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Potsdam-Mittelmark Heftiges Tauziehen um Pardemann-Villa
Lokales Potsdam-Mittelmark Heftiges Tauziehen um Pardemann-Villa
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07:35 01.09.2017
Die Pardemann-Villa war bereits Schauplatz des „Art Event“ und könnte ein dauerhaftes Kunst-Domizil werden.
Die Pardemann-Villa war bereits Schauplatz des „Art Event“ und könnte ein dauerhaftes Kunst-Domizil werden. Quelle: Jürgen Stich
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Stahnsdorf

Das Tauziehen um die Pardemannvilla in der Ruhlsdorfer Straße 1 in Stahnsdorf nimmt Fahrt auf: Zwei neue Bieter für das Gebäude, das eigentlich an den Landkreis verkauft werden sollte, haben ihr Interesse angemeldet – und sie haben, ganz anders als der Landkreis, nicht nur kein Problem mit dem Erhalt der Fassade, sondern sie sind auch bereit, mehr als die von der Gemeinde verlangten 132 000 Euro für das Haus zu zahlen.

Kein Bieterverfahren

Bei einem der Interessenten handelt es sich dem Vernehmen nach um einen Privatinvestor, der andere ist die Malerin Frauke Schmidt-Theilig, die „im Namen der Kunst“ ein Angebot eingereicht hat, das 1000 Euro über dem festgelegten Kaufpreis liegt, wie sie der MAZ bestätigte. Sie bezeichnete es als „eine Frechheit“, dass es bei diesem Gebäude kein Bieterverfahren gebe, wie es sonst üblich sei.

Die Chancen der beiden Neueinsteiger scheinen indes – zumindest wenn es nach Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB) geht – nicht groß zu sein: Die Option einer dauerhaften öffentlichen Nutzung durch die Kreisvolkshochschule – und damit der Verkauf an den Landkreis – genieße unverändert höchste Priorität, heißt es aus der Gemeinde. Schmidt-Theilig wurde von Albers aufgeklärt, „er würde die Villa sicher nicht an Private verkaufen“ und aufgefordert, „von weiteren Nachfragen abzusehen.“

Doch um den Verkauf der Villa wird schon seit bald einem Jahr gerangelt. Bereits im vorigen Winter war von der Gemeinde ein Verkauf des 1910 erbauten Gebäudes angedacht worden, nachdem Ende September 2016 die letzten Mieter ausgezogen waren. Doch vor allem die Künstlergruppe Art Event um Frauke Schmidt-Theilig hatte sich intensiv dafür eingesetzt, dass die Villa für „soziokulturelle Zwecke“ der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden solle.

Vorgehensweise empört Politiker

Im vergangenen Mai wurde das Haus von der Gruppe dann auch tatsächlich mit einer Ausstellung bespielt, was von vielen als Anfang einer kulturellen Nutzung gesehen wurde. Doch es sollte sich vielmehr als Abschiedsvorstellung herausstellen: In der letzten Sitzung vor der Sommerpause legte Albers der Gemeindevertretung einen Beschlussantrag vor, wonach das Haus für 132 000 Euro verkauft werden sollte, da ein Kaufinteressent bereit stünde.

Der Käufer – der Landkreis Potsdam-Mittelmark – wurde jedoch nicht im Beschluss genannt, was nun auch die Neuinteressen möglich macht. Durch die politischen Gremien sei der Antrag zuvor aber nicht gegangen, lediglich der Finanzausschuss sei damit befasst worden, kritisiert die CDU. Die Entscheidung sei dringlich, wäre das Argument gewesen, so Ines Schröder-Blohm (CDU), doch das könne sie nicht nachvollziehen. Sie ist über die Vorgehensweise empört: „Wir haben auch eine historische Verantwortung, das Grundstück liegt am Eingangstor zu Stahnsdorf. Da müssen unbedingt alle Fachausschüsse einbezogen werden – wie sollen denn die Gemeindevertreter sonst eine Entscheidung treffen?“

