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Potsdam-Mittelmark Geschichte der Sportskanonen
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00:19 18.01.2018
Autogrammkarte des Kleinmachnower Motorrad-Rennfahrers Bernhard Petruschke – bis heute eine Legende. Quelle: Stephan Laude
Kleinmachnow/Wittbrietzen

Den Anfang bildete ein Entenpaar. Das tippelte in den 1980er Jahren regelmäßig mit seinen Jungen am Löschteich des Kleinmachnower Max-Reimann-Werks über die Straße. Günter Käbelmann hat den Aufzug fotografiert und seine Beobachtungen notiert. Daraus wurde eine kleine Ausstellung. Die Entenchronik war der Auslöser, eine Chronik des Max-Reimann-Werkes, des Stammbetriebs für Kfz-Instandsetzungen im Bezirk Potsdam, zu erstellen. Käbelmann hat bis zum Ende des Betriebs alles dokumentiert. Und seitdem noch viel mehr. Mindestens 15 Bücher, sagt der inzwischen 81-Jährige, der schon lange im Beelitzer Ortsteil Wittbrietzen wohnt, gebe es von ihm, neun habe er selbst geschrieben. Und immer noch stapelt sich im Arbeitszimmer unter der Dachschräge auch Material, das noch nicht aufgearbeitet ist.

Das jüngste Buch steht kurz vor der Fertigstellung, eine Dokumentation zum Sport in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf. 3000 Seiten hat Käbelmann dazu gesichtet. In Kleinmachnow hatte das organisierte sportliche Leben 1936 in den Bosch-Werken am Stahnsdorfer Damm 81 begonnen. Bosch hatte auch das erste Schwimmbecken angelegt. Wobei dieses und die anderen vier Becken der Region nicht nur dem Schwimmen dienten. Es handelte sich gleichzeitig um Löschbecken. Käbelmann hat akribisch festgehalten, welche Größe sie hatten, für wen sie zur Nutzung offenstanden. Das Löschbecken am Stahnsdorfer Damm 81 verfügte sogar über Startblöcke und ein Sprungbrett, das Becken am Stahnsdorfer Damm 73 wurde ab 1953 zu einem reinen Schwimmbecken ausgebaut und erhielt dazu auch Umkleideräume und eine Liegewiese. Als Nonplusultra kann die Doppelnutzung der Anlagen allerdings nicht angesehen werden. Löschbecken haben keine Kläranlagen. Deshalb wurde das Baden immer mal wieder verboten. Mit dem Freibad Kiebitzberge wurde am 15. Mai 1976 schließlich ein richtiges Schwimmbad eröffnet.

Günter Käbelmann ist Ortschronist von Kleinmachnow, wohnt aber in Wittbrietzen. Dort stapeln sich historische Akten in seinem Arbeitszimmer. Quelle: Stephan Laude

Nach den Recherchen von Günter Käbelmann wurde in der Region – schon seit den 1920er Jahren – Fußball gespielt, hinzu kamen unter anderem Feldhandball und Sportfischen, aber auch Tennis, eine Sportart, die von den DDR-Oberen nach Kräften ignoriert wurde, sie war damals nicht olympisch. Aber der Chef der Halbleitertechnik in Stahnsdorf spielte gern Tennis und so unterstützte seine Firma auch diesen Sport. Nicht zuletzt dadurch, dass Birgit Fischer, achtfache Kajak-Olympiasiegerin, zweieinhalb Jahre in Kleinmachnow lebte, wurde auch der Kanu-Sport populär. Und es gab sogar organisierten Wintersport in der Region. Die Stars hießen Otto Zinnecker und Karl Lorenz, die nächstgelegene Sprungschanze befand sich – errichtet von Soldaten der Nationalen Volksarmee – in Geltow. Dort wurden Kreis- und Bezirksmeisterschaften im Skispringen ausgetragen. Die Sieger kamen auf etwa 65 Meter.

Weit verbreitet war in der Region der Motorsport, dessen bekanntester Vertreter: der Motorrad-Rennfahrer Bernhard Petruschke, genannt Petrus. Er wurde 94 Jahre alt und starb 2005 in Kleinmachnow. Dort ist nach wie vor der bekannteste Leichtathlet der Region zu Hause: der Langläufer Michael Heilmann, zu dessen Erfolgen unter anderem der Sieg beim Europacup-Marathon 1985 in Rom gehört. „Wenn jemand was wissen will, ich habe alles“, sagt Günter Käbelmann zu seinem Sportarchiv.

Tatsächlich ist es schwer, den Chronisten noch mit eigenen Kenntnissen aus der Region zu überraschen. Käbelmann, der gelernter Feinmechaniker ist, hat nicht nur Tausende Dokumente gesammelt, von morgens bis abends in Archiven gesessen und viel fotografiert, er hat auch mit jedem gesprochen, der als Zeitzeuge in Frage kam. Man gewinnt den Eindruck: Es gibt kaum jemanden in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, den Käbelmann nicht kennt, wenn nicht als Kollegen oder Zeitzeugen, dann als Schüler – Käbelmann war 29 Jahre lang Fahrlehrer.

Käbelmann tippt alle Texte seiner Publikationen selbst. Er baut Text- und Bilddokumente zusammen, dann wird alles kopiert und gebunden. Von dem Sportband wird es nur wenige Exemplare geben. Käbelmann will nicht riskieren, auf den Büchern sitzenzubleiben. Zumal sie nicht ganz billig sind: 35 bis 45 Euro wird man ausgeben müssen. „Die Arbeit ist damit aber nicht bezahlt“, sagt Käbelmann.

Es wäre möglich gewesen, mit dem 81-Jährigen auch über andere Projekte als das Sportbuch zu reden. Aber das Sportbuch ist fast fertig, der Band über Sportbriefmarken noch nicht. Aber schon mal so viel: Käbelmann wird alle deutschen – also ost- und westdeutschen – Sportbriefmarken zeigen, auch viele aus dem Ausland. Zum Beispiel Wintersport-Marken aus Laos. Dass die dortige Bevölkerung deshalb zu eigenen entsprechenden Aktivitäten angeregt werden soll, kann nicht der Beweggrund sein – in dem südostasiatischen Land liegen die monatlichen Durchschnittstemperaturen zwischen 23 und 35 Grad. Da kann man niemals Skispringen. Auf der Schanze in Geltow sind die Wettbewerbe nur manchmal ausgefallen.

Von Stephan Laude

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