Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Experten staunen über den neuen Wald von Fichtenwalde
Lokales Potsdam-Mittelmark Experten staunen über den neuen Wald von Fichtenwalde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:09 20.08.2019
Staunen über die Natur: Anton Hofreiter (Grüne) besuchte die Waldbrandfläche und traf sich dort mit Fichtenwaldern und Beelitzern. Quelle: Lutz Pahl
Fichtenwalde

In Zeiten der Hiobsbotschaften aus märkischen Wäldern ist das ein Kontrastprogramm. Auf der Fläche zwischen Fichtenwalde und der A 9, auf der im Sommer 2018 ein Waldbrand wütete und einen Baumfriedhof hinterließ, der im Herbst gerodet wurde, grünt es wieder. Was da heranwächst, kann durchaus als kleines Wunder bezeichnet werden und erstaunt sogar Experten. Auf der Waldbrandfläche gedeihen ein Jahr nach dem Feuer Kiefern, Pappeln, Robinien und Birken. Die drei Laubbaumarten wachsen schneller als die angesäten Kiefern und haben in kurzer Zeit Knie- und Hüfthöhe erreicht. Niemand hat Robinien, Pappeln und Birken gesät oder angepflanzt. Sie sind von allein gekommen, nachdem die gerodete Fläche gepflügt worden war.

Die Natur hat uns wieder mal überrascht

Die Verwandlung der grau-braunen Wüste in einen jungen Mini-Wald bestaunte auch Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, der sich ein Jahr nach dem Waldbrand am Montagabend vor Ort mit Fichtenwaldern traf. „Wir sind begeistert von der Natur, wie schnell sie sich hier entwickelt“, sagte auch der frühere Ortsvorsteher Tilo Köhn (GfB). Dabei ist das geplante Aufforstungsprogramm erst angelaufen. „50 Prozent der gerodeten Fläche wurde im Frühjahr mit Kiefernsaat bestellt“, sagte Förster Martin Schmitt auf Anfrage. Er kümmert sich im Auftrag der Besitzer, die Fläche gehört Beelitzer Spargelbauern, um die Wiederbelebung des Forstareals. „Damit hat niemand gerechnet, wir haben es uns viel schwieriger vorgestellt. Die Natur hat uns wieder mal überrascht“, sagte er. „Für Fichtenwalde ist es schön, dass wahrscheinlich alles etwas schneller geht“, so der Förster, der hinzufügte: Wenn es so weiter geht, dauert es statt 30  nur 15 Jahre, bis Fichtenwalde wieder einen Wald hat, der den Ort vor dem Autobahnlärm schützen kann. Aber das müsse die Zukunft noch zeigen.

Ein Jahr nach dem Brand und der Rodung wachsen neue Bäume, die Knie- und Hüfthöhe erreichte haben. Viele der kleinen Bäume sind durch Naturverjüngung ohne menschliches Zutun gewachsen. Quelle: Jens Steglich

Sollte sich die Waldfläche so weiterentwickeln, „wird der Anteil der Laubbäume auch wesentlich höher sein“. Geplant waren 70 Prozent Kiefern und 30 Prozent Laubbäume. Die Laubbäume sollten eigentlich erst im Herbst 2019 und im Frühjahr 2020 an den Außenrändern und in der Mitte des Gebietes gesät oder gepflanzt werden. Der Laubbaumgürtel soll künftig die Waldbrandgefahr deutlich mindern.

