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Potsdam-Mittelmark Ein Konzert ist manchmal wie Sex
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Konzert ist manchmal wie Sex
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16:47 11.07.2017
Schaut mir in die Augen, Leute: Tenor Björn Casapietra mag es senitimental. Quelle: promo
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Brück

Björn Casapietra ist Tenor, Schauspieler und Moderator. Am Sonntag ist er in der St. Lambertuskirche in Brück zu erleben.

Herr Casapietra, wie viele Liebesbriefe bekommen Sie eigentlich im Monat?

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Gar keine. Schade, denn ich bin seit Jahren Single und wünsche mir, dass sich das wieder ändert.

Sie singen also nicht nur von der Liebe, sondern sehnen sich auch nach ihr?

Ich bin ein romantischer Mensch. Natürlich stelle ich mir da vor, dass mich mal jemand aus der ersten, zweiten Reihe anschaut und sich in meine Musik und mich verliebt.

Unabhängig von der Frauensuche, arbeiten Sie auch viel. Woran?

Ich übe, arbeite an meinen Songs, an Pressearbeiten für Konzerte oder an neuen Orten, die wir erobern wollen. Es ist nicht so leicht, die Kirchen immer dazu zu bekommen ein Konzert zuzusagen. Da muss man als Künstler hier und da ein gutes Wort einlegen und erklären, was man singt.

In Brück treten Sie ebenfalls in einer Kirche auf. Warum bevorzugen Sie Gotteshäuser?

Die Menschen kennen sie und gehen einfach gerne in ihre Kirche. Viele haben einen Bezug dazu – da war beispielsweise eine Taufe oder eine Hochzeit. Wir freuen uns auf Brück und auf diese wunderschöne Lambertuskirche – die ist ja ein Traum. Ich kenne sie aber bisher nur von Bildern. Von Freunden weiß ich, dass die Kirchenakustik dort sehr gut ist.

Was macht denn die Akustik einer solchen Kirche aus?

Kürzlich sind wir in einem Sprechtheater aufgetreten. Natürlich ist das so konzipiert, dass dort wenig Hall ist. In Kirchen ist das anders. Da singt man nur einen Ton an und schon schallt das bis in die letzte Reihe. Das kommt meiner Stimme sehr entgegen. Stellen Sie sich das Ave Maria vor. Wenn dort noch eine Kirchenakustik hinzu kommt, dann bleibt kein Auge trocken.

Warum wählten Sie Brück aus?

Wir waren bereits in Lütte. Das Konzert war dort wirklich fantastisch. Das werde ich auch nie vergessen, denn es war eng, klein und intim. Dazu gab es ein tolles Publikum, die Menschen haben gelacht und waren offen für meine Ironie und meine Berliner Schnauze. Nun dachten wir, es ist Zeit, einen anderen Ort kennenzulernen und sind auf Brück gekommen.

Eng, klein und intim. Was mögen Sie daran?

Diese kleinen, intimen Konzerte sind einfach immer viel schöner. Normalerweise sind es große Kirchen, in denen wir Konzerte spielen. Da sind wir weit weg von den Leuten. In Lütte war das wie eine kleine Puppenkammer – alles war nah an der Bühne und man hatte das Gefühl, das sei wie Sex. Man macht Liebe mit dem Publikum, denn die Leute sehen jede Schweißperle und hören jeden Atemzug. Man spürt sogar die Gänsehaut der Gäste.

Konzert in Brück und Musik im Blut

Björn Casapietra tritt am Sonntag um 16 Uhr in der St. Lambertuskirche in Brück mit seinem Programm „Lieder der Sehnsucht“ auf.

Peter Forster begleitet den 47-jährigen Sänger auf dem Piano.

Im Programm gibt es neben italienischen Klassikern auch viele Filmmusiken, etwa aus der Pate oder das Leben ist schön. Denn: Casapietra bezeichnet sich selbst als Cineast.

2015 hat der Sänger sein letztes Album „Un Amore Italiano“ veröffentlicht. Es startete in den Top 5 der Classic-Charts.

