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Groß Kreutz Deswegen demonstriert der Krielower Landwirt Marco Hintze in Berlin
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Deswegen demonstriert der Krielower Landwirt Marco Hintze in Berlin
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20:12 26.11.2019
Marco Hintze (2. v.l.), Landwirt aus Krielow, fährt mit 13 anderen Bauern zur Bauerndemo nach Berlin. Einige hatten sich vor dem Gruppenbild schon ans Steuer gesetzt. Quelle: Annika Jensen
Krielow/Berlin

Marco Hintze steigt auf seinen Trecker. Einen New Holland von Ford. schlumpfblau, wie er sagt. Baujahr 2018, 200 PS, GPS-gestützt, gefederte Kabine. Doch an diesem grauen Dienstagmorgen gegen 8 Uhr setzt sich der 47-jährige Landwirt aus Krielow nicht hinter das Steuer dieses Kolosses, um eines seiner Felder zu bestellen.

Nein, er will, gemeinsam mit 14 Kollegen aus der Umgebung, aus dem Emsland und aus Schleswig-Holstein nach Berlin fahren. Mit 14 Treckern und einem Lkw sind sie unterwegs. Ihr Ziel: die Bauerndemo am Brandenburger Tor.

Hauptmotivation: Agrarpaket

„Der Hauptgrund, der uns animiert, so massiv auf die Straße zu gehen, ist das neue Agrarpaket der Bundesregierung“, sagt Marco Hintze. „Es wird beschlossen, ohne mit uns darüber zu diskutieren. Da werden Vorschriften verschärft für Düngeregelungen, für Pflanzenschutzeinsätze. Und diese Einsätze sind für uns so maßgeblich schwierig, durchzusetzen, dass sie unsere Existenz gefährden.“

Die Landwirte dürften dadurch die Pflanzen „nicht mehr mit maximaler Kraft schützen und versorgen und müssen somit Einbußen in den Erträgen hinnehmen“, sagt Hintze weiter.

Marco Hintze hat sich mit 14 weiteren Landwirten aus dem Emsland und aus Schleswig-Holstein zusammengetan, um zur Bauerndemonstration in Berlin zu fahren. Sie schlossen sich dem Protest gegen das neue Agrarpaket der Bundesregierung an. Der Weg dorthin war überraschend problemlos.

Während er spricht, blickt er konzentriert auf die Straße. Immer wieder schaltet er die großen Scheinwerfer an, die ihm auch bei Dunkelheit die Arbeit auf dem Feld ermöglichen. „Die werfen selbst bei Sonnenschein Schatten“, sagt er und grinst.

Sie sind eine Antwort an die Autofahrer, die mit Lichthupen ihre Sympathien für den Bauernprotest ausdrücken. Und sie sind eine Antwort an die Passanten, die von den Fußwegen aus winken, an die Kindergruppen die begeistert stehenbleiben und staunen.

Hintze: Medien zeigen nicht Meinung der Menschen

„Ich glaube, dass die Medien nicht immer die Meinung der Masse der Bevölkerung widerspiegeln“, sagt Hintze. „Und ich glaube, vielen Leuten ist es bewusst, dass wir diese Strapazen nicht aus Langeweile auf uns nehmen. Jeder von uns hat genug zu tun, muss die Tiere versorgen, muss den Betrieb am Laufen halten. Und muss nicht nach Berlin fahren und das Pflaster breittreten.“

Diese Sympathien aus der Bevölkerung, vermutet Hintze, haben die Bauern zu dieser zweiten Sternfahrt ermutigt. Die erste trieb Mitte Oktober Bauern in vielen deutschen Städten auf die Straße. „Die Politik hat es eben vielleicht noch nicht realisiert, wie ernst die Lage ist, aber die Bevölkerung schon.“

Mit Tempo 30 nach Berlin

Werder liegt hinter ihm und seinen Mitstreitern. In Potsdam sind sie durch die Innenstadt auf die Glienicker Brücke gefahren. Ihr Durchschnittstempo liegt bei 30 kmh. Überall haben sie freie Fahrt. Selbst in Berlin haben sie keine Probleme. Und das ohne polizeiliche Unterstützung. „Bis jetzt war es die richtige Entscheidung, über Nebenstrecken bis zur Siegessäule zu fahren“, sagt Hintze.

