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Potsdam-Mittelmark Ein Museum mit Blick für die Zukunft
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Museum mit Blick für die Zukunft
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18:19 24.07.2017
Die Mitglieder des Museumsvereins wollen Schülerinnen und Schüler für technische Berufe begeistern. Quelle: IZB
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Teltow

Was Telefonapparate mit Wählscheibe und dicke Kupferkabel mit den Traumberufen der Fachkräfte von morgen zu haben? Eine ganze Menge, findet Lothar Starke, Vereinsvorsitzender des Industriemuseums Teltow. Die inzwischen veraltete Technik haben er und seine 40 Vereinskollegen mühsam zusammengetragen. Moderne Nachfolger ergänzen die Dauerausstellung und sind nicht nur zum Anschauen da.

Der Verein möchte bei Schülern „das Interesse für technische Berufe und Studienrichtungen wecken und für die Möglichkeiten einer beruflichen Entwicklung in der Region werben“, sagt Starke. Genauso steht es im Leitbild des Vereins, das im November beschlossen wurde und die zukunftsorientierte Ausrichtung des Vereins symbolisiert. Im Teltower Industriemuseum soll nicht nur die Vergangenheit bewahrt, sondern viel mehr die Zukunft gesichert werden. Deshalb können sich Jugendliche, die das Museum besuchen, wenige Meter weiter direkt über passende Ausbildungsberufe informieren.

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Verein übernimmt Schulaufgaben

Einer der Gründe für die Modernisierung des Museums war eine Entscheidung des Brandenburgischen Schulministeriums. Im März 2016 wurde die „Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung“ beschlossen, die für die Schulen den Handlungsrahmen bei der Berufs- und Studienorientierung neu definierte. Als Informationszentrum für eben diese Berufsorientierung (IZB) blieb dem Industriemuseum gar keine andere Wahl, als sich den neuen Ansprüchen anzupassen.

Denn Zeit, um die berufliche Orientierung in den regulären Unterricht einzubauen, haben die Lehrer nicht. „Wir bieten deshalb eine Leistung an, bei der die Lehrer nur zugreifen brauchen“, erklärt Hartmut Wittich. Er ist für den inhaltlichen Aufbau des Museums verantwortlich und kennt Details zu jedem Exponat. Wittich weiß aber auch auf welchen Ausbildungsbetrieb oder welche Hochschule in der Region er hinweisen muss, wenn ein Schüler Interesse für einen bestimmten technischen Bereich zeigt.

Vereinsvorsitzender Lothar Starke in der Dauerausstellung des Industriemuseums. Quelle: Victoria Barnack

Museumsarbeit und Hilfe bei der Berufswahl gehen bei dem Verein Hand in Hand, der nicht nur Projekttage zu geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Themen bietet. „Wir helfen auch bei der Organisation von Exkursionen zu Betrieben in der Region“, erklärt Wittich. Mehr als 200 Unternehmen fasst die Datenbank des Vereins. „Wir möchten es den Schülern ermöglichen, die Wirtschaft hier vor Ort kennenzulernen“, sagt er. Bei einem Schnuppertag sollen sie erfahren, was der potenzielle Arbeitgeber im Einstellungstest verlangt und wie der Berufsalltag abläuft.

Digitalisierung im Industriemuseum

Damit das Interesse für die Lehre zum Werkzeugmechaniker oder Fachinformatiker im Industriemuseum geweckt wird, haben sich Stolze und seine Kollegen dem Kommunikationsstil der Jugendlichen angepasst – obwohl sie fast alle im Rentenalter sind. Die Informationstafeln sind mit QR-Codes versehen, die den Nutzer am Smartphone zu interaktiven Seiten und Videos weiterleiten. Das Museum wurde mit mobilem Internet ausgestattet. Zehn Tablets stehen zur Verfügung. Die Lehrer können alle Inhalte außerdem vorab herunterladen. „Denn erst wenn die Schüler mit einem konkreten Auftrag, beispielsweise zur Vorbereitung auf einen Vortrag herkommen, nehmen sie auch Wissen mit“, erklärt Wittich. 1500 Schüler besuchten das Industriemuseum in Teltow im ersten Jahr der neuen Landesstrategie.

Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung im Land Brandenburg

Individuell, systematisch und praxisorientiert sollen Schüler auf die Wahl der beruflichen Zukunft vorbereitet werden. Die Berufs- und Studienorientierung ist als fächerübergreifende Aufgabe in den Rahmenlehrplänen verankert. Lehrkräfte sollen ihre spezifischen Kompetenzen in Weiterbildungen vertiefen.

Instrumente der Landesstrategie sollen unter anderen Berufs- und Studienkoordinatoren und entsprechende Konzepte an den Schulen, die Beteiligung der Eltern als Ratgeber und Exkursionen sowie Betriebspraktika und -besichtigungen sein. Ein Berufswahlpass soll die Schüler ab der Grundschule begleiten.

In der 5. Klasse soll mit den ersten Betriebsbesichtigungen begonnen werden. Ab der 7. Klasse sollen Einstellungstests und Potenzialanalysen folgen. Später sind auch Bewerbungstrainings und Simulationen ebenso wie Planspiele, Schülerfirmen und die Begleitung in den Berufseinstieg durch die Schulen vorgesehen.

Von Victoria Barnack

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