Vor einem Jahr: Der traurige Rest des Kiefernwaldes nach dem Brand und der Rodung der toten Bäume. Damals hatten Förster es nicht für möglich gehalten, dass an diesem Standort, der der prallen Sonne ausgeliefert ist, so schnell und gut neue, kleine Bäume wachsen werden. Quelle: Julian Stähle

Wie aber kann es sein, dass auf einer Fläche, auf der vorher ein reiner Kiefernwald stand, Pappeln in großen Mengen auftauchen? Die Lösung dieses Rätsels ist offenbar mit einer Geschichte verbunden, die ein anderer Experte dem Förster erzählt hat und die 43 Jahre zurückliegt. 1976 brannte nicht weit von Fichtenwalde entfernt der Wald bei Ferch. Es war einer der größten Waldbrände in der Region, von dem ältere Feuerwehrleute heute noch reden. Nach dem Brand wurden zu DDR-Zeiten bei Ferch nordöstlich des Autobahndreiecks Potsdam Pappeln gepflanzt. „Es ist heute der einzige Pappelwald in der Nähe“, sagte Schmitt. Die Vermutung klingt auch für ihn plausibel: Der Pappelwald, der nach dem Waldbrand 1976 entstand, lieferte mit dem Wind die Samen für Nachwuchs auf den Fichtenwalder Brandflächen.

Es ist noch offen, was in Klimawandel-Zeiten gut wachsen wird

Bäume, die an dem Standort gut zurechtkommen, sollen auch stehen bleiben, egal woher sie kommen. „Wir arbeiten mit der Natur“, sagte der Förster. Er liegt in der Frage auf einer Linie mit dem Beelitzer Bodenökologen Hans-Holger Liste, für den es noch offen ist, was in Zeiten des Klimawandels in Zukunft in der Region gut wachsen wird. Sein Rat: „An bestimmten Orten einfach mal die Natur machen lassen. Sie weiß damit umzugehen.“

Die neuen Bäume von Fichtenwalde sind freilich noch zu klein, um den Autokrach von A 9 und A 10 zu mindern. Nach dem Verlust von 30 Hektar Wald ist der Autobahnlärm viel deutlicher zu hören, sagt Mario Wagner (CDU). Der Lokalpolitiker ist selbst betroffen. Um den Lärm zumindest zur Schlafenszeit zu reduzieren, „fordern wir in den Nachtstunden ein Tempolimit“, sagte er. Lastwagen sollen von 22 bis 6 Uhr Tempo 60 fahren, Autos Tempo 80. „Das kostet fast kein Geld, ist leicht umsetzbar und spart Sprit.“

Hofreiter fordert einen Waldzukunftsfonds

Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionschef im Bundestag, nennt die Waldbrandvorsorge wegen zunehmender Hitze- und Dürreperioden eine Mammutaufgabe, bei dem der Bund die Länder nicht allein lassen dürfe.

Hofreiter, der am Montag durch Beelitz tourte und auf den Waldbrandflächen von Fichtenwalde Station machte, fordert den Bund auf, Vorbild zu sein. Der Bund müsse in den nächsten zehn Jahren den Waldumbau mit einem Waldzukunftsfonds in Höhe von einer Milliarde Euro unterstützen. „Standortgerechte naturnahe Ökowälder sind stabil und wenig waldbrandgefährdet“, sagte er.

Die Bundesregierung müsse zudem die Waldbrandbekämpfung in den Ländern unbürokratisch unterstützen und für ausreichend Kapazitäten – etwa für Löschhubschrauber – sorgen.

Auf seinen eigenen Liegenschaften soll der Bund den Waldumbau rasch vorantreiben und auf ehemaligen Truppenübungsplätzen die Munitionsbergung beschleunigen. „Alte Munition kann Waldbrände auslösen und die Waldbrandbekämpfung behindern“, sagte der Grünen-Politiker.

Von Jens Steglich

Die Landtags-Direktkandidaten im Wahlkreis 18 bekennen sich zur Energiewende. Differenzen gibt es jedoch zur Art der Umsetzung. Vor allem beim Bau neuer Windräder in Wäldern.

20.08.2019

Bisher ist er bei der AfD der Mann hinter den Kulissen. Doch am 1. September will der Landesgeschäftsführer ins Parlament einziehen. Dabei kam Lars Hünich aus einer ganz anderen Ecke.

20.08.2019

Ein Opel fuhr auf einen VW und schob ihn auf einen Mazda: eine Frau und ein Kind wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich auf der A 10 (südlicher Ring).

20.08.2019