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Potsdam-Mittelmark Gymnasium legt Schwerpunkt auf Berufswahl
Lokales Potsdam-Mittelmark Gymnasium legt Schwerpunkt auf Berufswahl
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20:18 24.01.2018
Im Chemiekurs des Sally-Bein-Gymnasiums in Beelitz lässt sich Ministerpräsident  Dietmar Woidke (SPD, l.) von einigen Schülern der 11. Klasse ein Experiment vorführen. Quelle: H. Helwig
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Beelitz

Auf seinem Neujahrsempfang am Mittwochabend zeichnete das Institut für Talententwicklung in Berlin das Sally-Bein-Gymnasium in Beelitz mit dem Titel „Vocatium-Partnerschule“ aus. Das Beelitzer Gymnasium arbeitet in der Berufs- und Studienorientierung seiner Schüler seit Jahren eng mit dem anerkannten Berufswahl-Assistenten zusammen. Offiziell gilt die weiterführende Schule in Beelitz seit 2011 als „Schule mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung“. Dieses Qualitätssymbol hat das Sally-Bein-Gymnasium 2015 erfolgreich verteidigen können.

„Diese Schule legt auf die Berufsausbildung nicht nur ihr besonderes Augenmerk. Sie ist dabei auch besonders erfolgreich“, stellte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf seiner „ZukunftsTour Jugend“ am Mittwoch im Beelitzer Gymnasium fest. Bei Kurzbesuchen im Chemiekurs Klasse 11 und Proben des Schulchores und der Theater-AG beeindruckte ihn die Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten, die die Schüler an diesem Gymnasium haben. „Wir legen uns nicht auf eine konkrete Ausrichtung fest. Wir arbeiten sehr intensiv an einer umfassenderen Berufs- und Studienorientierung“, so Schulleiter Jürgen Schwartz.

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Konzept basiert auf vier Säulen

Das Bildungskonzept basiert auf vier Säulen: den berufsorientierenden Unterricht, den Unterricht von Schülern für Schüler, die Arbeitsgemeinschaften sowie die Zusammenarbeit mit Partnern. Dazu zählen neben dem erwähnten Institut für Talententwicklung die Fachhochschule in Brandenburg an der Havel, die Universität Potsdam oder auch die Veinland GmbH in Neuseddin. Beim Hersteller von Hard- und Softwarelösungen für die Schiffselektronik findet ein regelmäßiger Informatikunterricht statt.

Dass Schüler des Gymnasiums in anderen Grundschulen jüngere Schüler unterrichten, blieb nicht ohne Wirkung auf spätere Berufswünsche. Die frühere Referendarin Katja Koban bestand vor einigen Tagen ihr letztes Examen und ist nun eine vollwertige Lehrerin. Koban legte 2008 am Sally-Bein-Gymnasium ihr Abitur ab. „Die Berufsorientierung an der Schule war schon sehr hilfreich für mich“, bekennt sie. Die praktische Arbeit als „Lehrerin“ in den Grundschulen habe sie zum späteren Berufswunsch motiviert. Aber auch die Vorbildwirkung des Lehrerkollegiums am Gymnasium habe den Ausschlag für ihre Berufswahl gegeben, sagt Koban. „In meinen letzten beiden Schuljahren habe ich fast schon hospitiert.“

Die frühere Referendarin Katja Koban ist jetzt vollwertige Lehrerin am Sally-Bein-Gymnasium in Beelitz. Sie legte 2008 an dieser Schule ihr Abitur ab. Quelle: Thomas Lähns

„Der Lehrerberuf ist gelebte Psychologie“, philosophierte Woidke in einer Gesprächsrunde mit einigen Schülern und freute sich, dass bei seiner Nachfrage nach den Berufs- oder Studienwünschen mehrfach das Lehramt genannt wurde. „Wir wollen in den nächsten Jahren bis 2020 zusätzlich etwa 1000 junge Lehrer einstellen“, kündigte der Ministerpräsident an. Die Landesregierung wolle aber nicht nur ins Personal, sondern auch in die technische Ausstattung der Schulen investieren. So sollen neben den Gewerbegebieten auch die Schulen vordergründig ans schnelle Internet angeschlossen werden.

Den meisten Schülern in der Gesprächsrunde war ein Bürojob einfach zu langweilig. Sie wollen außer dem Lehramt lieber Informatik oder Medizin studieren. Emanuel Stuwe aus der elften Klasse kann sich auch vorstellen, einmal Politiker zu werden, und Schülersprecherin Jana Chen aus der Zehnten hat bereits Kontakte zum Auswärtigen Amt in Berlin geknüpft, um vielleicht später im Diplomatischen Dienst zu arbeiten.

Dabei stehe für Jugendliche Geld allein nicht immer im Vordergrund, sagte Woidke. Viele würden bei ihrer Berufswahl auch auf das zwischenmenschliche Klima in der anvisierten Schule oder im Betrieb achten. Dass im Sally-Bein-Gymnasium eine sehr angenehme Atmosphäre herrsche, habe er schon beim Betreten des Hauses gespürt.

Gymnasium sucht neue Partnerschule in Polen

Am Sally-Bein-Gymnasium unterrichten derzeit 24 Lehrer knapp 370 Schüler.

Im Schülerradio „Break ’n’ Beatz“ offenbarte Dietmar Woidke, einst selbst einmal im Schulfunk seiner Erweiterten Oberschule mitgearbeitet zu haben, der in den Pausen die Schüler unterhielt.

Seine Hilfe angeboten hat der Ministerpräsident bei der Suche des Sally-Bein-Gymnasiums nach einer neuen Partnerschule in Polen. Der bisherige Kontakt zu einer Schule in Hanovka war abgebrochen worden, als die polnische Kontaktlehrerin nach Warschau zog, wo sie jetzt an zwei Schulen unterrichtet.

Die Stele zum Gedenken an den Namensgeber Sally Bein soll durch einen gestalteten Stein ersetzt werden.

Das Klinkenputzen in Betrieben für Ausbildungsplätze ist vorbei, sagt Oberstufenkoordinatorin Angela Fromhold-Treu. Jetzt reißen sich die Firmen um die Gymnasiasten.

Von Heinz Helwig