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Groß Kreutz Bäckerei in Götz: „Opa-Hermann-Brot“ zum 100. Jubiläum
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Bäckerei in Götz: „Opa-Hermann-Brot“ zum 100. Jubiläum
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12:38 31.03.2019
Monika und Heino Fischer führen die Bäckerei in Götz in dritter Generation. Quelle: Christine Lummert
Götz

Wenn der Großvater von Heino Fischer nicht so helle gewesen wäre, würde die Bäckerei Fischer in Götz jetzt nicht runde 100 Jahre ihres Bestehens feiern. „Am 1. April 1919 hat mein Opa Hermann den Betrieb hier vor Ort übernommen“, berichtet Heino Fischer. Auch vorher wurden die Räume schon von einem Bäcker genutzt, der aber ein Geschäftsmodell verfolgte, das vollkommen gegen die Handwerkerehre verstieß.

Hermann Fischer war davon überzeugt, eine pleite gegangene Bäckerei zu übernehmen, die er mit viel Arbeit wiederbeleben wollte“, erzählt der Enkel. Den Gesellen vom bankrotten Vorgänger hat er übernommen. Der stellte sich aber als faules Ei heraus, das ihm vom Vorbesitzer in Nest gelegt wurde. „Der Geselle hat in dessen Auftrag immer wieder heimlich Mehl verschwinden lassen, um meinen Großvater in die Pleite zu treiben.“ Aber Opa Hermann deckte den Plan auf und setzte den Gesellen vor die Tür. „Und von da an ging es bergauf“, sagt Heino Fischer.

In den ersten Jahren brachte Firmengründer Hermann Fischer seine Ware per Pferdewagen zum Beispiel nach Götzer Berge. Quelle: privat

Dem ersten Fischer zu Ehren, der in der Götzer Backstube stand, hat die Familie für die Festwoche vom 1. bis 5. April extra ein „Opa-Hermann-Brot“ entwickelt. Mit einer Mischung aus 99 Prozent Roggen und einem Prozent Weizen ist das ein herzhafter Leckerbissen. Noch mehr in den Erinnerungen präsent ist der Sohn des Gründers, Horst Fischer, der nach dem Tod seines Vaters 1967 das Stammhaus an der Fernstraße 1 übernahm. Bäckermeister war er da schon lange, mit einem eigenen Betrieb jenseits der Bahnlinie mitten im Dorf.

Vater und Sohn in einer Backstube

Auch für den jetzigen Chef Heino Fischer war früh klar, dass er einmal den Familienbetrieb übernehmen wird. „Nur als ganz kleiner Junge hatte ich mal den Traum, Gespannführer bei der LPG zu werden“, sagt der 61-Jährige, der Anfang der 70er Jahre zuerst Konditor gelernt hat und anschließend noch das Bäckerhandwerk. Dann kam erst mal die NVA-Zeit dazwischen. „Als ich nach anderthalb Jahren den Betrieb für meinen ersten Arbeitstag wieder betreten habe, ist mein Vater sofort raus aus der Backstube und hat als Chef nur noch im Büro gesessen.“

Das funktioniert heute nicht mehr, obwohl mit Samuel Fischer schon die vierte Generation im Familienbetrieb dabei ist und in den nächsten Jahren ein Wechsel an der Spitze ansteht. „Momentan arbeiten wir mit 17 Leuten in der Backstube sowie im Verkauf, davon sind zwei Azubis“, sagt Heino Fischer. Neben dem Stammladen in Götz gibt es eine Filiale in Schmergow sowie ein Verkaufsauto, dass vor allem in den Ortsteilen von Groß Kreutz (Havel) unterwegs ist.

Die Seele des Geschäfts

„Ich habe am 1. Januar 1989 den Betrieb von meinem Vater übernommen, und ein dreiviertel Jahr später kam mit der Wende ein großer Einschnitt“, erzählt Heino Fischer. „Die Kunden blieben plötzlich weg und wir mussten uns neu aufstellen.“ Geschafft hat er das zusammen mit seiner Frau Monika, die nicht nur täglich hinter dem Verkaufstresen steht, sondern auch die Personalplanung macht und Büroarbeit erledigt. „Meine Frau ist die Seele des Geschäfts“, betont Fischer.

Neben dem großen 100-jährigen Jubiläum feiern die beiden auch 30 gemeinsame Jahre, in denen sie am zusammen am Ruder stehen. In dieser Zeit sich einiges verändert. „Wenn heute um sechs Uhr in unseren Filialen die Tür aufgeschlossen wird, muss alles in den Regalen liegen“, sagt Fischer. Deshalb geht heutzutage schon um ein Uhr in der Nacht in der Backstube das Licht an.

Festwoche in Götzer Bäckerei

Vom 1. bis zum 5. April wird in der Bäckerei und Konditorei Fischer in Götz das 100-Jährige Bestehen des traditionsreichen Familienbetriebs ganz groß gefeiert.

Die Kunden können täglich zum großen Glückspilz werden. Während der Festwoche werden jeweils um 17 Uhr drei Gewinner-Lose gezogen. Es winken verschiedene Preise zum Verspeisen, unter anderem Kekse und Hefekuchen. Die Lose zur Teilnahme gibt es bei jedem Kauf im Laden gratis dazu. Jeden Tag wird zudem ein „Opa-Hermann-Jubiläumsbrot“ verlost.

Ein Blick hinter die Kulissen gibt es am 2. und 4. April jeweils um 16 Uhr und um 16.45 Uhr bei Führungen durch die Backstube. Interessierte melden sich an im Laden in Götz oder unter 033207/32607 oder per Email an kontakt@baeckerei-konditorei-fischer.de

Aus dem Backofen kommen täglich, außer am Sonntag, Klassiker und immer wieder neue Kreationen. „Beliebt ist nach wie vor das Mischbrot und die Brötchen nach ostdeutscher Art“, sagt Fischer. Dinkelmehl und Chia-Samen, Sesam und Kürbiskerne gehören in der Produktion neuer Sorten inzwischen aber auch lange zum Standard. „Wir haben 14 Brotsorten im Angebot, darunter auch ein reines Roggenbrot, das sich für Weizenmehl-Allergiker eignet.“

Auf der süßen Seite gibt es von der üppigen Creme-Torte bis zum Streuselkuchen, vom altbewährten Liebesknochen bis zur Havanna-Rolle und den Heidesand-Keksen alles was das Herz begehrt. „Und je nach Saison natürlich Obsttorten“, sagt Heino Fischer. Im Sommer ist zudem Eis aus eigener Produktion im Angebot. Außerdem läuft das Team der Götzer Bäckerei immer zur Weihnachtszeit zu Hochform auf. „Dann gehen bei uns 5000 Christstollen nicht nur direkt über die Ladentheke, sondern auch per Post bis nach England, Kanada oder Finnland“, sagt Monika Fischer.

Von Christine Lummert

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