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Potsdam-Mittelmark Es blüht im Paradies für die Bienen
Lokales Potsdam-Mittelmark Es blüht im Paradies für die Bienen
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16:28 17.08.2017
Florian Wernitz von der Golzower Agrargenossenschaft „Planetal“ hofft, dass noch weitere Imker die verbleibende Zeit nutzen und ihre Völker an den Rand der Blühwiesen des Landwirtes stellen.
Florian Wernitz von der Golzower Agrargenossenschaft „Planetal“ hofft, dass noch weitere Imker die verbleibende Zeit nutzen und ihre Völker an den Rand der Blühwiesen des Landwirtes stellen. Quelle: Christin Iffert
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Cammer

Die märkischen Landwirte erhalten, anders als in anderen Bundesländern, keine gesonderte Förderung für die Anlage von Blühstreifen und Bienenweiden vom hiesigen Umweltministerium. Dennoch haben einige von ihnen in diesem Jahr insgesamt 400 Hektar angelegt. Sie wollen dem bedenklichen Rückgang der Insekten-Bestände entgegen wirken und die Imker mit ihren Bienenvölkern unterstützen.

Die Golzower Agrargenossenschaft „Planetal“ ist ein Betrieb, der in diesem Jahr auf die bunten Wiesen setzt. Fast 100 Hektar der Stilllegungsflächen wurden umgewandelt. Angeregt hatte die Initiative der Imkerverband. So suchte der Vorsitzende des Brandenburgischen Imkerverbandes, Lothar Lucke aus Werder/Havel, das Gespräch mit dem Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark und konnte so die Kollegen überzeugen.

Imker werden noch gesucht, um ihre Völker aufzustellen

„Jetzt hoffen wir, dass die Imker die Chance noch weiter wahrnehmen“, sagt Florian Wernitz vom Golzower Unternehmen. Das sogenannte „Lippstädter Blütenparadies“ leuchtet mit hunderttausenden Blüten in Blau, Lila, Weiß und Gelb. Die blühenden Weiden erfreuen in den trachtarmen Monaten Juli und August aber nicht nur das Auge des Menschen, sondern vor allem die Bienen. Sommerwicke, Inkarnatklee, Blaue Lupine, Öllein oder Leindotter sind zu finden – und natürlich Sonnenblumen. Die fallen als erstes ins Auge, da sie am höchsten wachsen. Letztlich macht sie allerdings nur ein Zehntel der umfangreichen Mischung aus. Etwa 40 Euro je Hektar investierte der Landwirtschaftsbetrieb in die Blühweiden.

Florian Wernitz von der Golzower Agrargenossenschaft „Planetal“ hofft, dass noch weitere Imker die verbleibende Zeit nutzen und ihre Völker an den Rand der Blühwiesen des Landwirtes stellen Quelle: Andreas Koska

Die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark, Silva Wernitz, fährt jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an den sich kilometerlang erstreckenden Weiden zwischen Cammer und Oberjünne an der Landesstraße 85 entlang. „100 Hektar – diese Größenordnung dürfte einmalig im gesamten Land Brandenburg sein“, ist sie überzeugt. Wenn sie darüber spricht, schwingt der Stolz in ihren Aussagen mit. Immerhin ist der studierte Landwirt, der sich für die Blumenweide entschieden hat, ihr Sohn.

400 Hektar Blühstreifen in ganz Brandenburg durch 20 Landwirte

Florian Wernitz ist aber nicht der einzige Landwirt in Brandenburg, der sich dem Anliegen verschrieben hat. Der Landesbauernverband hatte bereits Ende 2016 um Beteiligung an einer Initiative für Blühstreifen und Wiesen in Brandenburg geworben. Zehn Landwirte erklärten sich allein zwischen Havel und Fläming dazu bereit. Weitere zehn Landwirte sind in allen anderen Kreisen dabei, berichtet Silvia Wernitz. Insgesamt wurden demnach 400 Hektar Blühstreifen angelegt. Die Geschäftsführerin des Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark ist sich jedoch gewiss, dass es weitaus mehr Flächen sein dürften. „Die Streifen setzen noch weitere Landwirte um, die sich beim Verband allerdings gar nicht erst gemeldet haben“, erklärt die Geschäftsführerin. Die leuchtend bunten Blumen sind im Übrigen eine Option aus einem Baukastensystem von Maßnahmen, das die EU vorgegeben hat. Im Rahmen des Greenings müssen fünf Prozent der Flächen eines Landwirtschaftsbetriebes ökologische Vorrangflächen sein, um EU-Mittel zu erhalten. Gewählt werden kann unter anderem auch der Zwischenfruchtanbau.

Imker säen sich auch eigene Blühstreifen um die Bienenvölker

In Cammer gibt es die Weide – und ein Imker hat bereits angefragt, ob er seinen Wagen am Rande platzieren dürfe. „Da erreichen die Cammerschen Bienen natürlich ohne weiteres die Weiden“, berichtet der Florian Wernitz und lädt gleichzeitig weitere Imker ein, ihre Völker in der Gegend zu stellen. Den Erfolg der Pflanzungen bemerkt Silvia Wernitz indes anders. Privatpersonen würden öfter anfragen, ob sie etwas Saatgut haben dürfen. „Sie wollen ebenfalls Blühstreifen anlegen“, erklärt sie. So hat beispielsweise auch Heiko Drafz aus Cammer rund um die Standorte seiner Bienen ebenfalls Wildblumen ausgesät. „Mein kleiner Streifen ist aber nichts gegen die Weiden“, lobt er das Bemühen der Landwirte. Verlagern wird er seine Völker aber nicht. Er ist überzeugt, dass seine Bienen auch so zu den angelegten Weiden finden. „Es sind keine 300 Meter Entfernung. Die können die Tiere problemlos bewältigen.“

Heiko Drafz hat seine eigene Blühwiese um seine Bienenvölker angelegt. Quelle: Andreas Koska

Die Weiden dürften noch bis September blühen. Solange können die Imker das Angebot der Blühstreifen in Cammer nutzen. Allerdings ist die riesige Anlage nur auf dieses Jahr beschränkt. „Es sind einjährige Pflanzen“, sagt Florian Wernitz. Im kommenden Jahr, das ist schon jetzt klar, wird es bei der Agrargenossenschaft „Planetal“ eine solche Größenordnung an Blühstreifen nicht mehr geben.

Von Andreas Koska