Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Große Belastung: Ehrenamtler fordern größere Berufsfeuerwehren
Lokales Potsdam-Mittelmark Große Belastung: Ehrenamtler fordern größere Berufsfeuerwehren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:20 05.04.2019
Auf der Autobahn 2 prallten am 14. November 2018 zwischen den Anschlussstellen Lehnin und Brandenburg zwei Lastwagen aufeinander. Der Fahrer eines russischen Sattelzuges kam ums Leben. Beide Fahrzeuge ging in Flammen auf. Feuerwehrleute löschen das Feuer. Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Mittelmark

 Der ehrenamtliche Feuerwehrmann Uwe Paul aus Golzow appelliert an das Land, mehr Berufsfeuerwehren zu schaffen. Auch andere freiwillige Feuerwehrleute fordern mehr hauptamtliche Kräfte wie der langjährige Wusterwitzer Amtsbrandmeister Ronald Melchert oder Uwe Roßner, Chef der Freiwilligen Feuerwehr Ziesar.

Ehrenamtliche Wehren entlasten

„Die Einsätze auf der Autobahn sind eine ganz große Belastung für die freiwilligen Feuerwehrleute“, so Roßner. „Tagsüber sollten hauptamtliche Brandschützer die Einsätze abdecken. Das würde uns helfen.“

Anzeige

„Der Staat muss sich Gedanken machen, uns mit hauptamtlichen Berufsfeuerwehrleuten zu entlasten“, sagt Paul. Er war einer der Feuerwehrmänner bei dem Einsatz am 5. September 2017, bei dem zwei Lehniner Feuerwehrkameraden ums Leben kamen.

Auch der langjährige Kloster Lehniner Revierpolizist Ronald Hilsky fordert eine Berufsfeuerwehr an der Autobahn 2. Er schlägt Damsdorf als Standort dafür vor. „So wären die Einsatzkräfte schneller bei Unfällen“, sagte jetzt der Polizeihauptkommissar der MAZ.

Immer wieder kommt es auf den Autobahnen in Brandenburg zu schwersten Unfällen. Dazu rücken Freiwillige Feuerwehren aus, wie bei diesen Einsätzen auf den Autobahnen 2 und 10.

Hilsky schildert die Situation: „Die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner werden alarmiert, ganz egal, wo sie sind. Im Idealfall sind sie zuhause, dass sie den kürzesten Weg haben. Aber auch dann sind sie ja nicht sofort einsatzbereit.“

Die Feuerwehrmänner werden nachts aus dem Schlaf gerissen. „Die Berufsfeuerwehr wäre binnen weniger Minuten am Einsatzort. Und die Abarbeitung könnte viel schneller erfolgen. Als Revierpolizist würde ich eine Berufsfeuerwehr für die Autobahn begrüßen.“

Aktuelle Debatte in Landesregierung

Tatsächlich debattiert die Landesregierung dieser Tage ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz. Nach Angaben von Lothar Wiegand, Vize-Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums, gibt es jedoch keinerlei Überlegungen, Berufsfeuerwehren für Autobahnen einzurichten.

Vielmehr soll das neue Gesetz regeln, dass ehrenamtliche Feuerwehren nicht mehr zu Bagatellfällen wie etwa zur Beseitigung eines Ölfleckes auf der Landstraße oder Bereitstellen von Tragehilfen ausrücken müssen.

„Das soll dazu führen, dass die Feuerwehren in den Fällen entlastet werden, in denen sie originär nicht zuständig sind“, so Wiegand. Künftig sollen die Feuerwehren auch entstandene Kosten für ihre Einsätze verlangen können.

Werner-Siegwart Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg, sieht in dieser Änderung des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes nur einen ersten Teil. Es müsse geprüft werden, ob in bestimmten Regionen hauptamtliche Kräfte die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner entlasten müssten. Dies wäre in einem zweiten Teil der Gesetzesnovelle zu regeln, den die neue Landesregierung nach den Wahlen im September zügig angehen sollte, so Schippel.

Massive Probleme tagsüber

„Was jetzt debattiert wird, ist nur ein Teil der Gesamtkonzeption. Wir erwarten von der künftigen Landesregierung, nahtlos nach den Wahlen Teil 2 schnell anzugehen.“ Zur Verstärkung des Ehrenamtes durch das Hauptamt könnten sich auch zwei Träger des Brandschutzes, also zwei Gemeinden zusammentun. Die Tagesbereitschaft könne durch hauptamtliche Feuerwehrleute abgedeckt werden. „Montags bis freitags von 6 bis 18, 19 Uhr haben wir massive Schwierigkeiten. Nachts geht es“, sagt Schippel.

„Wo die Belastung überhandnimmt, schließe ich die Bildung von Wachen mit hauptamtlichen Kräften nicht aus“, so das Fazit des Verbandspräsidenten. Eine Autobahn-Feuerwehr aber kann ich mir nicht vorstellen.“

Erst ab 30.000 Einwohnern Berufskräfte

Derzeit müssen Kommunen ab 30.000 Einwohner eine Feuerwache mit hauptamtlichen Kräften einrichten. 13 solcher Wehren gibt es im Land Brandenburg, etwa in Königs Wusterhausen und Falkensee. „Diese Wachen sind tatsächlich rund um die Uhr besetzt“, so Schippel.

Amtsfreien Gemeinden und Ämtern sei es freigestellt, eine Berufsfeuerwehr oder eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften aufzustellen, sagt Ministeriumssprecher Wiegand. Kloster Lehnin hat 11.000 Einwohner. Der Gemeinde obliege es daher, über die „Vorhaltung hauptamtlicher Kräfte zu befinden“, so Wiegand.

Uwe Paul ist seit fast 40 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr: Ehrenamtliche Retter seien bis zum Anschlag belastet, sagt er. „Freiwillige können es auf Dauer nicht mehr abdecken, dass abgesichert ist, dass Menschen in Not schnell Hilfe bekommen.“

Landeschef stellt gleiche Frage

„Warum müssen freiwillige Feuerwehrleute solch gefährlichen Dienst tun?“ Diese Frage stellte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei der Trauerandacht am 15. September 2017 für die beiden im Einsatz getöteten Feuerwehrmänner aus Lehnin.

Der frühere Kreisbrandmeister Herbert Baier sagte, allein in Potsdam-Mittelmark wären drei hauptamtliche Berufsfeuerwehren an den Autobahnen wünschenswert. Auch Baiers Job war einst ehrenamtlich. Mittlerweile besetzt der Landkreis Potsdam-Mittelmark die Position hauptamtlich.

„Auf Freiwillige abgewälzt“

„Die Arbeit wird auf Freiwillige abgewälzt“, so die Meinung von Ronald Melchert, 24 Jahre lang Amtsbrandmeister von Wusterwitz.

Ronald Hilsky sieht es so: „Das ist ein Prozess, der sich entwickelt. Die Debatte dazu läuft noch weiter.“

Von Marion von Imhoff