Zwischen 50 und 100 Konzerte spielt der Tenor jedes Jahr.

Er ist der Sohn der berühmten italienischen Sopranistin Celestina Casapietra und des 1990 verstorbene Dirigenten Herbert Kegel.

Was wollen Sie den Menschen in Brück auf Ihrem Konzert mitgeben?

Wir wollen Brück in unserer besten Form erobern. Ich glaube, wir haben mit Liedern der Sehnsucht auch tatsächlich sowas wie den Zeitgeist getroffen. Ein wunderschönes Lied jagt das nächste bei dem Programm in fünf Sprachen – französisch, italienisch, hebräisch, schottisch und deutsch. Am Ende möchte ich, dass die Leute begeistert nach Hause gehen.

Sie wollen also die Menschen glücklich machen?

Verdammt, was ist denn mein Job? Der ist die Menschen glücklich zu machen, sie zu berühren! Wir leben in so unglaublichen Zeiten. Allein was gerade in Hamburg los war, da explodierte die ganze Stadt, dann Trump, Erdogan, AfD und Flüchtlinge. Wir leben in so unglaublich unruhigen Zeiten, da hat Musik die verdammte Aufgabe und Pflicht, den Menschen Zuversicht, Hoffnung und Liebe zu geben. Ich will nicht nur ein Tenor sein, der einfach nur schön singt. Ich möchte mehr.

Was denn?

Wir leben in einem wunderbaren Land. Noch nie gab es eine Generation, die so viel Wohlstand hatte. Noch nie gab es so eine lange Friedenszeit in Europa. Da möchte ich den Menschen sagen, dass es uns gut geht und wir Kraft getrost aus Musik schöpfen können.

Ist Musik dazu denn in der Lage?

Musik kann dafür sorgen, dass sich jemand besser fühlt. Also wenn ich mich mal schlecht fühle, dann höre ich von den Beatles „Let it be“ oder U2. Schon geht es mir besser.

Sie reisen mit ihrer Musik gerade durch Deutschland. Lieben sie das Touren?

Ja total, ich lerne dadurch das Land kennen. Ich könnte ihnen so viele Details aus Orten nennen, die ich nie wüsste, wenn ich dort kein Konzert gespielt hätte. Wahrscheinlich hätte ich auch diese Orte selbst nie kennengelernt. Brück zum Beispiel – da werde ich mir natürlich das Zentrum ansehen. Gleichzeitig lerne ich auch die Menschen kennen und kann die Stimmung in den Städten einfangen. Man spürt, wie es dem Land geht, wenn man so viel unterwegs ist.

Sind Sie vor Konzerten manchmal aufgeregt?

Wenn ich nicht aufgeregt bin, dann werden die Konzerte meistens nicht so gut. Die Aufregung ist wichtig, weil sie dafür sorgt, dass ich mich konzentriere.

Sie bereiten ihren Fans öfter Gänsehautmomente. Wobei bekommen Sie eigentlich Gänsehaut?

Wenn wir einen Film gucken, der mich berührt. Meine Tochter hasst es, wenn wir einen sehen, bei dem ich weine. Und ehrlich: ich weine wirklich bei fast jedem Film. Aber ich möchte mich da auch nicht verstellen. Es gibt einfach so wunderschöne Szenen, da kann ich einfach nicht anders. Das sind dann meine persönlichen Gänsehautmomente.

Ihr jüngstes Album heißt „Un amore italiano“ und war vor zwei Jahren ein Erfolg. Ist denn schon eine neue Platte geplant?

Ich möchte am liebsten eine Platte mit meiner achtjährigen Tochter Stella aufnehmen. Wir haben so wunderschöne Duette, die wir auch auf Konzerten miteinander singen. Mein großer Traum wäre da ein Weihnachtsalbum. Aber jetzt steht am Wochenende erst mal unser Konzert in Brück an und ich habe mir fest vorgenommen, mein Publikum zu begeistern.

Von Christin Iffert

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