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Potsdam-Mittelmark Es brennt: „Fire Watch“ schlägt Alarm
Lokales Potsdam-Mittelmark Es brennt: „Fire Watch“ schlägt Alarm
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12:59 26.07.2018
Bilder von der Videowand in der Waldbrandzentrale: Rauch steigt am Donnerstag über dem Truppenübungsplatz Lehnin auf. Quelle: Jaqcueline Steiner
Mittelmark

 Über dem Truppenübungsplatz Lehnin steigt Rauch auf. Die Schwarz-Weiß-Bilder, die am Donnerstagvormittag vom Lehniner Feuerwachturm an die Waldbrandzentrale in Bad Belzig gefunkt werden, lassen keinen Zweifel zu. Auf dem Militärareal brennt es. Jürgen Koltzenburg fackelt nicht lange. Von seinem Bildschirmarbeitsplatz nimmt er Kontakt mit der Leitstelle in Brandenburg auf. Dort sind die Kollegen im Bilde. Die Löschaktion ist bereits angelaufen, der Brand unter Kontrolle. Doch flammt das Feuer an anderer Stelle wieder auf.

Feuerwachtürme ohne Personal

Seit 2002 hat „Fire Watch“ die mit Personal besetzten Feuerwachtürme abgelöst. Inzwischen werden auch in Westbrandenburg die Waldflächen aller Besitzer flächendeckend durch optische Sensoren überwacht.

Jedes System, montiert auf einem Feuerwachturm oder Mobilfunkmast, überwacht eine Fläche von bis zu 70 000 Hektar. Neben Bad Belzig gibt es im Land Brandenburg fünf weitere Waldbrandzentralen, wo die eingehenden Bilder ausgewertet werden.

Die Sensoren der Kamera erkennen die typischen Grauwerte einer Rauchwolke in der Frühphase eines Waldbrandes. Forstleute prüfen eingehende Meldungen gewissenhaft, bevor die Daten an die Leitstellen der Feuerwehren übermittelt werden.

Aktuelle Bilder wie vom Truppenübungsplatz Lehnin gehören trotz der Hitzewelle zum Glück noch nicht zum Alltag in der vom Landesbetrieb Forst eingerichteten Waldbrandzentrale. Dafür halten täglich 300 bis 500 Verdachtsfälle jeden der drei Mitarbeiter, die tagsüber über Potsdam-Mittelmark, das Havelland sowie die Städte Brandenburg und Potsdam wachen, auf Trab.

Oberförsterin Karin Heintz vor dem Forsthaus Dippmannsdorf. Seit Donnerstag gilt die Waldbrandgefahrenstufe 5. Quelle: JACQUELINE STEINER

 

„Es gibt Staubfahnen, Luftspiegelungen, Windräder oder aufsteigenden Nebel. Da muss man schon ganz genau hinschauen, um die Leitstellen in Brandenburg und Potsdam nicht unnötig in Aufregung zu versetzen“, weiß Torsten Selent. Er gehört wie Jürgen Koltzenburg, Bernd Schulze und andere Kollegen zu den Waldarbeiten, die im Schichtbetrieb zur Waldbrandzentrale abkommandiert werden. Doch wo immer echte Rauchsäulen in den Himmel steigen, wird Alarm geschlagen. „Lieber einmal mehr, als zu wenig. Dafür sind unsere Mitarbeiter geschult“, berichtet die Dippmannsdorfer Oberförsterin Karin Heintz, der die Zentrale zugeordnet ist.

Mit Kameras ausgerüstet

Die in der Landeswaldoberförsterei in Bad Belzig eingerichtete Waldbrandzentrale ist in das sensorgestützte Waldbrandfrüherkennungssystem „Fire Watch“ integriert. Alle paar Sekunden flimmern neue Standbilder über die Monitore der drei Arbeitsplätze. Gesendet werden die Ansichten von 14 Antennenträgern und nicht mehr besetzten Feuerwachtürmen, die alle mit 360-Grad-Kameras ausgerüstet sind. In sechs Minuten dreht sich jedes sensorbestückte System einmal im Kreis. Dessen Augen reichen über viele Kilometer bis zum Horizont.

Bernd Schulze (l.) und Torsten Selent in der Waldbrandzentrale in Bad Belzig. Quelle: JACQUELINE STEINER

Dass die Region zwischen Friesack und Treuenbrietzen trotz der langen Trockenheit noch keinen verheerenden Waldbrand erlebt hat, ist einerseits der schnellen Entdeckung von brenzligen Situationen durch „Fire Watch“ zu verdanken. „Ein anderer Grund ist das schnelle und konzertierte Eingreifen unserer Feuerwehren. Diese sind in etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Absetzen der Meldung am Brandort“, berichtet Oberförsterin Heintz.

Höchste Gefahrenstufe

Seit Donnerstag gilt auch für Potsdam-Mittelmark und das Havelland die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. In der Oberförsterei Lehnin wurden in diesem Jahr bislang sechs Brände, darunter auch Kleinstbrände, registriert. Aus der Oberförsterei Rathenow wurden drei Brände gemeldet. In Potsdam waren es vier Feuer und in der Oberförsterei Dippmannsdorf gab es bislang einen Brand. Die Brände erstreckten sich oft nur auf wenige hundert Quadratmeter. Dank des schnellen Eingreifens der immer besser ausgerüsteten Feuerwehren.

Auch auf der Friedenswarte in Brandenburg ist eine Waldbrandwarnkamera installiert. Die Bilder können auf einer Videowand vergrößert werden. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die brisante Situation in Wald und Flur wird sich wohl auch in den nächsten Tagen nicht entspannen. Daran werden mögliche Gewitter am Wochenende wenig ändern. Die Natur leidet. Birken werden schon gelb, das Moos ist knochentrocken, erste Kiefern machen schlapp. „Sorgen machen mir auch die Jungbestände bei Laubbäumen“, berichtet die Dippmannsdorfer Oberförsterin.

Insekten greifen Bäume an

Neben der Feuergefahr macht sich ein weiterer Feind in den Wäldern breit. Die Populationen der Schadinsekten, wie zum Beispiel der Kiefernspinner, haben sich in der Hitze explosionsartig vermehrt. Es bilden sich riesige Fraßgemeinschaften. Bei Falterkontrollen wurden in einigen Revieren bis zu 2000 Tiere in einer Falle entdeckt. Dabei gelten 1000 schon als kritische Grenze. Die Auswirkungen auf die Bäume werden wohl in voller Wucht erst im kommenden Jahr zu erleben sein.

Von Frank Bürstenbinder

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