Der Landkreis wolle dieses und ein angrenzendes Grundstück erwerben, die alte Villa komplett abreißen und im Anschluss einen großen Funktionsbau für die Kreisvolkshochschule und die Kreismusikschule errichten. Diese Pläne wurden von Landrat Wolfgang Blasig (SPD) gegenüber der MAZ bestätigt. „Was wir errichten wollen, ist nur in einem größeren zusammenhängenden Gebäude realisierbar“, erklärt er. Die CDU hat nun im Sommer bei der Kommunalaufsicht eine Überprüfung der Vorgehensweise beantragt. Sie ist der Meinung, dass die Notwendigkeit zur Eile nicht gegeben war und der vorgeschriebene Ablauf vor allem bei einem Projekt dieser Bedeutung eingehalten hätte werden müssen.

Ein Fall für die Kommunalaufsicht

Die Fabrikantenvilla der Familie Pardemann in der Ruhlsdorfer Straße 1 in Stahnsdorf war von einer Künstlergruppe aus einer Art Dornröschenschlaf geholt worden. Eine Ausstellung fand vor einigen Wochen große Resonanz bei den Stahnsdorfern.

Die Gruppe schlug vor, das Haus aus den 1920er Jahren auch in Zukunft für kulturelle Zwecke zu nutzen. Interesse meldete damals auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark an. Er schlug vor, die Villa als Standort der Kreisvolkshochschule auszubauen.

Schließlich fasste die Gemeindevertretung Stahnsdorf den Beschluss, das Gebäude für 132 000 Euro an den Landkreis zu verkaufen.

Als der Landkreis jedoch bekanntgab, die Villa abreißen zu wollen und einen Neubau auf der Fläche zu errichten, regte sich Widerspruch. Auch der Kaufpreis gab Anlass zur Kritik. Eine Beschwerde gegen den Beschluss sei am 7. August in der Behörde eingegangen, teilt die Kommunalaufsicht mit.

Derzeit erfolge nun die „Wertung des Sachverhalts“, so die Kommunalaufsicht. Wie lange die Prüfung dauert, könne noch nicht gesagt werden.

In der kommenden Woche soll es nun zu einem klärenden Gespräch mit dem Landkreis kommen.

In der Gemeindevertretung wurde der Antrag trotz des Protests der CDU behandelt und mit zehn Ja- und acht Nein-Stimmen beschlossen – allerdings mit der Ergänzung, wonach zumindest die zum Stahnsdorfer Hof zeigende Giebelseite der Fassade erhalten werden soll. Völlig unrealistisch, kontert Blasig. „Wir wollen komplett neu bauen. Die Fassade steht an der falschen Stelle und so viel Geld hat der Landkreis nicht, dass er in eine Fassade ein Gebäude hineinbauen könnte.“

Widersprüchliche Angaben

In einem Brief bestätigte er Albers das anhaltende Kaufinteresse des Landkreises, erklärte aber auch, dass dieser davon zurücktreten müsse, „sollte die Bedingung mit dem Erhalt der Fassade unumgehbar sein.“ Die Antwort würde noch ausstehen, erklärte er gegenüber der MAZ. Und darauf wird er wohl auch noch eine Weile warten müssen, wie es aussieht: „Der Bürgermeister wird nach Ende der Sommerpause gemeinsam mit allen Fraktionen der Gemeindevertretung das weitere Vorgehen beraten. Dem möchten wir nicht vorgreifen“, so Gemeindesprecher Stephan Reitzig.

Ein Gegenstand der Beratungen, die auch in den Fachausschüssen stattfinden würden, sei dabei auch die Frage, ob Bürgermeister Albers den Antrag erneut ohne den strittigen Passus zum Erhalt der Fassade einbringen solle, um so den Verkauf an den Landkreis möglich zu machen. Gleichzeitig ist aber aus der Presseabteilung des Landkreises zu erfahren, dass es bereits in der kommenden Woche ein Gespräch zu dem Grundstück geben soll.

Von Konstanze Kobel-Höller