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Potsdam-Mittelmark Für 95 Menschen mehr als einmal um die ganze Welt
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18:03 02.02.2020
Claudia Wipfli koordiniert den Begleitdienst des Diakonischen Werkes für ganz Potsdam-Mittelmark. Quelle: Marion von Imhoff
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Bad Belzig

Wenn das Leben nicht mehr ist wie zuvor, es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, morgens aufzustehen, sich anzuziehen, das Haus zu verlassen, dann ist die psychische Not greifbar. Diese Menschen wieder zurück ins soziale Leben zu führen und im Alltag beizustehen, ist Ziel eines Hilfsangebotes des Diakonischen Werkes im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Es trägt den etwas sperrigen Namen ambulanter unterstützender Begleitdienst. Claudia Wipfli ist es, die dieses Angebot von Bad Belzig aus für den Kreis koordiniert. Vier Mitarbeiterinnen touren als Begleithelferinnen durch Potsdam-Mittelmark. Sie stehen 95 Menschen bei.

Für Menschen mit und ohne Pflegegrad

„Die vier Kolleginnen decken das Flächengebiet ab“, so Claudia Wipfli. Es ist viel Fahrerei. Wie das Landratsamt planerisch Potsdam-Mittelmark in vier Regionen aufteilt, so übernimmt es auch das Diakonische Werk. So ist eine Mitarbeiterin für die Region um Kleinmachnow zuständig. Ihre Kolleginnen kümmern sich um Bad Belzig und Umland, den ländlichen Bereich um die Stadt Brandenburg und um die Region Werder. Im vorigen Jahr sind die vier Frauen im Einsatz zusammen 60.000 Kilometer gefahren. „Das ist mehr als einmal um die Welt“, sagt Claudia Wipfli.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist vom Landratsamt in vier Planungsregionen eingeteilt. Diese Einteilung übernimmt das Diakonische Werk in Potsdam-Mittelmark für seinen unterstützenden Begleitdienst. Jede der vier Mitarbeiterinnen ist für eine Planungsregion zuständig. Quelle: Landratsamt Potsdam-Mittelmark

Es gibt zwei Schienen des Begleitdienstes. „Zum einen ist es für Menschen mit einem Pflegegrad“, sagt Claudia Wipfli, die studierte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin ist. Dieser Zweig wird finanziert von den Pflegekassen. Zudem gibt es die Hilfe, die das Sozialamt des Landkreises finanziell trägt. „Er ist für Klienten, die hilfsbedürftig sind, aber keinen Pflegegrad haben. In der Lage, in der sie derzeit sind, benötigen sie Hilfe.“

Zum Arzt begleiten

Einige Menschen erhalten vom Begleitdienst alle 14 Tage Besuch, andere wieder jede Woche. „Es ist so wie der Hilfebedarf ist.“ Die Männer und Frauen zu Ärzten zu begleiten,bei Einkäufen zur Hand zu gehen, Briefe zu sortieren, die Post zu erledigen, Akten zu ordnen. „Wir haben auch Klienten, die nicht lesen und schreiben können.“

Zahlen und Fakten zum ambulanten Begleitdienst

Den Begleitdienst gibt es seit 1994. Vier Mitarbeiterinnen sind dafür im Einsatz, eine von ihnen bereits seit 18, zwei seit neun Jahren.

Angemeldet werden kann der Bedarf beim Landratsamt.

Es ist auch ein Angebot über das Sozialgesetzbuch. Bei Pflegegrad 1 hat man einen Anspruch auf monatlich 125 Euro Entlastungsbetrag. Eine Stunde des Begleitdienstes kostet 31,25 Euro. So kann der Betroffene etwa vier Einkäufe mit dem Begleitdienst im Monat bezahlen.

Unter den Klienten sind so viele Männer wie Frauen. Mit 65 Prozent Anteil sind die meisten von ihnen im Alter zwischen 41 bis 66 Jahren.

Es geht auch um ganz einfache Dinge, die für die Betroffenen doch eine große Hürde darstellen. „Wir gehen auch mit ihnen spazieren.“ Dass die Menschen sich wieder selbst besser organisieren, ihren Haushalt in den Griff bekommen beispielsweise, ist auch ein Teil der Aufgabe. „Wie motivieren, aufzuräumen, abzuwaschen.“

Schutz vor Einsamkeit

Es sind auch Männer und Frauen darunter, die sozial abgerutscht sind, die wieder Fuß fassen müssen in ihrem Leben. „Ein Großteil der Klienten ist im erwerbsfähigen Alter, Menschen, die in schwierigen Lebenslagen sind.“ Unter ihnen sind Drogenabhängige, Alkoholiker. Oder auch sehr einsame Menschen, die sich komplett zurückgezogen haben. „Da haben wir den Auftrag, eine Brücke zu schlagen.“ Gerade im ländlichen Gebiet auf den Dörfern gibt es Menschen, die familiär nicht mehr eingebunden sind und völlig allein dastehen. „Schutz vor Einsamkeit spielt eine ganz große Rolle.“

Claudia Wipfli am Sitz des Diakonischen Werkes in Potsdam-Mittelmark vor dem Reisiger-Haus am Kirchplatz 3 in Bad Belzig. Quelle: Marion von Imhoff

Einsamkeit auf den Dörfern – wie zeigt sich die? „Die Menschen können sich dort schlecht versorgen, die Struktur und Verkehrsanbindung sind schlecht. Sie verlassen tagelang nicht mehr ihre Wohnungen. Es gibt Klienten, die nur noch zu unseren Mitarbeiterinnen Kontakt haben und sonst zu keinem Menschen mehr. Da ist unser Besuch der Höhepunkt der Woche und der Anreiz, sich überhaupt noch anzuziehen und seine Wohnung in Ordnung zu bringen.“

Hilfe über Wochen und Jahre

In schlimmen Fällen droht Verwahrlosung. „Wir schauen dann, wie kann die Nachbarschaft helfen, können wir Kontakte dorthin knüpfen.“ Natürlich vermittelt der Begleitdienst auch engmaschigere Hilfe bis hin zum gesetzlichen Vertreter. Auf dem flachen Land droht den Klienten die Vereinsamung, in den Ballungszentren „ist eher das Problem unserer Klienten, dass sie nicht so gut strukturiert sind in ihrem Alltag“.

Die Hilfe kann für einige Wochen sein, bis die Betroffenen wieder Tritt gefasst haben. Die Diakonie-Mitarbeiter stehen anderen aber auch über Jahre bei, „bis zum Tod“, berichtet Claudia Wipfli.

Von Marion von Imhoff

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