Dort hat er sogar die Muße, das Handy zu zücken und Fotos und Videos zu machen. „Man, man, man. Das sieht man auch nicht alle Tage“, sagt er. Die schiere Masse an Traktoren scheint selbst jenen zu beeindrucken, der sich Wochen mental auf diesen großen Protest vorbereitet hat.

Polizei als Parkanweiser

Als er und seine Mitstreiter die „Goldelse“, wie er sie nennt, umrundet haben, kommen sie erstmals nicht weiter. Seinem Auszubildenden, der am hinteren Ende mitfährt, gibt er durch: Bleibt alle in einer Spur, damit wir zusammenbleiben.

Hintze steigt aus, geht auf einen Fahrer mit Bautzner Kennzeichen zu und erkundigt sich, wie es nun weitergeht. Als er sich wieder hinter sein Steuer setzt, sagt er: „Die Polizei weist uns jetzt zum Parken ein und dann laufen wir den Rest.“

Die letzten Meter zu Fuß

Die Motoren seiner Gruppe verstummen. Das hört allerdings niemand wirklich, denn in alle Himmelsrichtungen stehen Traktoren. Soweit man blicken kann. Und der Lärm der Gefährte, die noch angerollt kommen oder die in einer Tour hupen, übertönen Hintzes Anweisung.

„Kommt mal her“, sagt er laut. Mittlerweile hat er seine neongelbe Jacke angezogen und ist bereit, loszugehen. „Wir machen ein Bild und dann laufen wir zum Brandenburger Tor.“ Audry Roman drückt auf ihrem Handy auf den Auslöser.

„Warum soll man aus China einführen?“

Die 53-Jährige ist die Frau von Hintzes bestem Freund. Weder sie noch ihr Mann arbeiten in der Landwirtschaft. Die Make-up-Artistin aus Groß Kreutz wollte dennoch bei dem Protest der Landwirte unbedingt dabei sein. Deswegen fragte sie Hintze, ob sie bei einem der Bauern mitfahren dürfte. Sie durfte. Und so läuft sie nun mit den Männern zum Brandenburger Tor.

„Ich finde es mega wichtig, dass man für etwas demonstriert, wofür man auch dasteht. Ich finde auch Ernährung total wichtig“, sagt sie über ihre Motivation, mitzufahren. „Warum soll man aus China einführen? Warum soll man die Natur und die Felder kaputtmachen?“

Kein Durchkommen zur Rednerbühne

Hundert Meter vor dem Brandenburger Tor angekommen, steht schnell fest: Die Gruppe kommt nicht zur Rednerbühne. Es sind zu viele Menschen. Doch sie sind nahe genug, um die Reden über die Lautsprecher gut verstehen zu können.

Vier Stunden später, gegen 16 Uhr, starten Hintze und seine Kollegen ihre Heimreise. „Die Polizei hat die Abfahrt geregelt“, sagt Marco Hintze am Abend am Telefon. Im Hintergrund ist das Motorgeräusch seines New Holland zu hören. Er sitzt noch immer hinterm Steuer.

„Dadurch wurden wir zu sehr von der Route abgedrängt, die wir rein genommen haben und die wir auch wieder raus nehmen wollten. Die B1 ist jetzt zu weit weg. Nun müssen wir leider die B2 nehmen.“ Und da stockt es um 18 Uhr. „Aber wir sind frohen Mutes.“ Gegen 20 Uhr, so schätzt er, müssten sie in Krielow wieder ankommen.

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Von Annika Jensen

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