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Potsdam-Mittelmark Eklat am Runden Tisch
Lokales Potsdam-Mittelmark Eklat am Runden Tisch
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16:48 10.04.2018
Vierter Vorschlag im Figurenstreit: Vor dem Rathaus in Treuenbrietzen könnten Kurfürst Friedrich I. und das Sabinchen parallel ihren Platz finden.
Vierter Vorschlag im Figurenstreit: Vor dem Rathaus in Treuenbrietzen könnten Kurfürst Friedrich I. und das Sabinchen parallel ihren Platz finden. Quelle: Büro Lange Bad Belzig
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Treuenbrietzen

Eklat statt Ergebnisse. So lautet die magere Bilanz des Arbeitskreises zur Zukunft der Brunnenfigur vor dem Treuenbrietzener Rathaus. Bereits in seiner zweiten Sitzung gingen die Teilnehmer des eigens einberufenen Runden Tisches nun im Streit auseinander. Dem Kreis gehören die fünf Fraktionschefs der Stadtverordnetenversammlung, jeweils fünf Vertreter des Heimatvereines und der Interessengruppe für den Erhalt des Sabinchens auf dem Sockel sowie Bürgermeister Michael Knape (parteilos), Bauamtsleiter Christoph Höhne und Ralf Hoffmeister vom Sanierungsträger „Stadtkontor“ an.

Aus Sicht von Fraktionschef Frank Ernicke und weiterer SPD-Mitglieder könne der Runde Tisch von Bürgermeister Knape nicht unbefangen geleitet werden, hieß es in der zweiten Beratung. Der Grund: Der Rathauschef ist Mitglied des Heimatvereines, der sich für eine Rückkehr der angestammten Figur des Kurfürsten Friedrich I. auf den Sockel einsetzt. Dafür hat der Verein Spendengeld gesammelt.

Beschluss von 2009 heute stark umstritten

Der zum Figurenwechsel 2009 gefasste Beschluss der Stadtverordneten ist seit 2015 jedoch politisch und in der Bürgerschaft stark umstritten. Bei der Suche nach einem laut dem ursprünglichem Beschluss vorgesehenen neuen Standort für die Sabinchenfigur waren vom Landschaftsplaner Gunnar Lange aus Bad Belzig zunächst drei Varianten vorgeschlagen worden. Der auf Beschluss der Stadtverordneten vom Juli zusätzlich erarbeitete vierte Entwurf würde beide Figuren am Vorplatz des Rathauses ermöglichen. Das sollte Gegenstand einer weiteren Bürgerversammlung sowie in deren Vorbereitung des Runden Tisches sein.

Vier Varianten zur Debatte

Die Stadtverwaltung Treuenbrietzen bereitete die Umsetzung eines Beschlusses der Stadtverordneten aus dem Jahr 2009 vor.

Demnach soll die Sabinchen-Statue vor dem Rathaus durch eine Kopie der ursprünglichen Figur von Kurfürst Friedrich I. ersetzt werden. Die Kosten dafür trägt der Heimatverein aus Spenden.

Zunächst waren drei Stellen im Stadtzentrum als neue Standorte für die Sabinchen-Statue im Gespräch und in einer Bürgerversammlung vorgestellt worden.

Die Figur könnte in der Großstraße vor dem Restaurant „Ja Mas“, vor dem Bistro an den Hakenbuden oder am neuen Platz an der Nikolaikirche in der Bäckerstraße stehen.

Eine vierte Variante sieht Sabinchen und Kurfürst gemeinsam am Markt vor.

Nach Wortgefechten in dessen zweiter Sitzung verließ Frank Ernicke den Raum. Bürgermeister Knape verkündete später in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten seinen Rückzug als Moderator der Runde. „Wenn ich nicht von allen Seiten anerkannt werde, kann ich diese Funktion nicht weiter ausführen“, sagte Knape diese Woche auf Nachfrage der MAZ. Am Beginn der Runde sei seine Moderation von allen Teilnehmern „auf ausdrückliche Nachfrage hin akzeptiert worden“, so der Bürgermeister. Er sieht nun eine professionelle Moderation, „die jedoch sicher nicht kostenlos zu haben sein wird“, als Ausweg. Prinzipiell müssten beide Seiten kompromissbereit sein. Allgemein nicht mehr so im Fokus stehe der Standort der Sabinchenfigur vor der Nikolaikirche an der Bäckerstraße.

„Nicht ergebnisoffen diskutiert“

Siegmund Bölke, Vertrauensmann der Bürgerinitiative zum Erhalt der Sabinchenfigur auf dem Rathausbrunnen, kritisiert, „dass am Runden Tisch gar nicht ergebnisoffen diskutiert wird“. Dort gehe es dem Heimatverein „lediglich um ein Festhalten am alten Beschluss und nicht um den neuen vom Juli“, sagte Bölke der MAZ.

Prinzipiell seien seine Mitstreiter daran interessiert, dass der Runde Tisch weitergeführt „und zunächst auch weiter vom Bürgermeister geleitet wird, bis ein neuer Moderator gefunden ist“, so Bölke. Er selbst hatte dafür bereits einen Vorstoß unternommen und Thomas Drachenberg, Landeskonservator und stellvertretender Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum, angefragt. Dieser lehnte jedoch ab.

Standortsuche breiter geöffnet

Aus Sicht von Bürgermeister Michael Knape gebe es für weitere Entscheidungen keinen Zeitdruck. Für Anfang Januar sei eine Gesprächsrunde mit allen Fraktionsvorsitzenden verabredet. Dann soll das weitere Vorgehen beraten werden. Entscheiden müsse am Ende die Stadtverordnetenversammlung, wie mit dem gesamten Beschluss vom Juli 2009 und dem nachfolgenden vom Juli 2016 umgegangen werden soll, sagte Knape. Im Juli hob das Stadtparlament aus dem Beschluss von 2009 den Passus auf, in dem für das Sabinchen einzig bereits der neue Standort am hinteren Markt vor den Hakenbuden festgelegt worden war. Damit wurde die Standortsuche breiter geöffnet.

Von Thomas Wachs

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