juli unter großer Anteilnahme auf dem Waldfriedhof zu Grabe getragen worden sind.

Aus dem Leben des Missionars

Alfons Engler wurde am 24. November 1907 in Danzig geboren. Er stammte aus einer kinderreichen Familie. Nach der Schule absolvierte er eine Tischlerlehre.

In den Missionsorden Heilige Familie trat Engler 1926 ein. Die Priesterweihe empfing er am 6. August 1938 in Trier. Gern wäre er als Missionar nach Brasilien gegangen, doch das vereitelte der Ausbruch des Krieges.

Pater Engler ging nach Schlesien nach Habelschwerdt. Mit der Vertreibung kam er 1946 ins Belziger Auffanglager. Ende 1947 erhielt er die Pfarrstelle in Lehnin.

Der Geistliche galt als humorvoller und gütiger Mensch mit einem ausgeprägten Organisationstalent. Sein Leitspruch steht bei den Korinthern: „Wir verkünden nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Diener um Jesu willen.“

Im Alter von 74 Jahren starb Pater Engler am 26. Juni 1982. Beigesetzt wurde er auf dem Lehniner Waldfriedhof.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges sind auch viele Katholiken aus Schlesien, Pommern und anderen heute polnischen, tschechischen und russischen Gebieten geflohen oder vertrieben worden. Bis dahin lebten nur wenige Christen dieser Konfession im Märkischen. Eigene Gemeinde gab es in kleinen Orten nicht. Das änderte sich rasch. Nach 1945 stieg die Zahl der Katholiken in Lehnin und den umliegenden Orten auf etwa 600.

Patre Alfrons Engler im Hof des Gemeindehauses in Lehnin. Quelle: Sammlung Hesse

Das Bischöfliche Ordinat Berlin stellte Pater Alfons Engler am 1. Dezember 1946 als Lokalkaplan in Lehnin an. „Die Außenstelle Heilige Familie in Lehnin erhält ihren ersten eigenen Seelsorger“, notiert Werner Dolata in seiner 1988 erschienen Chronik über die katholische Jugend im Bistum Berlin 1936 bis 1949. In dieser Zeit stellt Familie Völker den Anbau ihres Wohnhauses in der Hauptstraße 9 (heute Kurfürstenstraße) als Kapelle zur Verfügung. Im Jahre 1947 begannen die Arbeiten zum Umbau des Unterstellraumes und Durchganges.

Bereits am 19. März 1948 war es soweit. Der Brandenburger Pfarrer Albert Jochmann weihte die Kapelle auf den Namen „Heilige Familie“, Dieser Bezug ist ebenfalls mit Pater Engler nach Lehnin gekommen. Er gehörte der Ordensgemeinschaft der „Missionare der Heiligen Familie“ an, die Ende des 19. Jahrhunderts in den Niederlanden gegründet worden war.

Die Kosten für den Umbau: 35876 Mark

„Ursprünglich war die Kapelle nur für den Wochengottesdienst gedacht“, heißt es in der Chronik von Werner Dolata. „Es stellte sich aber heraus, dass der Raum groß genug geworden war, um die Gemeinde auch sonntags aufzunehmen.“ Fortan nutzte die Katholiken die Klosterkirche nur noch an Festtagen und zu besonderen Anlässen. Die Kosten für den Umbau beziffert Dolata auf 35876 Mark.

Das Zimmer, das im Hause Völker bis dahin für den Wochengottesdienst genutzt wurde, diente fortan für den Religionsunterricht. Familie Völker überließ der Gemeinde im Jahre 1950 das gesamte Grundstück. Nun entstand neben dem Pfarrhaus in den ehemaligen Wirtschaftsräumen ein Pfarrheim für Kinder -und Jugendgruppen.

Auf Pater Englers Initiative hin, pachtete man in der Gartenstraße (heute Emstaler Landstraße) für 20 jahre ein kleines Holzhäuschen aus dem Besitz der Familie Fiedler. In diesem Gebäude verbrachten von nun an überwiegend kinderreiche Familien aus Brandenburg und Berlin ihre Ferien.

Erstkommunion mit Pater Engler im Jahre 1956 Quelle: Sammlung Hesse

Aufgrund des großen Zuspruchs ist das Pfarrheim im Jahre 1995 gründlich umgebaut und modernisiert worden. Das schlichte Jugendheim verwandelte man in ein zeitgemäßes Gebäude für die religiöse Kinder- und Jugendbetreuung. Wie es Pater Engler stets im Blick hatte, stand hier die Arbeit mit Mädchen und Jungen im Vordergrund. Auch deshalb gab die katholische Gemeinde dem sanierten Bauwerk nach Fertigstellung der Arbeiten den Namen Pater-Engler-Haus.

Engler hatte überdies großen Anteil zum Bau eines weiteren katholischen Gotteshauses auf dem Lande – im Jahre 1953 in Jeserig an der Fernstraße 1. Bis dahin hatten sich Katholiken in einem Götzer Wohnhaus zum Gottesdienst versammelt. Nun erhielt die Gemeinde von Schuhmacher Heinrich Sentsbusch ein Grundstück. Firma Liere aus Groß Kreutz baute die Kirche und verwendete auch Trümmersteine aus Berlin. heißt es in der Denkmaltopografie Potsdam-Mittelmarks. Am 11. Juli 1953 wurde dieses Gotteshaus geweiht.

Trauerzug zur Besetzung Pater Englers 1982 durch Lehnin. Quelle: Sammlung Hesse

Von Heiko Hesse