Havelländische Musikfestspiele: "Unser Sorgen werden täglich größer"
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Potsdam-Mittelmark Musikfestspiele ohne Perspektive: „Unsere Sorgen werden täglich größer“
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Havelländische Musikfestspiele: "Unser Sorgen werden täglich größer"

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17:59 19.04.2021
Schloss Ribbeck vor Corona: Beim Songcontest „Sing den Theo“ der Havelländischen Musikfestspiele durfte sich 2019 schon einmal der Brandenburger Musikernachwuchs der Öffentlichkeit präsentieren. Jetzt soll es am 30. Mai als Open Air wieder soweit sein.
Schloss Ribbeck vor Corona: Beim Songcontest „Sing den Theo“ der Havelländischen Musikfestspiele durfte sich 2019 schon einmal der Brandenburger Musikernachwuchs der Öffentlichkeit präsentieren. Jetzt soll es am 30. Mai als Open Air wieder soweit sein. Quelle: Foto: © Tanja M. Marotzke
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Ribbeck

Swing und Dixieland am 1. Mai in Bollmannsruh – abgesagt. Beethoven im Schloss Reckahn am 9. Mai – höchst fraglich. Der bis zum 3. Mai verlängerte Lockdown wirbelt erneut den Spielplan der in Ribbeck ansässigen Havelländischen Musikfestspiele durcheinander. Nach dem bereits die Eröffnungskonzerte im März und alle Veranstaltungen im April ausfielen, steht die beliebte Konzertreihe auch 2021 vor einer ungewissen Zukunft. „Weil es für die Kulturbranche in der Pandemie keine Öffnungsperspektive gibt, werden unsere Sorgen täglich größer“, sagte Geschäftsführerin Madleen Fox der MAZ.

Mia Knop Jacobsen (Gesang) und Hauke Renken (Vibraphon) gestalten hoffentlich das Frühlingskonzert im Schlossgarten Rogäsen am 6. Juni. Quelle: Veranstalter

Einen gedruckten Spielplan für das laufende Jahr haben die Macher der Havelländischen Musikfestspiele erst gar nicht herausgegeben. Er wäre sofort überholt gewesen. „Wir arbeiten nach dem Prinzip Hoffnung, stellen jeden Monat Termine um, nehmen gekaufte Eintrittskarten zurück und versuchen Ausweichtermine zu organisieren.“ Problem: Nicht immer sind noch alle Künstler zu bekommen. Um in der Krise überhaupt Geld zu verdienen, hätten sich viele Solo-Selbstständige aus der Branche andere Jobs gesucht. „Ich kenne einen Opernsänger, der schraubt jetzt im Akkord Autospiegel an“, berichtet Frank Wasser, Pianist aus Päwesin und Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH.

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Alles dicht

Nach der neuen und zunächst bis zum 3. Mai geltenden Eindämmungsverordnung müssen alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen weiter geschlossen bleiben. Damit sind weiterhin Veranstaltungsorte tabu. „Leider gibt es nicht einmal Aussichten auf öffentliche Veranstaltungen mit begrenzter Besucherzahl“, bedauert Geschäftsführerin Fox. Coronakonform könnten zum Beispiel im Ribbecker Schlosspark etwa 400 Sitzplätze aufgebaut werden. Doch ob es dafür sobald eine Genehmigung geben wird, ist unklar. Dabei wollen die Veranstalter an einem Termin unbedingt festhalten. Das ist der 30. Mai.

Die Mezzosopranistin Juliane Bookhagen wird am 21. August beim Operettenzauber auf dem Märkischen Hof Päwesin erwartet. Quelle: Veranstalter

Schon lange geplant ist an diesem Tag eine große Nachwuchsveranstaltung. Dabei bekommen junge Musiker bis 21 Jahre die Chance, sich und ihre Musik einem überregionalen Publikum unter dem Motto „Junges Havelland“ vorzustellen. Junge Bands und Solo-Musiker aus der Region können sich noch bei den Veranstaltern anmelden. „Erlaubt ist, was gefällt. Von eigenen Songs bis originellen Cover-Versionen kann alles vorgestellt werden“, erklärt Sukrije Idrizi vom Organisationsteam. Möglich machen soll einen sicheren Auftritt ein erweitertes Hygienekonzept, bei dem es nicht nur um Abstand und Maskenpflicht geht. Geprüft wird derzeit, ob den Besuchern Schnelltests vor Ort angeboten werden können. Wobei die Finanzierung derzeit unklar ist. Musiker können sich im Vorfeld mit einem Song bei den Musikfestspielen per Mail, Link oder Video unter info@havelländische-musikfestspiele.de

Musikfestspiele-Geschäftsführerin Madleen Fox. Quelle: Frank Bürstenbinder

bewerben.

Rund 35 Konzerte sollten laut Plan in diesem Jahr auf dem Programm der Musikfestspiele stehen. Jetzt könnten es vielleicht noch 24 werden. Darunter ein Frühlingskonzert im Schlossgarten Rogäsen am 6. Juni und Operettenzauber am 21. August auf dem Märkischen Hof Päwesin. „Wir hoffen sehr auf eine Lockerung ab Juni, damit die Kulturszene langsam wieder lebendig wird“, so Geschäftsführerin Fox. Zum Glück halten die beiden Landkreise Havelland und Potsdam-Mittelmark ihre jährliche Förderung der Konzertreihe aufrecht. Denn wenn überhaupt, dürften Veranstaltungen nur mit deutlich geringerer Teilnehmerzahl genehmigt werden – so, wie bereits im letzten Sommer.

Robin Hood in Ribbeck

Von der kulturellen und gastronomischen Zwangspause ist auch das Schloss Ribbeck selbst betroffen. Geschäftsführer Frank Wasser, der lange Jahre die Havelländischen Musikfestspiele leitete, befürchtet, das Corona das gesellschaftliche Leben noch lange beeinträchtigen wird. Zusammen mit seinen Partnern sei er jedoch fest entschlossen Veranstaltungen zu realisieren. Zum Beispiel mit den Schlossfestspielen, die für den 9. Juli die Premiere von „Robin Hood“ planen.

Von Frank Bürstenbinder

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