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Potsdam-Mittelmark Es darf auch ein Stein vom Ostseestrand sein
Lokales Potsdam-Mittelmark Es darf auch ein Stein vom Ostseestrand sein
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19:02 11.01.2017
Beate Scheefer benötigt Handwerk und Gespür für die Grabmale. Manchmal hilft ihr Neufundländer Caruso beim Kundengespräch mit traurigen Angehörigen. Quelle: Claudia Krause
Teltow

Vieles ist vergänglich. Grabsteine geben nicht so leicht den Geist auf und künden mitunter bis ins hohe Alter von der Kunst ihrer Schöpfer. So geht es dem Grabmal der Familie Lindemann – einst bekannt durch das von ihnen betriebene Kaufhaus am Ruhlsdorfer Platz.

Noch heute ist das Säulenmal aus Travertin („Stein aus Tivoli“) eine Zierde auf dem Friedhof am Weinbergsweg. Geschaffen hat es Fritz Scheefer 1919/20, wie seine Urenkelin, Beate Scheefer, nicht ohne Stolz sagt. Die 48-Jährige führt nun in 4. Generation den Familienbetrieb, der vor 95 Jahren am 1. Januar an der Potsdamer Straße gegenüber des Friedhofes gegründet wurde. Das Jubiläum war jetzt allerdings kein Anlass zum Feiern: „Ich arbeite auf die 100-Jahr-Feier drauf zu“, sagt die Teltowerin.

Das Grabmal für die Teltower Familie Lindemann hat Firmengründer Fritz Scheefer in den Jahren 1919/20 gefertigt. Jetzt ist es in das Eigentum des Friedhofes übergegangen. Beate Scheefer möchte es samt Inschrift gern erhalten. „Es ist auch Stadtgeschichte“, sagt die Steinmetzmeisterin. Quelle: Claudia Krause

Die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin wirkt seit 22 Jahren im Beruf, weil sie „unbedingt die Familientradition weiterführen wollte“. Als Einzelkind übernahm sie die Tradition von Vater Werner (bei dem sie aber nicht lernte!), der Opa und Uropa Fritz gefolgt war. Als erste Frau in der Chefriege steht sie nun selbst ihren Mann mit Presslufthammer, Strahler, Spachtel & Co in der Werkstatt. Ihr Lebenspartner hilft mit, die großen und kleinen Grabmale, schmückendes Beiwerk wie Blüten, Engel und Vögel für Kunden der Region Teltow, Großbeeren und Berlin zu fertigen. Alles auf individuellen Wunsch. So erinnern Musikinstrumente und Notenschlüssel an besondere Fähigkeiten des Verstorbenen. Als Grabmal darf selbst ein Stein vom Ostseestrand oder der Findling, den ein Hausherr einst aus der Baugrube geborgen und ein Leben lang im Garten umpflanzt hatte, zur Bearbeitung gebracht werden. Doch auch ein Autoreifen in Stein gehauen für einen Sohn, der Autofreak und verunglückt war, zählte schon zu den Kundenwünschen. Und ein Lieblingskuscheltier – vom Foto nachmodelliert – für ein Kindergrab. „Das geht schon sehr nahe“, gesteht die Mutter einer Tochter. Manchmal kommen ihr auch die Tränen.

Schmückendes Beiwerk für Grabmale. Quelle: Claudia Krause

Wer gerade einen Schicksalsschlag verkraften muss, hat selten gleich den Nerv für den passenden Grabschmuck. Dann muss guter Rat nicht teuer, sondern sensibel sein. „Ich unterhalte mich ruhig mit den Angehörigen. Sie erzählen ihre Geschichte und ich frage, was denn der Verstorbene gern gemocht hat, welche Farben oder welche Blumen zum Beispiel die Oma liebte“, so Beate Scheefer. Oft rät sie, über die Wahl des Steines und der Inschrift „noch mal zu schlafen oder über Friedhöfe zu gehen“. Dort holt sich die Meisterin selbst gern Anregungen für die Gestaltung. Und wenn jemand für das Grab seines Vierbeiners den Schmuck besprechen will, schafft Scheefers Hund Caruso schon mal, die Situation zu entkrampfen. Die Streicheleinheiten im Büro tun dann nicht nur dem Tier gut, wie die Chefin beobachtet hat.

Die heutige „Bestattungskultur“ bedauert sie. Dass immer mehr Leute auf die „Grüne Wiese“ wollen, sei irgendwie Spiegel der Gesellschaft. Warum nur werden Friedhofsbesuche als Last empfunden? „Man nimmt sich im Leben ja auch Zeit für den Menschen.“ Scheefers jedenfalls machen weiter. Tochter Lucie ist zur Ausbildung in Berlin. Sie wird Steinmetz- und Steinbildhauerin.

Teltower Familienbetrieb

Firmengründer war 1922 Fritz Scheefer, Urgroßvater der heutigen Inhaberin Beate Scheefer. Seine Meisterprüfung legte er 1931 ab.

Nachfolger wurde sein Sohn, der auch Fritz hieß. Er war seit 1951 Steinmetzmeister. Ihm folgte sein Sohn Werner Scheefer, der seit 1968 Steinmetzmeister und Vater von Beate war.

Der Betrieb hat neben Teltow auch in Kleinmachnow, Steinweg/Am Friedhof, einen Standort.

Von Claudia Krause

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