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Groß Kreutz Bauer lagert alte Spargelfolie meterhoch am Wald
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Bauer lagert alte Spargelfolie meterhoch am Wald
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17:30 26.03.2019
Ein riesiger Berg von Spargelfolien und wild durcheinander liegende Folien türmen sich am Waldrand hinter einem Spargelfeld zwischen Krielow und Deetz. Quelle: Rüdiger Böhme
Deetz

Als „Sauerei“ bezeichnet der Deetzer Ortsvorsteher Burghard Süring einen rund drei Meter hohen und 20 Meter breiten Berg alter Spargelfolie an einem Waldrand des Dorfes. Auch die für die Region zuständigen Revierpolizisten schütteln nur den Kopf über den Anblick. Das Spargelfeld neben dem Folienhaufen daneben gehört zur Fläche des Spargelbauern Frank Leue. Sein Mitarbeiter Torsten Rotter räumt ein, dass dort am Waldrand unbrauchbar gewordene Spargelfolie gesammelt werde. „Das ist unser Lagerplatz, da kommt immer mal wieder Folie dazu.“

Die Folie liegt zerfleddert wild übereinander. Ein paar Rollen mit dem Kunststoff liegen dabei. Daneben hat jemand auch einen alten Kühlschrank entsorgt. Einige Bahnen des Kunststoffes wehen im Wind, Plastikfetzen hängen in Zweigen.

Auch ein alter Kühlschrank und ein Autoreifen liegen am Folienberg bei Deetz. Quelle: Rüdiger Böhme

„Schön ist es nicht, das stimmt. Es gefällt uns auch nicht“, sagt auch Leue-Mitarbeiter Torsten Rotter. „Der Kühlschrank aber ist garantiert nicht von uns, den hat jemand da hingelegt.“ Im Herbst solle die Folie entsorgt werden. Diesbezüglich habe es schon Gespräche mit einem Entsorgungsunternehmen gegeben, so Rotter. Dies habe vorher keine Kapazitäten. Dabei verwende Leue schon weniger Folie als andere Bauern. „Wir haben nur eine Folie pro Damm und ältere Folie knoten wir zusammen.“

Spargelbauern können die Folie mehrere Jahre nutzen. Heinrich Thiermann vom Vielfruchthof Domstiftsgut Mötzow spricht von „fünf bis sechs Jahren“. Danach werde das Material porös. So bezahlt der Spargelunternehmer Entsorgungsfirmen, „die die Folien abholen“. Für diese Dienstleistung müssen die Produzenten des Edelgemüses mittlerweile Geld zahlen. „100 bis 140 Euro pro Tonne ist der Entsorgungspreis“, so Thiermann.

Planen-Lagerplatz an einem Spargelfeld bei Deetz. Quelle: Rüdiger Böhme

Es gab Zeiten, in denen die Spargelbauern für ihre alten Folien sogar Geld bekommen haben. Dann wandelte sich der Markt. „Bis vor zwei Jahren war es ganz kostengünstig, es abholen zu lassen, wenn der Sand aus den Folien rausgemacht war“, sagt Torsten Rotter. Altkunststoff ist begehrt als Basisrohstoff zur Weiterverarbeitung.

„Doch der deutsche Folienmarkt ist voll“, sagt Bernhard Böckenhoff, Geschäftsführer der Böckenhoff Folien GmbH mit Sitz in Raesfeld, Nordrhein-Westfalen. Die Firma verkauft Kunststoffe für Landwirte und will den Kunden das Recycling anbieten. Doch die dafür entwickelte Technik sei noch im Genehmigungsprozess, sagt Böckenhoff. Danach könne er die Abnahme für 100 Euro pro Tonne anbieten. „Die Folien werden dann gereinigt, geschreddert und das Kunststoffgranulat zu Mülltüten und Bewässerungsschläuchen verarbeitet.“

Darauf will nun offenbar das Spargelunternehmen Leue warten. „Es ist ja nicht so, dass wir nichts machen“, sagt Rotter.

Ob bis dahin der Folienhaufen dort bleiben darf, ist indes fraglich. Im Zuge der MAZ-Recherche hat das Ordnungsamt der Gemeinde Groß Kreutz (Havel) die Prüfung des Sachverhaltes angekündigt. „Wir schauen uns das mal an“, sagte Fachbereichsleiter Jörg Schafföner.

Markt für Alt-Kunststoff ist gesättigt

Folie fällt reichlich an bei Spargelbauern. Pro Hektar Anbaufläche verwendet der Mötzower Vielfruchthof 3000 Quadratmeter Folie, sagt Heinrich Thiermann. „Etwa ein Drittel der Fläche ist durch die Folie abgedeckt.“ In der Anschaffung kostet Folie 2000 Euro pro Hektar Anbaufläche. Folie, die zwischenzeitlich nicht mehr gebraucht werde, liege ordentlich aufgerollt zwischen den Spargelreihen.

Auch die Märkische Entsorgungsgesellschaft Brandenburg mbH (Mebra) nimmt Spargelfolie an. Das Problem ist jedoch der Sand in den Folien. „Je oller und sandiger die Folie ist, desto teurer wird ihre Entsorgung“, sagt Sebastian Höhne, Anlagenleiter der Mebra in Brandenburg. Sei sie voller Sand, bleibt oft nur die Verbrennung. „Unser eigentliches Ziel ist aber die stoffliche Verwertung.“

Bisher nahm China viel Müll ab

Große Mengen von Kunststoffmüll aus Deutschland gingen bisher nach China. „Doch die nehmen keine Folien mehr und der europäische Markt ist gesättigt“, sagt Sebastian Höhne.

Besenreine Folie kostet im Recycling bei der Mebra für den Spargelbauern 120 Euro pro Tonne inclusive Abholung. Bei verdrecktem Kunststoff erhöhe sich das auf 175 Euro pro Tonne.

Von Marion von Imhoff

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