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Potsdam-Mittelmark Einbrecher haben keine Chance
Lokales Potsdam-Mittelmark Einbrecher haben keine Chance
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17:30 06.04.2018
Karin Mollenhauer vom Bereich Prävention der Polizeidirektion West (r.) bereitet am Computer die Codierung eines Fahrrades vor. Quelle: Privat
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Fichtenwalde

Eine positive Bilanz kann der Leiter der Sicherheitspartnerschaft Fichtenwalde; Reinhard Scheiper, für seinen Ort am Ende des ersten Halbjahres 2017 ziehen. In den zurück liegenden sechs Monaten gab es nur einen Einbruch in dem Walddorf. Im gesamten vergangenen Jahr waren es noch sieben Delikte und im Jahr davor sogar 28 Vorfälle. Besonders dramatisch war der Juni 2015, in dem in zwei fast aneinander folgenden Nächten zehn Einbrüche verübt wurden.

„Das hat die Fichtenwalder damals ganz schön aufgerüttelt. Wir hatten später eine Informationsveranstaltung zum Thema Einbruchsschutz durchgeführt, an der etwa 200 Einwohner teilnahmen. Danach stieg die Zahl derer, die unsere ehrenamtliche Arbeit mit regelmäßigen Hinweisen zu Beobachtungen unterstützen, auf einmal sprunghaft von vormals 50 auf mehr als 400 an“, sagt Scheiper. In ihrer turnusmäßigen Zusammenkunft am Dienstagabend wollen die zwanzig Sicherheitspartner beraten, wie sie diesen Unterstützerkreis zu einem festen „Netzwerk Sicherheit in Fichtenwalde“ ausbauen können. „Die Mithilfe der Fichtenwalder zeigt uns, dass unser Konzept aufgeht“, resümiert Scheiper. Gerade in der Ferien- und Urlaubszeit sowie in der sogenannten dunklen Jahreszeit im Herbst und im Winter wären die Sicherheitspartner und ihre Helfer noch wachsamer, weil die Einbrecher in diesen Monaten besonders oft zuschlagen würden. „Darum ist es jetzt wieder wichtig, sich nachbarschaftlich zu organisieren, wenn zum Beispiel längere Reisen anstehen. Dazu gehört unter anderem das Leeren des Briefkastens, um potenziellen Tätern keinen Hinweis darauf zu geben, dass das Haus vorübergehend unbewohnt ist“, empfiehlt der Sicherheitspartner. Ein Schild am Grundstückszaun mit der Aufschrift „Achtung! Wachsamer Nachbar!“ habe außerdem eine abschreckende Wirkung.

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An unterschiedlichen Tagen im Monat und zu unterschiedlichen Tageszeiten streifen die Sicherheitspartner zu zweit durch die Straßen von Fichtenwalde. Sie tragen die Dienstjacke, die sich nur durch die Aufschrift „Sicherheitspartner“ von einer Polizeiuniform unterscheidet, ein selbst erworbenes T-Shirt mit dem gleichen Aufdruck oder laufen auch manchmal in Zivil durch den Ort. „Wir geben uns absichtlich zu erkennen. Die Einwohner erwarten von uns, dass wir Präsenz zeigen und möglichen Straftätern ist es zugleich eine Warnung“, erklärt der Fichtenwalder Sicherheitschef.

In den mehr als zwanzig Jahren, in denen die Sicherheitspartnerschaft jetzt schon besteht, hat sich eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelt, bilanziert Reinhard Scheiper. Bei entsprechenden Hinweisen seien die Beamten schnell vor Ort. Engen Kontakt halten die Fichtenwalder auch zur Polizeihauptkommissarin Claudia Ritter, der Revierpolizistin für diesen Bereich. Im vergangenen Jahr ließen die Sicherheitspartner 35 auffällige Personen überprüfen, die entweder zu Fuß unterwegs waren oder den Ort aus dem Auto heraus auskundschafteten. Nicht ganz unbegründet, wie Scheiper mit einem Beispiel verdeutlicht. Im Herbst des vorigen Jahres fiel den Sicherheitspartnern ein Kleintransporter mit Bochumer Kennzeichen auf. Bei der späteren Kontrolle des Fahrzeuges verhaftete die Polizei den Fahrer vom Lenkrad weg und brachte ihn in die Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel. Nach dem Mann war schon gefahndet worden.

