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Potsdam-Mittelmark Ein anderer Blick auf die Heimat
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein anderer Blick auf die Heimat
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14:32 31.01.2018
Angelika und Peter Hippe haben dem Heimatmuseum Wusterwitz im Februar 2013 einen Clown geschenkt, den Wilhelm Götze gebaut hatte.  Quelle: Heiko Hesse
Wusterwitz

Etwa 17 Kilometer westlich von Brandenburg an der Havel liegt Wusterwitz – am idyllischen Wusterwitzer See. Das Dorf wurde im Jahre 1159 erstmals urkundlich erwähnt und gehört zu den ältesten Ortsgründungen östlich der Elbe – eine Gemeinde mit einer langen Geschichte. In der ersten Schule des Dorfes, dem sogenannten Küsterhaus, empfängt und berät heute die Touristen-Information die Besucher. Im Obergeschoss vermittelt der Heimat- und Kulturverein Wusterwitz mit der Dauerausstellung „100 Jahre Wusterwitzer Geschichte“ einen Einblick in das Leben und Wirken des Ortes der jüngeren Vergangenheit. Die Ausstellung ist am 1. Oktober 2009 eröffnet worden.

Ob Puppenvater Götze oder der Fahrrad-Akrobat Zdun-Doon: Wusterwitz hat einige bemerkenswerte Geschichten zu bieten. Manche Exponate im kleinen, feinen Heimatmuseum künden davon.

„Unser Ziel ist eine möglichst detaillierte Darstellung der Geschichte des Ortes“, sagt Irmgard Rolle vom Heimat- und Kulturverein. „Wir wollen sowohl Geschichte als auch Neues bewahren“. Der Historische Verein kümmert sich liebevoll um die stetige Erweiterung der Ausstellung.

Die 16 Ehrenamtler sammeln seit vielen Jahren Zeitungsanzeigen, Spenden und bei Haushaltsauflösungen alte Gegenstände des Wusterwitzer Alltags, um diese im 1819 erbauten Haus dem geschichtsinteressierten Gast zugänglich zu machen. Dabei ist den Engagierten klar, wie sehr die Zeit drängt. „Viele ältere Wusterwitzer, die als Informationsquelle dienen können, sind vielleicht bald schon nicht mehr“, sagt Rolle.

Auch Persönlichkeiten des Ortes haben ihren Platz

Die Ausstellung ist thematisch abgegrenzt und zeigt in unterschiedlichen Abschnitten unter anderem Dinge aus dem Schlafzimmer, der Küche, des Arbeits- und Schulalltags. Auch Persönlichkeiten des Ortes haben ihren Platz.

Zu diesen gehört der Puppenspieler und Holzschnitzer Wilhelm „Vater“ Götze (1871-1948), der mit seiner Familie als Künstlertruppe viele Jahrzehnte lang Marionettentheater und Varietés im ganzen Land veranstaltete. Oder Paul Z‘dun, der „komische Radfahrer“, der als erster Mensch auf einen 7,5 Meter hohen Einrad gefahren ist und zwischen 1933 und 1961 mit seinen Fahrradkünsten das Publikum begeisterte.

Kontakt und Öffnungszeiten

Das Heimatmuseum befindet sich unter einem Dach mit der Touristen-Information, Ernst-Thälmann-Straße 72, in 14789 Wusterwitz.

Mit der Bahn ist Wusterwitz über die Regionalexpress-Linie 1 zu erreichen. Vom Wusterwitzer Bahnhof läuft man gut 20 Minuten bis zur Kirche und dem alten Küsterhaus, das das Museum und die Tourist-Info beherbergt.

Öffnungszeiten: 1. Oktober bis 30. April montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr; 1. Mai bis 30. September dienstags bis samstag von 9.30 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen für Führungen und Schul- oder Hortgruppen unter 033839/581 oder touristeninformation@amt-wusterwitz.de

Dabei fällt sofort der teilweise tadellose Zustand der bis zu über 100 Jahre alten Ausstellungsstücke auf. So sehen beispielsweise die gezeigten Unterröcke aus, als wären sie erst gestern im Bekleidungsgeschäft erworben worden. Auch die Wäschetruhe, das Meisterstück des Korbmachers Melchert, Vater des jetzigen Wusterwitzer Bürgermeisters Ronald Melchert, wirkt wie neu. „Der alte Korbmacher hatte Tränen in den Augen, als er das jahrzehntealte Stück in unserer Ausstellung wiedergefunden hat“, erinnert sich Marlies Gohlke, ein weiteres Mitglied des Heimat- und Kulturvereins.

Anfassen erwünscht

Unter Gemälden von Künstlern des Ortes wie dem Malermeister Fritz König sind auch Dinge des Alltags der DDR zu finden. Schreibmaschinen laden unter anderem Besucher von Schulklassen und Hortgruppen zum Probieren ein. Das sei durchaus erwünscht. „Bei uns ist es üblich, dass Dinge ausprobiert werden können“, sagt Gohlke. „Die Kinder können sich auch gerne mal eine alte Brille aufsetzen.“ Auffällig sei hier, dass Jungen gerne öfter mal zu den Puppen greifen, während sich Mädchen eher mit den technischen Ausstellungsstücken beschäftigen.

Bei solchen Führungen sind immer mehrere Mitglieder des historischen Vereins zugegen, nicht nur um sicherzustellen, dass alles heil bleibt, sondern vor allem um möglichst viel Wissen an die jüngeren Generationen weiter zu geben. Auch über Dinge, die eventuell erst auf dem zweiten Blick ins Auge fallen. Die Ausstellung ist zusätzlich mit einer Menge Liebe zum Detail zusammengestellt – ein alter Nachtpott, unscheinbar unter einem Bett drapiert, kann da schon mal übersehen werden.

In einem weiteren Raum des Küsterhauses, der für Kunstausstellungen von Vereinen zur Verfügung gestellt wird, befindet sich momentan noch eine Ausstellung zum 170-Jährigen Jubiläum der Eisenbahn. Für die Zukunft sind hier außerdem weitere Ausstellungen zu historischem Spielzeug geplant.

Von Tobias Wagner

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