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Potsdam-Mittelmark Die Himmel im Landarbeiterhaus
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Himmel im Landarbeiterhaus
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15:36 17.10.2016
Susanne Spechts „Formendlos 8“ 3-D-Drucker -Module.
Susanne Spechts „Formendlos 8“ 3-D-Drucker -Module. Quelle: Lothar Krone
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Kleinmachnow

Seit mehr als hundert Jahren wechseln die Himmel über den moosgrauen Dachschindeln des Landarbeiterhauses und geben dem alten Gebäude seine äußere Patina. Aber auch innen gibt es trotz der Renovierung noch jede Menge Patina zu bestaunen.

Mit der Ausstellung von Susanne Specht und Rainer Gottemeier gibt es nun sogar die Himmel im Haus. Ganz folgerichtig heißt diese bildkünstlerische Attacke auf unsere Sehgewohnheiten auch „Die Himmel des Hauses“. Susanne Specht und Rainer Gottemeier haben die im Gebäude befindlichen Zeitspuren auf sich wirken lassen und auf die so lebendigen Wandflächen durch Hinzufügung eigens kreierter Objekte reagiert. Ihren Arbeiten merkt man die Begeisterung für die konservierten Verschleißspuren förmlich an. So werden Verputzflecken, Tapetenreste und alte Anstriche zu Bestandteilen der Ausstellung und fügen sich übergangslos in die Gesamtinszenierung ein.

Spechts frei im Raum schwebende schwarze Zellkautschuk-Objekte haben dabei oft eine theatralische Dimension. Ihre Titel wie „Omno“ (Traum) oder „Seelebaumeln“ sind aber kein verpflichtender Kompass, sondern liefern glücklicherweise nur vage begriffliche Koordinaten für einen ganz persönlichen Ausflug in das Reich der Fantasie. Spielerisch und trotzdem sehr konkret sind ihre Partituren aus weißen 3-D Drucker-Modulen, die sie wie Noten auf die vorhandenen Wandstrukturen komponiert. Erstaunlicherweise entstehen dabei aus immer den gleichen simplen Modulen höchst individuelle Bildkörper, die in ihrem Zusammenspiel an aus der Ferne herüber klingende Melodiefetzen erinnern. Auch Gottemeier setzt auf die Kraft der Poesie. Seine Neonleuchtobjekte, die er „skulpturale-Lichtflechtwerke“ nennt, verstrahlen ein magisches Licht. Pulsierende Lichtströme scheinen im Innern durch die fingerstarken Glaskörper zu rasen. Zudem erinnern etliche seiner Neonskulpturen an rätselhafte Figuren oder Gesten. „Ikarus Reset“ heißt ein verschlungenes Neongebilde, das tatsächlich an einen die Schwingen ausbreitenden Ikarus erinnert und seine Umgebung in mystisches Rot taucht.

Gottemeiers Plexiglastafeln mit 5000 Sternenlöchern. Quelle: L. Krone

Ganz ohne Strom dagegen kommen seine vor die Wand geschraubten Felder aus orangeroten und gelbgrünen Plexiglastafeln aus. Gottemeier holt uns den Kosmos in die gute Stube, indem er für die maximal 5000 mit dem menschlichen Auge wahrnehmbaren Sterne 5000 unterschiedlich starke kleine Löcher in die Tafeln bohrte und wie Sternenbilder auf die Wände komponierte. An den Kanten dieser Tafeln und in den Bohrungen aber sammelt sich das Licht und funkelt dabei so magisch, dass man glaubt, geheime Gucklöcher ins Universum entdeckt zu haben.

Info: bis 6. November, Zehlendorfer Damm 200, Sa/So, 14 bis 18 Uhr

Von Lothar Krone

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