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Potsdam-Mittelmark FDP-Mann in Teltow unter Stasi-Verdacht
Lokales Potsdam-Mittelmark FDP-Mann in Teltow unter Stasi-Verdacht
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22:33 15.05.2014
Eberhard Derlig, hier als Tourist. Quelle: Archiv
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Teltow

Kurz vor der Kommunalwahl am 25. Mai entflammt in Teltow eine Stasi-Debatte. Hintergrund ist der „Vorläufige Abschlussbericht zur Überprüfung der Stadtverordneten auf eine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst der ehemaligen DDR“. Den trug der Stadtverordnetenvorsteher, Berndt Längrich (SPD), am Mittwoch mündlich vor. Unter den 24 überprüften Kommunalpolitikern gab es zwei Hinweise auf Stasi-Mitarbeit. Eine davon betrifft Eberhard Derlig, Stadtverordneter der FDP. Am 4.Dezember 2012 teilte die Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen mit, dass Derlig im April 1988 registriert wurde, „mit Aussage über Titel, Deckname und Führungsoffizier. Aktivitäten sind nicht verzeichnet, Akten nicht auffindbar“.

Der zweite Hinweis kam im August 2012 und betrifft einen Stadtverordneten, „der bereits im Vorfeld des Eintreffens der Nachricht aus dem Gremium ausgeschieden war und nicht mehr bei der Kommunalwahl antritt“. Den Namen nannte Längrich nicht. Dem Vernehmen nach handelt es sich um ein vormaliges Mitglied der SPD-Fraktion.

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Eberhard Derlig kritisierte ge stern scharf den Zeitpunkt der Veröffentlichung. „Musste das erst jetzt sein? Das ist mieser Wahlkampf“, sagte Derlig und wies zugleich jeden Verdacht von sich, jemandem geschadet zu haben. Kontakte zur Stasi gab er indes zu. „Ich war insgesamt 30 Jahre in leitender Stellung im Kulturbereich tätig“, sagte der ehemalige NVA-Offizier. „Natürlich gab es zu DDR-Zeiten Stasi-Kontakte, wenn sie in der DDR Kultur gemacht haben. Auch ich stand unter besonderer Beobachtung“, erläutert der 72-Jährige. Dabei habe die Stasi eher ihn auf Schritt und Tritt verfolgt. Einen Zusammenhang sieht Derlig etwa mit seiner politischen Haltung während der Affäre um die Ausbürgerung Wolf Biermanns. 1987 sei sein Sohn Olaf vor einem Flug nach Budapest wegen angeblich geplanter Republikflucht verhaftet worden. Der Sohn wurde nach sechs Monaten vom Westen freigekauft, er wurde Maskenbildner und lebt heute in den USA.

„Nach diesen Vorkommnissen haben sich die Stasi-Kontakte noch verstärkt“, sagt Derlig, betont aber zugleich: „Es sind keine Aktivitäten meinerseits verzeichnet, die Vorwürfe sind absurd, man kennt mich in dieser Stadt.“

Die Kommission aus Fraktionsvorsitzenden, Bürgermeister und Vertretern Freier Mandate, die bereits im Januar 2013 die Recherche der Stasi-Unterlagenbehörde zu Derlig auswertete, „sah damals keinen weiteren Handlungsbedarf“, berichtet Längrich: „Wir haben keinen Kodex, wonach bestimmte Konsequenzen aus dem Überprüfungsergebnis zu ziehen sind. Solange jemand keine Aktivitäten zum Schaden eines anderen Mitmenschen verursacht hat und das nicht nachweisbar ist, bin ich jedenfalls nicht für eine Ausgrenzung.“ Mit Blick auf die anstehende Wahl sagte FDP–Fraktions chef Hans-Peter Goetz: „Wenn ein Name in Zusammenhang mit der Stasi auftaucht, ist das immer schwierig. Doch die Leute wissen schon selbst, ob sie bei ihm ihr Kreuzchen machen.“

Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) will „nichts bewerten, das nicht belegt ist“. Derlig sei ein „Motor der Stadt, ein Macher, der auch Ecken und Kanten hat“. Die Pressesprecherin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Dagmar Hovestädt, sagte der MAZ: „Bei einer solchen Anfrage recherchieren wir sorgfältig. Wenn keine weiteren Unterlagen zu finden sind, sind derzeit auch keine weiteren Rückschlüsse möglich.“

Von Konstanze Wild

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