Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Große Alfred-Karl Dietmann-Ausstellung
Lokales Potsdam-Mittelmark Große Alfred-Karl Dietmann-Ausstellung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:15 05.01.2017
Leonarda Göbel, Tochter von Alfred-Karl Dietmann, mit einem Foto vom malenden Vater vor dessen Gemälde „Schloss Charlottenburg“ – links der Maler selbst in Öl.
Leonarda Göbel, Tochter von Alfred-Karl Dietmann, mit einem Foto vom malenden Vater vor dessen Gemälde „Schloss Charlottenburg“ – links der Maler selbst in Öl. Quelle: Claudia Krause
Anzeige
Stahnsdorf

Für Leonarda Göbel ist das Ganze eine „aufregende Sache“. Die 52-Jährige aus dem Nachbarkreis Teltow-Fläming stellt Bilder ihres Vaters Alfred-Karl Dietmann für eine Ausstellung im Stahnsdorfer Gemeindehaus zur Verfügung und hat gestern die Hängung, wie es heißt, begleitet. Es ist die erste öffentliche Bilder-Schau seit dem Tod des Malers im Jahr 1998. „Ich bin wahnsinnig stolz und gerührt, und bin Herrn Trodler sehr, sehr dankbar für die Möglichkeit“, sagte sie der MAZ.

Am Freitagabend soll die Ausstellung mit etwa 70 Bildern – die meisten von Dietmann – eröffnet werden. Dazu gibt es ab 18.30 Uhr nicht nur ein Galeriegespräch, sondern auch Musik von einer kleinen Band, die aus ihr und ihren fünf Kindern zwischen 10 und 23 Jahren besteht, kündigte Leonarda Göbel an. Veranstalter der Ausstellung, die bis Februar läuft, ist der Soziokulturelle Verein „Eins A“ Stahnsdorf, dessen Vorsitzender Eberhard Trodler ist.

Eher zufällig waren sich der Maler Trodler und die Erbin der Dietmann-Werke begegnet. Der 75-Jährige ermunterte die Frau, Werke ihres Vaters und einige auch von Ruth Rieger aus dem Keller wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu holen. Dietmann (1925-1998) und Rieger (1931-2005) gehören zur Arbeitsgruppe Berliner Architekturmaler, die 1970 gegründet wurde und sich zur Aufgabe machte, „das sich wandelnde Gesicht ihrer Stadt zu zeichnen und zu malen für die, die Berlin lieben und für die, die nach ihnen kommen werden“. Schnell bekamen manche Bilder dokumentarischen Wert, da Häuser gefallen sind, Straßen und Landschaften sich verändert haben.

Dietmann, der 1925 in Mönchengladbach geboren wurde, war seit 1949 freiberuflich als Architektur- und Landschaftsmaler aktiv. Schon während des Krieges hatte er in Italien mit Porträtzeichnungen etwas Geld dazu verdient. Außerdem schuf er Tierbilder; allein 400 Pferdeporträts. Von 1946 bis 1949 studierte er in München Malerei und Kunstgeschichte. Zu seinen Lehrern zählte Eugen Maria Cordier. In den Jahren 1951 bis 1953 verbrachte er Studienaufenthalte in Italien und Frankreich. 1955 ließ er sich in Berlin nieder und schuf dort einige historisch wertvolle Aquarelle von Ansichten, die die Stadt vor dem Fall der Berliner Mauer zeigen. Seine Technik war vorwiegend die aquarellierte Zeichnung. Größere Serien von Architekturbildern entstanden in den 1960er und 1970er Jahren, unter anderem im Schlosspark Glienicke, dem Schloss Charlottenburg und am Gendarmenmarkt. Er präsentierte seine Werke in über 40 Ausstellungen in Berlin sowie in Westdeutschland.

