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Groß Kreutz Nun also doch: Noch 2019 startet Sanierung der L 86 bei Krielow
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Nun also doch: Noch 2019 startet Sanierung der L 86 bei Krielow
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16:20 22.03.2019
Einem Wellenritt gleicht die Fahrt auf der Buckelpiste zwischen Groß Kreutz und Deetz. Die meisten fahren in der Straßenmitte.
Einem Wellenritt gleicht die Fahrt auf der Buckelpiste zwischen Groß Kreutz und Deetz. Die meisten fahren in der Straßenmitte. Quelle: Rüdiger Böhme
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Groß Kreutz (Havel)

Diese Nachricht wird viele Menschen froh stimmen: Die Sanierung der völlig maroden Landesstraße 86 zwischen Groß Kreutz und Schmergow beginnt nun doch schon in diesem Jahr. Das kündigte jetzt der Landesbetrieb Straßenwesen an. Der erste Bauabschnitt wird nach Angaben des zuständigen Dezernatsleiters Frank Schmidt zwischen Krielow und Deetz sein. Bis 2024 etwa sollen alle Abschnitte saniert sein.

MAZ-Leser wählten die Landstraße 86 zwischen Groß Kreutz und Schmergow bereits 2017 zu einer der schlechtesten Straßen im Großraum Potsdam und Potsdam-Mittelmark.

Ursprünglich war keine Rede von einer Sanierung dieses Abschnittes der L 86. Das Land hatte die Straße dem sogenannten Grünen Band zugeordnete, ein Netz untergeordneter Straßen, die in der Sanierungspriorität weit hinten stehen. Nur hin und wieder kippten Straßenarbeiter Asphalt auf die schlimmsten Fahrbahnschäden. Für eine grundhafte Sanierung sei die Straße zu unwichtig, teilte der Landesbetrieb Straßenwesen über Jahre mit.

Kapazitätsausbau der Deponie

Doch mit dem geplanten Kapazitätsausbau der Deetzer Deponie kam der Stein vor einem Jahr ins Rollen. „Es wird geprüft, die Straße eventuell zu sanieren“, teilte damals Steffen Streu, Sprecher des Infrastrukturministeriums in Potsdam mit. Doch auch da wurde nie ein Zeitrahmen genannt. Am Dienstagabend sagte Bürgermeister Reth Kalsow noch, die „Informationen vom Landesbetrieb Straßenwesen fließen nur spärlich“.

Grünes Netz

Im Land Brandenburg sind die überörtlichen Straßen in Netze eingeteilt. Zum Leistungsnetz gehören alle Autobahnen (800 Kilometer).

Die Bundesstraßen sind in das Blaue- und das Grundnetz eingegliedert. Sie umfassen 2900 Kilometer Strecke. Die knapp 6000 Kilometer Landstraßen zählen zur Hälfte zum Grundnetz und zum Grünen Netz. Dort ist keine Sanierung vorgesehen.

Die Landesstraße 86 zwischen Groß Kreutz und Schmergow zählte bisher immer zum Grünen Netz.

Leser haben die L 86 zwischen Groß Kreutz und Schmergow bei einer MAZ-Umfrage 2017 zu einer der schlechtesten Straßen in der Region Potsdam und Potsdam-Mittelmark gekürt. Im Volksmund werde die Strecke zwischen Krielow und Deetz „Abtreibungspiste“ genannt, sagte damals MAZ-Leserin Rebecca Bull.Die Straße ist derart wellig, dass Autos dort fast abheben. Tatsächlich fahren die meisten in der Mitte der Fahrbahn, sobald es keinen Gegenverkehr gibt, um den Bodenwellen auszuweichen. Das zeigte sich auch am Freitag und auch Burghard Süring bestätigt das.

Polizei drängt auf Sanierung

Auch die Polizei fordert dringend die Sanierung der Landesstraße. Verschärft wird die Situation, weil täglich rund 70 Lastwagen mit Bauschutt zur Deponie in Deetz unterwegs sind. In Spitzenzeiten sind es bis zu 150 40-Tonner täglich.

Angaben zum genauen Baustart, Ablauf der Sanierung und Investitionshöhe macht der Landesbetrieb Straßenwesen noch nicht. „Wir sind noch in der Planung“, so Frank Schmidt.

Der Deetzer Ortsvorsteher leitet die dortige Bauschutt-Deponie. Seit Jahren nennt er den Zustand der Landesstraße 86 katastrophal. Quelle: Rüdiger Böhme

Ein Punkt steht indes schon fest: Der Landesbetrieb Straßenwesen hat mit dem Landesbetrieb Meab, der die Deponie betreibt, einen Rahmenvertrag getroffen. Danach beteiligt sich die Meab finanziell an dem Bau einer Linksabbiegespur zur Deponie. Das teilte am Freitag Burghard Süring mit. Er ist der Deetzer Ortsvorsteher und hauptberuflich Leiter der Bauschutt-Deponie. „Die Höhe der Summe ergibt sich dann aus den anteiligen Baukosten für die Abbiegespur“, so Süring.

„Die L 86 hier ist ein Katastrophe“, so Süring. Er ist seit rund 20 Jahren Ortsvorsteher. Genauso lange kämpft er um die Erneuerung der Landesstraße. „Vor etwa zehn Jahren sollte die Straße gemacht werden. Damals war sie in der Planung drin. Dann hat man es wieder zurückgestellt und sie dem Grünen Band zugeordnet, wo gar nichts mehr geschehen sollte“, so Süring. „Wie kann eine Straße nur so eingestuft werden, dass man überhaupt nichts mehr dran macht? Das geht doch an der Realität vorbei.“

Anwohner erleichtert über Nachricht

Christiane Letz aus Deetz ist heilfroh über die bevorstehende Sanierung der L 86: „Das wird Zeit. Bei bestimmten Witterungsverhältnissen hat man durch die Unebenheiten Angst, an einem Baum zu landen“, sagt die 59-jährige Sachbearbeiterin.

Michel Hirte ist Ingenieur und in Krielow aufgewachsen. Die bevorstehende Sanierung der L 86 ist für ihn überfällig. Quelle: Rüdiger Böhme

In Krielow gibt es keine Bürgersteige, die Ortsdurchfahrt bröckelt an den Fahrbahnrändern, Bodenwellen auch hier. Michel Hirte ist in Krielow aufgewachsen und hat dort vor zwei Jahren neu gebaut: „Wir haben hier ab 6 Uhr früh viel Lkw-Verkehr hoch und runter zur Bauschuttdeponie. Bei dem Zustand der Straße scheppern die wirklich laut. Die Straße wird durch die Lastwagen auch nicht besser“, sagt der 30-jährige Ingenieur.

Von Marion von Imhoff