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Potsdam-Mittelmark Die reale Angst vor einem fiktiven blauen Wal
Lokales Potsdam-Mittelmark Die reale Angst vor einem fiktiven blauen Wal
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22:27 07.07.2017
Mit dem Hype um die angebliche „Blue Whale Challenge“ sprangen Trittbrettfahrer auf und entwickelten eine spielbare App.   Quelle: Christin Iffert
Treuenbrietzen

 Die „Blue Wahle Challenge“ versetzt Eltern und Schulen in Alarmbereitschaft. Das Spiel, in dem es angeblich um Leben und Tod geht, ist im Hohen Fläming angekommen. Schulleiter Kersten Höhne der GrundschuleAlbert Schweitzer“ in Treuenbrietzen hat am Donnerstag die Eltern mit einem Schreiben über das vermeintlich gefährliche Internetspiel informiert. Darin forderte er sie auf, mit den Kindern über die Gefahren zu sprechen.

Das Schreiben verbreitete sich am Donnerstagnachmittag rasant auf der Internet-Plattform Facebook. Eltern kommentierten die Beiträge auch unabhängig von der Treuenbrietzener Grundschule. Während die einen aufklärten, waren andere erschrocken, dass es dieses Spiel überhaupt gäbe. Inzwischen sind die Einträge nicht mehr einzusehen.

„Blue Whale“ – hat die Challenge bereits Leben gekostet?

Bei der „Blue Whale Challenge“ erhalten die Teilnehmer 50 Tage lang unterschiedliche Aufgaben. Das fängt zunächst harmlos an. So sollen sie etwa einen Text über ein Thema schreiben, Geschenke machen. Später folgen dann angeblich Forderungen wie: „Nimm dir ein Tuch und ziehe es dir so fest um den Hals, bis er blau wird.“ Das Ende soll ein Aufruf zum Selbstmord sein und orientiert sich an der wissenschaftlich nicht eindeutig belegten Theorie, blaue Wale würden sich nur an Land spülen lassen, um in suizidaler Absicht zu sterben. Medien berichten, es sollen schon mehr als 130 Selbsttötungen damit in Russland in Verbindung gebracht worden sein.

Doch ob dieses Spiel vor dem Hype der Medien, der vor Monaten auch Deutschland erreicht hat, überhaupt existiert hat, ist nicht belegbar. Dass das Spiel ein „Fake“ sei, glaubt Treuenbrietzens Schulsozialarbeiterin Diana Bölke. „Es war eine Gruselgeschichte in digitaler Form. Früher hat man sich diese Geschichten unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe erzählt, heute werden dazu digitale Medien genutzt“, sagt sie. Trittbrettfahrer hätten daraus jedoch eine reale Situation geschaffen, indem sie etwa eine App für Android-Telefone programmierten.

Trittbrettfahrer entwickelten eine spielbare App. Sie ist nur auf Android-Geräten verfügbar. Eine Mutter aus Treuenbrietzen testet das Spiel aktuell, um die Gefahrenstellen für Kinder auszumachen. Quelle: Christin Iffert

Treuenbrietzener Grundschüler hatten erst in dieser Woche Warnungen zur Challenge über den Nachrichtendienst WhatsApp erhalten. Diese Kettennachrichten machen erst auf das Spiel aufmerksam. Als die Schulleitung davon erfuhr, ging alles ganz schnell. Die Schüler wurden sensibilisiert und aufgeklärt.

Polizei warnt vor „Panikmache“ – eine Anzeige liegt bisher vor

„Es wussten erstaunlich viele Kinder darüber Bescheid. Wir haben selbst kaum glauben können, in welche Kanäle das schon gespült wurde“, erklärt Höhne. Er ist deshalb beunruhigt. „Anfangs gingen wir noch von Einzelfällen aus“, ergänzt die Schulsozialarbeiterin.

Der Polizeidirektion West liegt bisher eine Anzeige zur „Blue Whale Challenge“ vor – allerdings in der Landeshauptstadt Potsdam. Dort warnt man vor der Verbreitung: „Grundsätzlich sollten derartige Nachrichten nicht weitergeleitet oder verteilt, sondern sofort gelöscht werden“, teilte eine Pressesprecherin auf MAZ-Anfrage mit. Sollten Schulen Probleme sehen, können sie sich an die Polizei wenden. Vor „Panikmache“ in den Medien warnte die Sprecherin indes.

Eltern müssen auf die Risiken eines Smartphones hinweisen

Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger von der Fachhochschule der Polizei Brandenburg sieht in der „Blue Whale Challenge“ eine Art Medienlegende, die dennoch auf Jungen und Mädchen eine gewisse Faszination auslösen könnte. „Wenn wir unseren Kindern Smartphones in die Hand geben, müssen wir sie gleichzeitig auf die Risiken aufmerksam machen“, rät er. Allerdings bedürfe das ein Wissen um die Risiken. Eltern müssen sich also mit digitalen Medien und den Einflüssen auseinander setzen, Medienkompetenz erwerben um sie weitergeben zu können. 

Diana Bölke ist Schulsozialarbeiterin an der Grundschule in Treuenbrietzen. Quelle: privat

Andere Grundschulen im Fläming wurden seitens der Schüler mit dem „Blauwal“-Spiel indes noch nicht konfrontiert – etwa in Brück, Borkheide oder Wiesenburg. Das Schreiben aus der Sabinchenstadt liegt Ines Michaelis, Leiterin der Grundschule „Geschwister-Scholl“ in Bad Belzig vor. Noch ist aber unklar, wie man dort mit der Problematik umgehen wird.

„Die reale Gefahr ist die Angst“ – vor Drohungen

In Treuenbrietzen glaubt Schulleiter Kersten Höhne nicht, dass die Kinder das Spiel spielen. Vielmehr gehe es um seelische Schäden, die es zu verhindern gilt. „Die reale Gefahr ist die Angst“, bringt es Schulsozialarbeiterin Bölke auf den Punkt. Denn wenn der Nachwuchs dem Spiel nicht folge, heißt es, würde ihm oder der Familie etwas zustoßen. So heißt es in der verbreiteten Kettennachricht, dass der Teilnehmer bei der Abschlussaufgabe aus dem Fenster springen solle. Weigern sich die Spieler, werden sie stattdessen aus dem Fenster geschubst. Was Erwachsene als üblen Quatsch abtun, verursacht bei Kindern hingegen Unbehagen. „Wir mussten Aufklärungsarbeit leisten, damit die Jungen und Mädchen nicht glauben, dass hinter jedem Baum tatsächlich jemand lauern könnte, wenn sie nicht mitspielen.“

Ängsten entgegentreten, keinesfalls schüren – das ist die Devise der Treuenbrietzener Schulleitung. „Die Eltern müssen ihre Kinder aufklären, beruhigen und erklären, dass ein Kettenbrief harmlos ist“, meint Diana Bölke.

Von Christin Iffert

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