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Groß Kreutz NDR-Fernsehjournalistin Birgit Wärnke geht dem Lebensgefühl ihrer Heimat nach
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06:45 30.10.2019
Birgit Wärnke arbeitet seit 2011 für die NDR-Redaktion Panorama. Aufgewachsen ist sie, wie sie selbst sagt, als "DDR-Kind" in Groß Kreutz. Quelle: NDR/Martin Kobold
Groß Kreutz

Die Hamburger Fernsehjournalistin Birgit Wärnke ist in Groß Kreutz aufgewachsen. Sie hat sie den Film „Einheitsland – oder doch nicht“ gedreht, der am Mittwochabend im NDR läuft. Der Film kann als Fortsetzung eines mittlerweile preisgekrönten Dokumentarstücks gesehen werden, das Birgit Wärnke dort gedreht hat, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte, in Groß Kreutz: „Zurück im Osten: Was ist in meiner Heimat los?“. Vor vier Wochen erhielt die Fernsehjournalistin dafür den Robert-Geisendörfer-Preis 2019 in der Kategorie Fernsehen.

In der Reportage geht die Journalistin und Autorin der Frage nach, wie die AfD in Ostdeutschland so stark werden konnte. Sie möchte herausfinden, was für ein Gefühl die Menschen zur Wiedervereinigung haben und wie sie aus heutiger Sicht die DDR sehen. Für die Fernsehreportage sprach Birgit Wärnke, Jahrgang 1978, in Groß Kreutz mit Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld. So traf sie sich auch mit der Männer-Runde, mit der ihr Vater jeden Freitagabend in einer Groß Kreutzer Garage zusammen kommt. Offen stellt sie den Männern Fragen wie: „Wie könnt ihr euch ein so hohes AfD-Ergebnis in Groß Kreutz erklären?“ Es geht um die Bundestagswahl 2017.

Fragen an den Vater vor laufender Kamera

Die AfD holte damals bei den Erststimmen 17,5 Prozent in der Gemeinde Groß Kreutz (Havel). Bei den Landtagswahl am 1. September schoss die AfD sogar auf 21,6 Prozent der Zweitstimmen hoch.

„Der Zusammenhalt geht sachte in die Brüche“, war eine Antwort. „Die AfD ist die Unzufriedenheit vieler, vieler Bürger und die Angst vor den Ausländern“, antwortet Birgit Wärnkes Vater. „Warum, ich verstehe es nicht?“, sagt dazu die Journalistin. Einig ist sich der Garagentreff, dass es eigentlich ja nur wenige Ausländer in Groß Kreutz gibt: „Die AfD-Ergebnisse sind da am höchsten, wo der Ausländeranteil am niedrigsten ist“, sagt Birgit Wärnke. Es fällt das Wort „Kanake“ bei einem der Männer. „Das ist schon echt ein Schimpfwort“, hakt die Reporterin nach: Und möchte wissen: „Würdet ihr sagen, ihr seid hier schon ausländerfeindlich?“ Harte Fragen, die bei laufender Kamera auch an den eigenen Vater gerichtet sind. „Auf keinen Fall“, kommt als Antwort. „Ausländerfreundlich aber auch nicht“, sagt Wärnke und will wissen: „Flüchtlingsskeptisch?“ Einhellige Zustimmung: „Da hast du ein gutes Wort gefunden.“ „Aber das ist kein Grund, die AfD zu wählen“, sagt der Vater der Fernsehfrau. „Skeptisch ist der Ausdruck für uns hier. Flüchtlingsfeindlich sind viele von der AfD.“

Die frühere SED-Parteisekretärin und Lehrerin Sabine Stoof (l.) aus Caputh möchte 30 Jahre nach der Wende ihre Stasiakte einsehen. Quelle: NDR Presse und Information

Für die Reportage besuchte Birgit Wärnke auch ihre frühere Deutschlehrerin Sabine Stoof, die in Caputh lebt. Sabine Stoof war 1976 bis 1989 an der Polytechnischen Oberschule Albert-Einstein in Caputh tätig, wechselte 1990 an die Realschule in Geltow und unterrichtete von 1995 an am Ernst-Haeckel-Gymnasium Werder. Dort war Birgit Wärnke ihre Schülerin.

Einblick in die Stasiakte

Sabine Stoof, seit einigen Jahren im Ruhestand, kommt auch in der Fernsehreportage „Einheitsland – oder doch nicht“ vor. Darin begleitet das Fernsehteam um Birgit Wärnke die ehemalige SED-Parteisekretärin Sabine Stoof bei ihrem Wunsch, ihre Stasi-Akte einzusehen.

„Sie ist eine mutige Frau, die sich dieser Frage stellt“, sagt Birgit Wärnke in einem Gespräch mit der MAZ am Dienstag. „Sie hat sich mit dem Mauerfall komplett infrage gestellt“. Die Journalistin ist auf dem Sprung nach Köln. Sie tritt am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin Moma auf.

Auf den Spuren der eigenen Kindheit

„Was bleibt von meiner Identität noch übrig“, sagt Sabine Stoof im Film „Zurück im Osten“. „Warst du auch der Meinung, dass die DDR das bessere System war?“, will die frühere Schülerin wissen. „Ja, davon war ich voll überzeugt. Ich habe es nicht hinterfragt. Davon bin auch manchmal erstaunt.“ Und dann: „Ich habe Schuld übernommen, in dem ich in diesem System nicht begriffen habe, was dieses System bedeutet. Das ist meine Schuld. Dass ich Mitläuferin war.“ Ganz schlimm fühle es sich an, 40 Jahre der falschen Idee hinterhergelaufen zu sein, gesteht die frühere Lehrerin ein.

Auch in ihrem Film „Einheitsland“ geht Birgit Wärnke auch den Spuren ihrer Kindheit nach, knüpft dort an. Etwa in der Feriensiedlung „Schwalbennest“ auf Rügen, dem früheren Siedlung des VEB Karosseriewerks Aschersleben und fragt: „Gibt es noch ein Uns und ein Die, ein Ost und ein West –30 Jahre nach Mauerfall.“ Ihr Vater war NVA-Sportoffizier. „Ich hatte in der DDR eine glückliche Kindheit“, auch dieser Satz taucht wieder auf. „Mir braucht niemand die DDR zu erklären“, sagt Birgit Wärnke, die es nach dem Abitur in den Westen zog zum Studium, auch, weil sie dort viel größere Chancen sah für sich. Anfangs habe sie in Hamburg ihre Kindheit im Osten eher verheimlicht. Seit einigen Jahren sagt sie offen, „klar, ich bin im Osten groß und auch im Osten geprägt worden.“ Dieses differenzierte Bild will sie zeichnen.

Einheitsland – oder doch nicht?“ läuft am Mittwoch, 30. Oktober, um 21 Uhr im NDR. Der Film „Zurück im Osten: Was ist in meiner Heimat los?“ ist auf der Homepage des NDR zu finden.

Von Marion von Imhoff

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