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Potsdam-Mittelmark Graffiti gegen Schmierereien
Lokales Potsdam-Mittelmark Graffiti gegen Schmierereien
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17:30 10.04.2018
Die Schmierereien an der Teltower Regionalbahnunterführung sollen bald professionellen Wandbildern von Jugendlichen weichen. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Teltow

Etwas bunter und wilder soll die Einfahrt zur Stadt Teltow demnächst werden: Mit einem Graffiti-Projekt wird damit auch gleich ein Schandfleck verschwinden. Die Schmierereien an der Regionalbahn-Unterführung in der Mahlower Straße sollen zwei großflächigen Kunstwerken weichen, die von Jugendlichen gestaltet werden. Vor etwas mehr als einem Dreivierteljahr sei die Stadt Teltow an sie herangetreten, erzählt Juliane Clausen vom Jugendhaus Schiffer. Man hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie an der Regionalbahn-Unterführung künftig Schmierereien verhindert werden könnten, die aus „purem Verewigungswillen“ resultierten. Schließlich kam man auf die Idee, dass doch Jugendliche die rund 350 Quadratmeter große Fläche künstlerisch gestalten könnten. 14 600 Euro stellt die Stadt Teltow für Material, Vorarbeiten und Honorar der Künstler bereit.

Im Projekt könne Nützliches mit Sozialem verbunden werden, sagt Clausen. Das Wir-Gefühl könne gestärkt werden, die Bindung der Jugendlichen an die Stadt und die Region. Der Graffiti-Künstler Luca Domenico Rahl, der die Aktion auch vor Ort betreuen wird, spricht von einem präventiven Jugendkunstprojekt – auch wenn Graffiti von vielen nicht als Kunst empfunden werde, fügt er hinzu. Dabei sei es global gesehen die am weitesten verbreitete Kunstform. Das, was oft als Schmierereien empfunden werde, seien oft nur unbeholfene Anfänge von Jugendlichen, die erst ihren Stil und Weg finden müssten.

Juliane Clausen und Luca Domenico Rahl schauen sich die Entwürfe für die Gestaltung der Brückenwände an. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Bei dem Projekt an der Bahnunterführung möchte er jedenfalls die Gelegenheit nutzen und den Teilnehmern auch einiges Neues zeigen und beibringen, erklärt Rahl. Schon allein deswegen sollen immer nur drei 14- bis 27-Jährige gleichzeitig am Werk sein. Der Künstler möchte sich auf jeden ausreichend konzentrieren können. Doch zunächst müssen noch Vorarbeiten geleistet werden: Der Untergrund, bestehend aus Klinkerstein, muss erst gründlich vom Schmutz gereinigt werden. Dann kommt eine Grundierung drauf, die sicherstellen soll, dass die Farbe möglichst gleichmäßig aufgetragen werden kann. Da diese bei zu tiefen Temperaturen nicht gut hält und die Farbe dann schnell abblättern würde, wurde auch der zunächst geplante Termin des Workshops aus den Osterferien auf später verlegt. Anfang Mai soll es nun losgehen.

Zwei Wochen lang wird Rahl mit den Jugendlichen in Schutzkleidung, Handschuhen und Masken als Schutz vor den Autoabgasen an der Umsetzung der Entwürfe arbeiten, die er in den Tagen davor noch „vorgezogen“ haben wird. Die Konturen werden also bereits vorliegen, wenn die Jugendlichen zu den Sprühdosen greifen dürfen.

Teltows Bürgermeister soll selbst zur Sprühdose greifen

Auf die eine Seite kommt sein eigenes Bild mit Sehenswürdigkeiten Teltows – das Rathaus, die S-Bahn, das Schifferheim, die Kirche aus der Altstadt und das Stubenrauch-Denkmal. „Ein Willkommensbild, das man sieht, wenn man vom Bahnhof kommt“, wollte er schaffen, sagt Rahl. Im Hintergrund hat er außerdem die Themen Industrialisierung und Wachstum angedeutet – mit einer Skyline und Baukränen. Die Beschriftung des Ortsschildes bleibt dabei noch ausgespart. Sie soll erst von Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) bei der offiziellen Übergabe der Werke Mitte Mai erfolgen. Da darf das Stadtoberhaupt dann selbst zu Schablone und Sprühdose greifen.

Ansonsten ist auch noch etwas Platz für neue Ideen – etwa am Himmel, da könnten noch Wolken oder ein altes Flugobjekt dazu kommen, sagt Rahl. „Wie es wirklich am Ende aussieht, ist immer ein bisschen eine Überraschung.“ Während sein Entwurf im Stil eines Comics ist, wie er selbst sagt, habe das Bild auf der gegenüber liegenden Seite, bei dem Rahls Künstlerkollege Benjamin Siegel federführend war, den Ansatz, in typischerem Graffiti-Stil darzustellen, womit sich ein jugendlicher Charakter beim Graffiti-Sprühen beschäftigt.

Eine Wand zum legalen Sprayen

Generell sei es aber wichtig, dass die Entwürfe nicht zu kompliziert seien, um niemanden zu demotivieren. Schließlich gelte es, Interessierte mit unterschiedlichen Erfahrungen unter einen Hut zu bringen. Langfristig hofft Rahl, dass Jugendliche in Zukunft in Teltow mehr legale Möglichkeiten finden könnten, ihrer Leidenschaft für Graffiti nachzukommen. Damit könne man zumindest jene davon abhalten, an unerlaubten Stellen ihre Graffiti zu hinterlassen, die „fachlich, vernünftig und künstlerisch was machen wollen.“ Rahl würde dem Bürgermeister empfehlen, eine große Wand bauen zu lassen, an der jederzeit gesprayt werden könne – vielleicht neben der Teltower Marina, schlägt der Künstler vor.

Interessierte Sprayer können sich melden

Das Graffiti-Projekt findet vom 28. April bis zum 13. Mai statt, an freien Tagen von 10 bis 18 Uhr, an Schultagen jeweils nachmittags. Eine Teilnahme über den gesamten Zeitraum ist nicht Bedingung.

Wer mitmachen möchte, kann sich bei Juliane Clausen vom Jugendhaus Schiffer anmelden: juliane.clausen@stiftung-job.de.

An den Entwürfen waren drei Künstler beteiligt: Luca Domenico Rahl, Gunnar Seifert und Benjamin Siegel. Sie alle machen Graffiti, auch in Projekten mit Jugendlichen – aber nicht ausschließlich.

Seifert malt auch mit dem Pinsel, verwendet Acrylfarbe und wendet Mischtechniken an, Siegel arbeitet gerne mit dem Bleistift und zeichnet Portraits oder Aktbilder. Rahl, eigentlich ausgebildeter Mechatroniker, macht auch viel mit der Airbrush.

Von Konstanze Kobel-Höller

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