Alfred-Karl Dietmann und Ruth Rieger in früheren Jahren gemeinsam beim Wein. Quelle: Krause (Repro)

In der Rückschau kann sich die Tochter an „keine schöne Kindheit erinnern“. Ihre Mutter war Pianistin, der Vater „immer auf Motivsuche und am Malen“. Da blieb kaum Zeit für die Tochter und den jüngeren Sohn. Außerdem sei es „schwer gewesen, mit Kunst zu überleben“. Die Familie hatte nicht viel zum Leben, auch die Berliner Wohnung in der Nähe von Schloss Charlottenburg „war schlimm“, aber das Mädchen ging damals gern in dem Park vor der Haustür spazieren. Beim Anblick des Bildes von Schloss Charlottenburg an der Wand des Stahnsdorfer Gemeindezentrums „kommen jetzt aber richtige Kindheitserinnerungen hoch“, gesteht die Frau und lächelt. So, wie einst Hollywood-Regisseur Alfred Hitchcock verewigte sich auch der Berliner Maler gern selbst auf seinen Öl- oder Aquarellbildern. Auf dem Schlossbild ist er vorn links auf dem Weg mit der Malmappe unterm Arm zu sehen.

Gleich neben dem großformatigen Gemälde ist die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin zu sehen – ganz zart, fast filigran wirkt das Bauwerk, gemalt von Dietmann. Und der Besucher entdeckt auch die puppenstubenmäßige Brandenburger Straße von Potsdam und Impressionen aus dem Park Sanssouci.

Die Brandenburger Straße von Potsdam. Eberhard Trodler hat bereits zum Potsdam Museum Kontakt aufgenommen. „Vielleicht hat es ja Interesse an diesem Werk“. Quelle: Claudia Krause

Für Leonarda Göbel sind ihre vom Vater gemalten Porträts „die Lieblingsbilder“. In der Ausstellung, die bei entsprechendem Interesse nicht die letzte gewesen sein muss, wird aber keins davon gezeigt.

Auch wenn die Tochter noch genug Bilder von einstigen cholerischen und selbstherrlichen Ausbrüchen des Vaters vor Augen hat – „Meine Mutter hat Gardinen genäht und er hat sie als Mallappen genutzt“ – freut sie sich heute für ihren Vater, dass seine Bilder gezeigt werden: „Er hat es auch verdient.“

Arbeitsgruppe Berliner Architekturmaler

Die Arbeitsgruppe Berliner Architekturmaler (AG-BA) besteht seit 1970. Gegründet wurde sie von einer Künstler-Gruppe um Alfred-Karl Dietmann (1925-1998) und Ruth Rieger (1931-2005). Sie war von 1970 bis 1995 die 1. Vorsitzende der Arbeitsgruppe.

Aufgabe: Das Historisch-Offizielle und das Natürlich-Gewachsene in beiden Teilen der Stadt und im Umland von Berlin festzuhalten. Die Liebe zum Detail, das Erlebnis der Wirklichkeit, das historisch bedeutende, aber auch die kleinen, nebensächlichen Orte, Plätze, Straßen, Häuser - eben das, was Berlin ausmacht - sind das Charakteristische in den Bildern der Künstler, die vor Ort entstanden.

Als Vorläufer gab es 1962 den Kreuzberger Bildermarkt (eine Art Freilicht-Ausstellung).

1965 wurde die Selbsthilfe Berliner Künstler e.V. gegründet.

Die AG-BA hat seit ihrer Gründung eine große Zahl von Ausstellungen in Berlin und zahlreichen westdeutschen Städten veranstaltet. Viele ihrer Werke befinden sich im Museum der Stadt Nürnberg, im Berlin-Museum, im Schloss Charlottenburg und in der in der Graphothek Tegel. Weitere Maler schlossen sich der Arbeitsgruppe an.

Von Claudia Krause

Potsdam-Mittelmark Bekannter Rechtsmediziner kommt nach Fichtenwalde - Der Arzt für die letzte Untersuchung
04.01.2017