Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Warum ein Haus zwei Dachstühle braucht
Lokales Potsdam-Mittelmark Warum ein Haus zwei Dachstühle braucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 05.10.2018
Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner schlägt den letzten hölzernen Nagel in das vorgebohrte Gebälk des Dachstuhls.
Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner schlägt den letzten hölzernen Nagel in das vorgebohrte Gebälk des Dachstuhls. Quelle: JACQUELINE STEINER
Anzeige
Reckahn

Die bunten Bänder der Richtkrone wehen hoch über dem alten Reckahner Herrenhaus. Bei herrlichem Sonnenschein greift Kloster Lehnins Bürgermeister zum Hammer. Mit sechs kräftigen Schlägen treibt Uwe Brückner den letzten hölzernen Nagel in ein vorgebohrtes Loch des Dachstuhls. “Möge dieses Haus unter alten Balken die Menschen verbinden“, wünscht Zimmerer Bernd Piotrowski in seinem Richtspruch der künftigen Begegnungsstätte, die in Nachbarschaft des Rochow-Schlosses entsteht. Mit einem Kräuterschnaps prostet der Handwerker den zahlreichen Gästen zu, bevor er das Glas auf der Baustelle zerschellen lässt.

Mehrzwecksaal folgt noch

Mit einem feierlichen Richtfest wurde am Freitag die Fertigstellung des Rohbaus für ein Gemeinde-, Kultur- und Kongresszentrum begangen. Zwar fehlen noch die Sparren, doch der neue Dachstuhl ist gelegt. Und zwar über der Original-Konstruktion aus dem Jahre 1723. Das historische Gebälk wurde überarbeitet, ist aber nicht mehr tragfähig genug, um dem ursprünglichen Zweck zu dienen. So bleibt es für die künftigen Gäste im Dachgeschoss des um 1605 errichteten Hauses sichtbar. Zur Südseite hin mit Blick auf den Schlosshof folgt noch der Anbau für einen Mehrzwecksaal, der im Haupthaus entgegen der ursprünglichen Planung keinen Platz mehr fand. Zusatzkosten: rund 360 000 Euro. Für das Geld stehen Fördermittel aus dem EU-Topf zur ländlichen Entwicklung in Aussicht. Auf die Unterkellerung des Haupthauses musste wegen archäologischer Funde verzichtet werden.

Blick vom Renaissancebau auf den Schlosshof. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bürgermeister Brückner schwärmte in seiner Begrüßung von der „Vorfreude auf etwas ganz Besonderes“. Immerhin wird der sogenannte Renaissancebau zum zentralen Treffpunkt für die Reckahner ausgebaut. Mit einem Dorfcafé und einem Jugendraum. Der große Seminarraum mit 100 Plätzen kann vielfältig genutzt werden. Die 22 Doppelzimmer dürften vor allem in den Reckahner Museen für mehr Besucher sorgen. „Die Betten werden gebraucht, wenn wir Teilnehmer mehrtägiger pädagogischer Projekte und Weiterbildungen an diesen Standort locken wollen“, sagte Landtagsabgeordneter Günter Baaske (SPD), der den Umbau als Schirmherr begleitet.

Haus gehört der Stiftung

Der Vorgängerbau des bekannten Reckahner Rochow-Schlosses stand im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft Ziesar. Die Stiftung „Der Kinderfreund“ kaufte das Gebäude und die Gemeinde Kloster Lehnin fungiert als Bauherr mit anschließendem Mitnutzungsrecht. Außerdem läuft im Rathaus unter Leitung von Angela Böttge das gesamte Baumanagement zusammen. Stiftungsvorsitzender Hanno Schmitt, auf dessen maßgebliche Initiative die Sanierung des altersschwachen Renaissancebaus zustande kommt, erinnerte in seiner Rede an die vielen Unterstützer des Projektes, zu denen unter anderem der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zählt.

Der Bildungshistoriker und Erziehungswissenschaftler Hanno Schmidt steht der Stiftung „Der Kinderfreund vor“ und hat die Sanierung des Reckahner Renaissancebaus maßgeblich vorangetrieben. Quelle: JACQUELINE STEINER

Nach derzeitigen Plänen soll das Jugend-, Kultur-, Gemeinde- und Konferenzzentrum, so der offizielle Name, Mitte 2019 seiner Bestimmung übergeben werden. Das Haus rundet das historische Gesamtensemble mit Schulmuseum, Kirche, Gutspark und dem im Schloss eingerichteten Rochow-Museum als Wiege der Volksschulbewegung in Preußen und Europa ab.

Von Frank Bürstenbinder