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Potsdam-Mittelmark Ein Vierteljahrtausend Backkunst
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Vierteljahrtausend Backkunst
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11:22 29.03.2017
Bäckermeister Michael Fiedler führt das Kloster-Café seit 17 Jahren. Quelle: JACQUELINE STEINER
Lehnin

Das Klostercafé Fiedler feiert am 1. April ein unglaubliches Jubiläum: Seit 250 Jahren, also seit einem Vierteljahrtausend, gibt es die Bäckerei und Konditorei mit Café inmitten des Klosterstädtchens Lehnin. Die Bäckerei gilt damit als eine der ältesten in Deutschland. 1767 gründete Gottlob Göhlke, ein direkter Vorfahr des heutigen Bäckereichefs Michael Fiedler, den Familienbetrieb.

Blick in die Brotbackstube. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Geschicke des Klostercafés Fiedler spiegelt die Geschichte Deutschlands wider. Nach dem Ende der DDR, als alles möglich war oder zumindest schien, flogen die Fiedler-Brötchen bis nach Amerika. Nach der Wende belieferte die Bäckerei Airlines. Zu Kaisers Zeiten hingegen war das Café eine Gaststätte – beliebt bei Sommerfrischlern aus Berlin. Für die deftigen Berlin-Brandenburgischen Gerichte gab es vier Küchen in dem Gebäude, das auf Klostermauern fußt.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges schließlich wurde das Café geschlossen. „Das war der Tiefpunkt in unserer Geschichte“, sagt Michael Fiedler. In das einstige nun an die staatliche Handelsorganisation HO zwangsvermietete Café zog ein Kolonialwarengeschäft ein, dann ein Teppichladen. Nur die Bäckerei blieb der Familie.

Der Schriftzug „Kloster-Kaffee“ in den 1970er Jahren. Quelle: JACQUELINE STEINER

Als Ende des 18. Jahrhunderts alles begann, regierte in Preußen der Alte Fritz und in Österreich noch Maria Theresia. In der Bäckerzunft war 1767 neben Kuchenkunst vor allem Muskelkraft gefragt, denn Brot zu backen war eine Mühsal verglichen mit heute. Kneten heute in Michael Fiedlers Backstube Maschinen mit 250 Liter-Kesseln den Brotteig binnen 15 Minuten, „war das damals vor 200 Jahren reine Handarbeit“, erzählt der Bäckermeister.

Michael Fiedlers Großmutter ( erste von links) mit Angestellten in den 1930ern. Quelle: JACQUELINE STEINER

45 Minuten galt es, den Teig durchzuarbeiten und dann noch einmal 15 Minuten. Jeder, der schon schweren Teig von Hand geknetet hat, weiß, was das bedeutet. Auf Fiedlers Dachboden sind die Knettische von einst mit Teigbeuten, das sind ins Holz eingelassene Mulden, noch zu finden.

Zur Geschichte

In der Bäckerei Klostercafé Fiedler backen und verkaufen die acht Mitarbeiter täglich 500 Brötchen und 45 Brote. Hinzu kommen jeden Tag 15 bis 18 Sorten Kuchen und Gebäck. Der Käsekuchen gewann in diesem Jahr den 2. Platz eines Wettbewerbs mit 44 teilnehmenden Bäckereien in Berlin und Brandenburg und die Eierschecke 2016 sogar den 1. Platz. Der gefüllte Mandelbienenstich ist der Renner.

Seit vier Jahren steigt der Umsatz von Brot und Brötchen in dem Familienbetrieb wieder leicht an, sagt Bäckermeister Michael Fiedler. „Die Kunden wissen wieder handwerklich hergestelltes Brot zu schätzen.“

Gottlob Göhlkes Sohn Karl folgte seinem Vater dennoch in den mühsamen Beruf. 1847 übernahm Gustav Göhlke als Vertreter der dritten Generation der Bäckerfamilie den Betrieb.

Nun wird die Ahnenreihe aus heutiger Sicht fassbar. Gustav Göhlke war Michael Fiedlers Ur-Urgroßvater. 1902 übernahm Ur-Großvater Gustav Göhlke junior den Traditionsbetrieb mit damals bereits 135-jähriger Geschichte. Göhlke junior kam auf jene Idee, die auch heute noch von weitem zu sehen ist: Er ließ das Dach so decken, dass der Schriftzug „Kloster-Kaffee“ durch verschiedenfarbige Schindeln entstand. Er war es auch, der den Seitenflügel, das heutige Café mit Wohntrakt, anbaute.

Göhlke junior verstarb früh, hinterließ zwei Töchter. Keine von ihnen konnte den Betrieb weiterführen. Die eine ehelichte einen Förster, die zweite einen Sparkassendirektor, das war Elisabeth Göhlke, Michael Fiedlers Großmutter. Sie arbeitete als Bedienung im verpachteten Café. 1961 übernahm schließlich Klaus Fiedler die Bäckerei. Nach 33 Jahren der Verpachtung führte damit wieder ein Familienmitglied den Betrieb.

Mitarbeiterin Christine Bredow (r.) zeigt die berühmte Käsetorte. Quelle: JACQUELINE STEINER

Für Michael Fiedler bedeutete das eine Kindheit, in der er nachmittags Pflaumen entkernte und Äpfel schälte für die Kuchenbäckerei. Einfallsreichtum brauchte es in dieser Zeit. Die Zutaten für Stollen zusammen zu bekommen, war ein Kunstwerk. Der heute 82-jährige Klaus Fiedler berichtete der MAZ, dass er geraspelte Möhren in den Stollenteig mischte als farblichen Ersatz für Orangeat, das einfach nicht zu bekommen war.

„Mit der Wende durften wir endlich der HO kündigen“, sagt Michael Fiedler. Das Café wurde aus- und umgebaut. Bis zum Jahr 2000 lenkte Klaus Fiedler die Geschicke der Bäckerei. Dann übernahm sein Sohn, der bei Bäckermeister Fischer in Götz seinen Beruf erlernt hatte. Michael Fiedler stürzte sich in die Arbeit, belieferte die Bundeswehr und Airlines. Sein Ciabatta flog um die Welt. Heute beliefert das Klostercafé Hotels, die Lehniner Kliniken und Gaststätten im Umkreis von 15 Kilometern.

Der große Vorbau ist weg – das Klostercafé heute. Quelle: JACQUELINE STEINER

Michael Fiedlers eigene drei Kinder streben in andere Berufe. Seine Hoffnung ruht auf den Enkeln. „Es ist schön und mir schon wichtig, das Familienunternehmen weiterzugeben. Ich habe es ja mit aufgebaut“, sagt der 52-Jährige. Und fügt hinzu: „Es ist ja eine Perle.“

Von Marion von Imhoff

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