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Potsdam-Mittelmark Der vergessene Flugpionier
Lokales Potsdam-Mittelmark Der vergessene Flugpionier
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01:11 20.11.2014
Tollkühne Piloten erinnern sich in Borkheide: Peter Schulze, Heinz-Dieter Kallbach und Günter Ehrhard (v. l.). Quelle: A. Koska
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Borkheide

Unterstützung erhielt er dabei von weiteren namhaften Piloten. So pflichtete ihm Heinz-Dieter Kallbach bei. Auch er vollbrachte damals – drei Wochen früher – ein ähnliches Husarenstück in Stölln. Dort landete er eine IL 62 auf dem Acker unterhalb des Berges, an dem der Flugpionier Otto Lilienthal bei Flugversuchen abgestürzt und später verstorben war. „Hans Grade ist einer der Wegbereiter des Flugwesens in Deutschland, es scheint aber, dass man ihn vergessen hat“, sagte Schulze am langjährigen Wirkungsort Grades. Ihm gelang 1908 mit einem selbst gebauten Dreidecker der erste Motorflug in Deutschland. Ab 1909 betrieb er in Borkheide ein Flugzeugwerk.

Die Kritik Schulzes teilten weitere Gäste der Feierstunde. „Von Grade habe ich erst gehört, als ich nach Borkheide zog“, sagte Burckhard Ballin. Der Freizeitpilot und heutige Vorsitzende der örtlichen Hans-Grade-Gesellschaft ist um das kleine Luftfahrtmuseum bemüht, das heute im Rumpf der IL18 untergebracht ist. Auch Amtsdirektor Christian Großmann kam erst mit seiner Tätigkeit in der Brücker Verwaltung mit dem Namen des Flugpioniers in Berührung, bekannte der Verwaltungschef.

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„Sie müssen die Werbetrommel rühren und das Museum vor allem viel häufiger öffnen“, riet Horst Schwenzer. Er ist Chef des Lilienthal-Vereins in Stölln. Jährlich pilgern dort bis zu 20000 Besucher in das Museum. In der IL 62 befindet sich zudem ein Standesamt. In den vergangenen 20 Jahren sind dort rund 860 Paare getraut worden. Ob eine ähnliche Nutzung in Borkheide in Frage kommt, blieb unbeantwortet. Allerdings regte Schwenzer eine Partnerschaft zwischen beiden Museen und den Gemeinden an.

Im Sommer geöffnet

Das Hans-Grade-Museum im Rumpf der IL 18 öffnet nach der Winterpause im Frühjahr wieder.
Dann soll auch der in Wildau restaurierte Hubschrauber „Kamow 26“ auf der angrenzenden Freifläche zurück sein. Das Museum verfügt dann über fünf Fluggeräte.
Zu besichtigen ist das Museum, Am Flugplatz, von März bis Oktober
Samstag , Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr.
Gruppen können weitere Termine vereinbaren unter Tel.  033845/41946.

„Dies könnte ich mir gut vorstellen“, sagte Andreas Kreibich.„Aber eine Partnerschaft muss auch mit Leben erfüllt werden“, so der Bürgermeister von Borkheide. Er könnte sich auch vorstellen, die Ortseingangsschilder mit Hans Grades Namen zu schmücken. Peter Schulze würde das freuen. „Meine damalige Landung galt auch dem Andenken von Grade und der Errichtung einer Gedenkstätte“, erzählte er zu seiner wagemutigen Tat. Diese war damals jedoch akribisch geplant. „Wir haben die Landung in Schönefeld geprobt. Dabei stellte sich heraus, dass die Maschine auch schon nach 480 Metern zum Stehen gebracht werden kann“, erinnert sich der 79-jährige Schulze.

Zur Gedenkfeier ins Hotel „Fliegerheim“ hatte er seinen damaligen Copiloten, Günter Ehrhard, mitgebracht. Der Flug von Schönefeld nach Borkheide wäre beinahe geplatzt. „In der geplanten Einflugschneise befand sich ein Baum. Ich verlangte die Fällung oder das Ganze wäre abgeblasen worden“, erinnerte sich Heinz-Dieter Kallbach. Der Chefpilot war damals als Beobachter der Fluggesellschaft Interflug in Borkheide.

Der Bürgermeister ließ den Baum mit Hilfe der Feuerwehr fällen. Nach nur 13 Minuten Flug erreichte Schulze das Ziel, die knapp 800 Meter lange Grasbahn des einstigen Grade-Flugfeldes. „Es war tolles Wetter, die Sonne schien, der Boden war trocken, beste Voraussetzungen“, weiß der Pilot noch heute. Wie geplant zog er zwei Ehrenrunden. „Jedes Mal drosselte ich das Tempo weiter“, erzählte er beim Festakt. Danach ging es endgültig abwärts. Am 16.November 1989, um 12.42 Uhr setzte die IL18 in Borkheide für immer auf. Bürgermeister Horst Müller quittierte der Interflug den Empfang mit den Worten „Maschine erhalten“ und seiner Unterschrift. Das freilich ist heute ein Problem. „Wir wissen nicht genau, wem die Maschine gehört“, sagte Amtsdirektor Großmann.

Er sieht darin einen Grund für die Schwierigkeiten um das Museum und die denkmalgeschützte Maschine. Diese soll nächstes Jahr einen neuen Anstrich erhalten. Obwohl es Angebote gebe, die Außenhaut kostenlos mit Folie in Originaloptik zu bekleben, sträubten sich Denkmalschützer. Die Behörde verlange Lackgutachten und einen Anstrich mit Originalfarben, sagte Burckhard Ballin. Jetzt sei man kurz vor der Einigung. „Allerdings brauchen wir noch Spenden“, so der Vereinschef.

Von Andreas Koska

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