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Potsdam-Mittelmark Generationswechsel im Amt der Gleichstellungsbeauftragten
Lokales Potsdam-Mittelmark Generationswechsel im Amt der Gleichstellungsbeauftragten
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16:28 28.05.2020
Die neue Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Mariana Siggel. Quelle: Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark
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Mittelmark

Seit einer Woche ist Mariana Siggel als neue Gleichstellungsbeauftragte von Potsdam-Mittelmark im Amt. Die bisherige Fachdienstleiterin für Soziales und Wohnen sieht die Gleichberechtigung von Männern und Frauen als ein Thema an, dass nie zeitlos wird. Es muss immer wieder von vorn gepredigt werden, jeder neuen Generation sei Geschlechtergerechtigkeit zu vermitteln. Das Thema sei nie zu Ende erzählt – ob vor 80 oder 50 Jahren oder heute, auch wenn Gleichberechtigung 2020 natürlich auf einem ganz anderen Niveau herrsche als damals.

Als eines ihrer Ziele nennt die 55-Jährige die Analyse, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf diese Gerechtigkeit hat. Denn noch immer, davon ist Mariana Siggel überzeugt, zahlen Frauen den höheren Preis und opfern ihr berufliches Vorankommen eher der Familie als Männer und stecken in dieser Zeit der Pandemie zugunsten der Kinderbetreuung eher zurück als die Väter.

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Frauen in systemrelevanten Jobs

„Zu den systemrelevanten Berufen zählen Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Pflegekräfte, Erzieherinnen. Alles Berufe, die vor allem von Frauen ausgeübt und nicht gut bezahlt werden.“ Viele von ihnen verzichteten in diesen Wochen auf ihre Berufsausübung und ließen den Mann arbeiten, der im Schnitt mehr Geld verdiene.

„Wir müssen immer wieder Frauen ermuntern, zu fragen, welche Bedürfnisse und welche Rechte sie haben und welche Ansprüche an ihr Berufsleben.“ Das Wort egoistisch findet Mariana Siggel zu hart, da würden die Männer aufschreien, aber sie wolle Frauen dazu ermutigen, dass sie sich mehr um sich selbst kümmern und „aufmerksam für ihre eigenen Rechte und Bedürfnisse werden und diese auch zu Sprache bringen“.

Aufgewachsen in Hennigsdorf

Mariana Siggel ist in Löbau bei Bautzen geboren und aufgewachsen in Henningsdorf. Seit 27 Jahren arbeitet sie in der Kreisverwaltung von Potsdam-Mittelmark. Von 2018 an war sie Leiterin des Sozialamtes. Die Mutter zweier erwachsener Kinder lebt in Brandenburg an der Havel. Sie ist Diplom-Philosophin und hat berufsbegleitend den Verwaltungsfachwirt gemacht. Neben ständigen Fortbildungen absolvierte sie den Akademiekurs für Sozialkontrolling.

Sie wolle sich um die Rechte aller Generationen von Frauen kümmern, nicht nur um die junger Mütter, sondern auch jener, deren Kinder aus dem Haus sind. Auch das sei, selbst kurz vor oder nach der Rente, die Zeit, um sich zu verwirklichen. Mariana Siggel lobt die Arbeit der Frauen, die sich bereits vernetzt hätten, etwa wie die Landfrauen. Netzwerke, die in einer Kommune „ihre Ressourcen und Interessen bündeln“.

Generationswechsel auf Position

Mariana Siggel ist am 15. Mai vom Kreistag gewählt worden als Nachfolgerin von Theresa Pauli, die zum Jahreswechsel ihre Stelle verlassen hatte. Mariana Siggel will nun als erstes den seit 2019 überfälligen neuen Gleichstellungsplan, der für jeweils vier Jahre gilt, in Angriff nehmen. Dazu gehört die Analyse, wo Frauen etwa in Politik, Verwaltung, aber auch in der Wirtschaft, unterrepräsentiert sind.

Anders als Theresa Pauli, die zugleich auch Integrationsbeauftragte war, könne sie sich auf die Gleichstellung konzentrieren, sagt Mariana Siggel. Schon dadurch werde sie sich von der Arbeit ihrer Vorgängerin, die besonders seit der Flüchtlingskrise 2015 gefordert war, abgrenzen. Pauli, heute 33, war sieben Jahre im Amt. Mit Mariana Siggel, die 22 Jahre älter ist, ist damit auch ein Generationswechsel eingetreten, von der jungen Frau zu der in der Verwaltung Erfahrenen mit jahrelanger Führungserfahrung. Es wird spannend sein zu sehen, wie sie ihren anderen Blick in ihre Arbeit einfließen lassen wird.

Von Marion von Imhoff