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Potsdam-Mittelmark Gläubige fällen Bäume zur Rettung ihrer Kirche
Lokales Potsdam-Mittelmark Gläubige fällen Bäume zur Rettung ihrer Kirche
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00:19 22.12.2017
Holzeinschlag für die Kirche in Neuendorf bei Brück auf dem Foto: Zimmermann und Neuendorfer Eike Siedschlag (links, 50) und Gemeindekirchenratmitglied Dirk Brauer (68) an einer Kiefer Quelle: Christiane Sommer
Neuendorf

„Die Kiefern haben ihr Alter erreicht“, sagt Eike Siedschlag aus Neuendorf bei Brück und deutet auf einige, mächtige Exemplare am Ortsausgang in Richtung Autobahn. Mehr als 20 Meter hoch ragen die Stämme in den Himmel. „Sie wurden vor mehr als 100 Jahren angepflanzt“, erklärt Gemeindekirchenratsmitglied Dirk Brauer.

Nachdem das Areal bereits vor fünf Jahren durchforstet wurde, sollen jetzt die damals stehen gebliebenen großen Kiefern geerntet werden. „Sie sind als Samenbäume geblieben. Jetzt ist der Aufschlag gut nachgekommen und sie können weg. Ich könnte auch sagen, es ist Zeit, dass die alten den jungen Bäumen Platz machen“, erklärt Zimmermann Eike Siedschlag.

Der Grund hinter dem Holzeinschlag

Die Neuendorfer Kirche entstand wahrscheinlich im Mittelalter und ist über 500 Jahre alt.

Im Verlauf der Jahrhunderte ist das Gotteshaus des Öfteren umgebaut worden.

Im Jahr 1838 fanden bisher größten Arbeiten an der Kirche seit ihrer Erbauung statt. Seinerzeit wurde das Gotteshaus nach Westen hin verlängert und eine Patronatsloge angebaut.

Gegenwärtig plant die evangelische Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Neuendorfer Heimatverein und den „Eselnomaden“ im Ort die Sanierung zur „Eselpilgerkirche Neuendorf“.

Im September 2017 wurde das Projekt erstmals vorgestellt.

Windschief und einsturzgefährdet ist die Kirche heute. Weil die Verbindungen im Fachwerk defekt sind, verformt sich der Turm.

Außerdem leider insbesondere der Dachstuhl unter Pilzbefall.

Der öffentliche Holzeinschlag mit Glühwein am 21. Dezember 2017 beginnt um 14 Uhr am Ortsausgang etwa 500 Meter hinter Neuendorf in Richtung Autobahn 9.

Dann erzählen die Männer, dass aus den Kiefernstämmen Balken und Bohlen für die Sanierung des Dachstuhls der Neuendorfer Kirche geschnitten werden sollen. „Deshalb werden sie auch am 21. Dezember geschlagen“, ergänzt Brauer und verweist auf den Holzeinschlag, den der Brücker Pfarrer Helmut Kautz für Donnerstag angekündigt hat.

Obwohl die Sanierung des Gemäuers noch eine Zukunftsvision ist, wertet Siedschlag den angesetzten Termin als mit großer Weitsicht gewählt. „Erstens, weil eine Kiefer bis zu 120 Jahre alt werden kann und empfohlen wird, sie mit durchschnittlich 110 Jahren zu ernten“, erklärt der Fachmann, „und zweitens, weil der 21. Dezember der beste Tag dafür ist.“ Stichwort: Mondkalender. Siedschlag gehört zu denen, die fest daran glauben, dass Holz eine besondere Qualität hat, wenn es an ebendiesem 21. Dezember geerntet wird. Der 50-Jährige erklärt, dass das so genannte Mondholz „nicht schwindet“. Was soviel bedeutet, als dass sich sein Volumen nicht verringert. Ferner wird ihm eine besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingsbefall und eine große Härte nachgesagt.

Die Kirche Neuendorf bei Brück muss saniert werden. Der Dachstuhl hat statische Probleme. Quelle: Christiane Sommer

Die Ernte des gut zwei Hektar großen Kiefernschlages soll bereits am zeitigen Donnerstagmorgen beginnen. Am Nachmittag sind dann auch die Neuendorfer und Interessierte aus nah und fern eingeladen, beim öffentlichen Holzeinschlag dabei zu sein. Letzte Einzelfällungen sollen bis dahin aufgespart werden.

„Früher war das Leben nach dem Mond, im Einklang mit der Natur, normal“, sagt Siedschlag. Und erklärt weiter: „Es ist schon soviel Wissen verloren gegangen“. Der 68-Jährige Dirk Brauer nickt. Vieles, was der Jüngere erzählt, hat der Ältere in seiner Kindheit schon mal gehört. Das Thema Baum inklusive Ernte bietet den beiden noch eine Menge Gesprächsstoff.

Die Neuendorfer Kirche auf einer historischen Ansichtskarte. Quelle: privat

Denn liegt der Baum erst einmal am Boden, ist noch lange kein Balken aus ihm gemacht. Bis zur Weiterverarbeitung der Stämme mittels Sägegatter müssen ohnehin drei Wochen vergehen. „Solange bleiben die Bäume mit ihren Kronen auf dem Waldboden liegen“, sagt der Zimmermann. Damit die Feuchtigkeit aus den Stämmen in die Baumkronen zieht.

Zu Balken und Bohlen verarbeitet, muss dass Holz dann nur noch an einem schattigen und luftigen Ort aufgestapelt werden. Hinter der Kirche haben die beiden bereits einen geeigneten Platz dafür ausgemacht. Dann heißt es jedoch warten. „Durch das günstige Fälldatum kann unser Mondholz jedoch schon nach eineinhalb Jahren verbaut werden“, erklärt Siedschlag und hofft, dass die Pläne zur Kirchenrettung bis dahin ebenfalls ausgereift sind. Dirk Brauer glaubt jedenfalls fest daran, dass der Aufwand lohnt, der bis dahin mit dem Holz betrieben werden muss.

Von Christiane Sommer

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