Das Falkenweibchen hat bei der Wahl des Nistplatzes für den Nachwuchs nichts dem Zufall überlassen. Bereits im vergangenen Jahr habe das Tier etwa drei Wochen lang immer wieder auf seinem Hof vorbeigeschaut, erzählt Hans-Jürgen Krauss. Der Görzker ist vor allem als Double des Alten Fritz bekannt.
„Ich hab gemerkt, dass sie sich wohl fühlt. Also habe ich im Internet geschaut, wie ein richtiger Falkenhorst gebaut wird“, berichtet der Senior weiter. „Aber dann war der Vogel plötzlich weg – und bei mir natürlich die Trauer groß.“ Bis zum Frühjahr dieses Jahres, denn da ist das Falkenweibchen zusammen mit einem gefiederten Partner nach Görzke zurück gekehrt.
Er habe an der Hinterseite des Horstes ein Guckloch gelassen, um die Vögel beobachten zu können, erzählt Hans-Jürgen Krauss. „Fünf Eier haben die Vögel in meinem Horst ausgebrütet und großgezogen, da herrschte reges Leben auf dem Hof. Es ist jeden Morgen eine große Freude gewesen, den Tieren zuzusehen.“
Elstern wurden gleich verjagt
Die Falkeneltern hätten das Nest die ganze Zeit über bewacht und etwaige Zerstörer, wie beispielsweise Elstern, sofort verjagt. Und so seien die Vogelkinder auf dem Hof gewachsen und hätten auch erste Flugversuche unternommen, erzählt der ehemalige Elektrotechniker.
Vor vier Wochen etwa seien die Vogelkinder dann schließlich ausgeflogen. „Zusammen mit den Eltern, sie haben ihnen sicherlich das Jagen gelernt. Es ist ein ganz gutes Jahr für Falken, weil es viele Mäuse gibt“, sagt Hans-Jürgen Krauss. Die Vogelmutter sei in den vergangenen Tagen immer noch mal zurück gekommen – und er gehe auch davon aus, dass die Tiere im nächsten Jahr wieder kommen.
Gattung umfasst 39 Arten
Die Gattung der Falken ist fast weltweit verbreitet und umfasst 39 Arten.
In Mitteleuropa kommen mit Turmfalke, Rotfußfalke, Baumfalke, Wanderfalke und Sakerfalke fünf Falkenarten als Brutvögel vor.
Falken bauen keine Nester. Die Brut findet in Nestern anderer Vogelarten oder in einfachen Mulden an Felswänden, Gebäuden oder auf Bäumen statt. Dies unterscheidet sie von den Greifvögeln.
Falken sind tagaktive Jäger. Zur natürlichen Beute von Falken gehören je nach Größe und besonderer Anpassung der Art kleine Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und größere Insekten.
„Das Brutgebiet der Falken ist gefährdet. Es sind einfache Brüter, die kein Nest bauen, sondern auf blankem Material brüten“, erzählt Krauss. „Bei den meisten Häusern ist aber heutzutage alles zugemauert, so dass es keinen Freiraum mehr gibt, in dem die Falken brüten können.“ Früher hätten die Vögel beispielsweise auch Trafostationen genutzt, die es aber heute auch nicht mehr gebe.
Hans-Jürgen Krauss hat beobachtet, dass bei seiner Falkenfamilie ein innerer Friede geherrscht habe. Alle Kinder seien gleich gefüttert und keines verstoßen worden. Krauss hat das Schauspiel auf seinem Hof auch mit der Kamera festgehalten – damit er sich immer wieder daran erfreuen kann und die Zeit bis zur nächsten Brut nicht zu lang wird.
Von Josephine Mühln