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Potsdam-Mittelmark Die Christen übernehmen die Jugendarbeit
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Christen übernehmen die Jugendarbeit
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19:26 12.04.2018
Jonas Schmidt, Maria Paschold und Sozialarbeiter Jan Schneider vom CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) im Jugendtreff Bad Belzig. Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) soll in Zukunft für die Jugend(-sozial-)arbeit in der Kur- und Kreisstadt verantwortlich zeichnen. Mit dieser Aufgabe ist er jetzt von den Stadtvätern betraut worden. Aus einem Quartett von Interessenten erhielt dieses Konzept jetzt den Zuspruch von zwei Dritteln der Parlamentarier.

Damit endet zunächst einmal eine Ära, in der das Jugendfreizeitzentrum Pogo als Hauptanlaufstelle diente. Die Zukunft der in den 90er-Jahren vom Landkreis Belzig mit Millionenaufwand sanierten Backsteinvilla ist vorerst noch ungeklärt. Die später von der Kommune und zuletzt von der Stiftung Sozialpädagogischen Institut (SPI) „Walter May“ geführte Einrichtung scheint aber für den Zweck nicht mehr zeitgemäß. Wegen Brandschutzauflagen wäre sie erst wieder nach umfangreichen Investitionen wieder nutzbar und so hatte keiner das Gebäude mehr auf seinem Zettel.

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Sowohl SPI-Stiftung als auch Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark, der hier Neuland betreten hätte, erhielten für ihre Strategien zum Wohl der etwa 800 hiesigen Kinder und Jugendlich jeweils drei Stimmen.

In jeweils zehn Minuten konnte das Bewerberquartett seine Vorhaben vorstellen und sich dann nochmals den Fragen der Parlamentarier stellen. Mobile und aufsuchende Jugendarbeit fand sich in allen Präsentationen wieder, wie Jeannette Nissen feststellte. Für das von ihr vertretene Konzept der Diakonie gab es zwar keine Stimme von den Abgeordneten. Doch hatte sie – für den Fall des Falles – eine Kooperation mit dem CVJM in Aussicht gestellt.

„Die Angebote stehen allen Kindern und Jugendlichen offen“, betonten Anika Schneider und Jan Schneider, die zunächst die Arbeit erledigen werden. Es gebe hinlänglich Erfahrungen aus anderen Städten und Gemeinden. Mit Blick auf die 100 000 Euro, die von der Stadt Bad Belzig pro Jahr an den Dienstleister gezahlt werden, heißt es: „Es wird für eine klare Trennung der kirchlichen Arbeit von der kommunalen Aufgabe gesorgt“, so der CVJM-Mitarbeiter, der bereits seit drei Jahren im Hohen Fläming tätig ist. Eine weitere Personalstelle soll nun noch besetzt werden.

Streit um Formalien

Der Vergabe der Jugend(-sozial-)arbeit für die Stadt Bad Belzig gingen nochmals Kontroversen um die Formalien voraus.

Die Kommunalaufsicht des Kreises Potsdam-Mittelmark hatte zunächst auf einen Interessenkonflikt hingewiesen, der sich für Roland Leisegang (parteilos) ergeben könnte, weil er Vorstandsmitglied im Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark – einem der Bewerber – ist. Der Bürgermeister hat die Sitzung daher diesmal für die Zeit verlassen, in der dieser Tagesordnungspunkt behandelt worden ist.

Auf Wunsch der Fraktionen von SPD sowie Wir vom Dorf/Freie Wählergemeinschaft/Gewerbeverein wurden alle vier Interessenten noch einmal angehört, obwohl der Sozialausschuss – seinerzeit allerdings im Beisein des Stadtoberhauptes – schon zwei Finalisten empfohlen hatte.

Dieser Bitte waren Verwaltungschef und Stadtverordnetenvorsteher Ingo Kampf (SPD) nachgekommen, ohne dass sie im Parlament formell beantragt und abgestimmt worden ist. Diese somit ohne Mehrheitsbeschluss vorgenommene Veränderung des Prozederes hat Jürgen Gottschalk (CDU) scharf kritisiert, es letztlich aber dabei bewenden lassen.

Schließlich ging der Zuschlag dann an einen der beiden Favoriten.

Dass die Betreuung am 1. Januar mehr oder weniger nahtlos weitergehen wird, dürfte eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung der Stadtverordneten gespielt haben.

Das Domizil im einstigen Döner-Laden an der Spiegel-Kreuzung hat sich im Lauf des Jahres etabliert und ist somit die erste Adresse. Schon länger zeichnet der CVJM auch für den Jugendklub Ragösen verantwortlich. Nach einer Bedarfsanalyse werden weitere dezentrale Offerten beispielsweise im Wohngebiet Klinkengrund erwogen.

Vernetzung und Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Kultur- und Sportvereinen, die sich ebenfalls um den Nachwuchs kümmern, stehen ebenfalls auf der Agenda.

Von René Gaffron

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