„Wir werden auch in Zukunft unseren Beobachtungsdruck und unsere Personalstärke aufrecht erhalten. Die gute Bilanz des ersten Halbjahres darf uns nicht dazu verleiten, uns unbesorgt zurück zu lehnen“, erklärt Scheiper. Diese Erkenntnis habe er auch in einem Gespräch mit einem Kriminologen bestätigt bekommen. Mitunter seien nicht nur so genannte Gelegenheits-Einbrecher unterwegs, sondern professionell arbeitende Banden, die häufig mehrfach zuschlagen würden.

Die Sicherheitspartner wollen aber auch, dass die Fichtenwalder selbst etwas für ihre Sicherheit und den Schutz ihres Eigentums tun. In einer Sicherheitskonferenz im Herbst des vergangenen Jahres, zu dem die Leiter und Vorsitzenden von Einrichtungen, Institutionen und Vereinen in Fichtenwalde eingeladen waren, gaben Experten der Polizei wichtige Hinweise zur Sicherung des Eigentums. Solch eine Veranstaltung bereiten die Sicherheitspartner auch für den Herbst dieses Jahres vor.

Gemeinsam mit dem Infomobil der Polizei zeigte sich die Sicherheitspartnerschaft auch beim jüngsten Sommerfest „Viva la Fiwa“ Mitte Juli in Fichtenwalde und berieten die Einwohner zum Thema Einbruchsschutz. Außerdem konnten die Fichtenwalder ihre Fahrräder mit einem Sicherheitscode gegen die Diebstahlgefahr schützen lassen. Insgesamt 46 Fahrradfahrer nahmen am Festwochenende diesen Service dankbar an.

Erst am vergangenen Wochenende hatten erneut ein oder mehrere Täter versucht, in ein Wohnhaus in Fichtenwalde einzudringen. Der Einbruch blieb im Versuch stecken, die Opfer sahen darum von einer Anzeige ab. „Selbst wenn die Einbrecher erfolglos waren, sollte der Vorfall der Polizei gemeldet werden“, appelliert Scheiper. Manche Gauner konnte die Polizei auch schon anhand ihrer „Handschrift“ überführen.

Polizei berät kostenlos zum Einbruchsschutz

Gegründet wurde die Sicherheitspartnerschaft (Sipa) Fichtenwalde bereits Mitte der 1990-er Jahre. Ihr Mitbegründer und erster Leiter war Reinhard Kittel.

Auch andere Aufgaben übernehmen die Fichtenwalder Sicherheitspartner. Sie organisieren beispielsweise Vorträge, wie jüngst den Informationsabend mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos oder die Schulwegsicherung an der Grundschule in Fichtenwalde.

Gegen den Begriff „Bürgerwehr“, der auch heute noch in vielen Köpfen von Bürgern herumspukt, müssen sich die Fichtenwalder Sicherheitspartner wehren, sagt ihr Leiter Reinhard Scheiper. Die „Sipas“ sind nicht bewaffnet, können aber kriminelle Personen unter Beachtung der eigenen Sicherheit bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Die Sicherheitspartner können sich ausweisen.

Der neue Erlass zur Kommunalen Kriminalprävention, der am 1. Juni dieses Jahre in Kraft trat, fördert noch mehr die ehrenamtliche Arbeit der Sicherheitspartnerschaften im Land Brandenburg. Durch eine höhere finanzielle Zuwendung kann sich auch die Sicherheitspartnerschaft Fichtenwalde weitere Dienstjacken und T-Shirts für ihre Mitglieder kaufen.

Bei der Beratung zum Einbruchsschutz, die kostenlos ist, hilft die Polizei den Bürgern auch mit einer Liste von zertifizierten Unternehmen, die Sicherheitstechnik einbauen.

Weitere Infos zum Thema finden Interessierte unter www.sicherheit-braucht-partner. de

Von Heinz Helwig

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