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Potsdam-Mittelmark Horrorfilm-Start: Angst vor Fan-Invasion
Lokales Potsdam-Mittelmark Horrorfilm-Start: Angst vor Fan-Invasion
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13:15 27.02.2018
Der Screenshot aus dem offiziellen Trailer deutet es schon an, der Film wird ziemlich düster.   Quelle: Screenshot/Youtube
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Beelitz-Heilstätten

 Schon vor seinem deutschlandweiten Kinostart am 22. Februar sorgt der HorrorfilmHeilstätten“ in der Stadt Beelitz und auf dem Gelände der früheren Lungenheilstätten für große Unruhe. Ohne den Beelitzer Ortsteil namentlich zu erwähnen, spielt der Film laut Inhaltsangabe an „einem düsteren Ort in der Nähe von Berlin“ mit einer Geschichte „voller Grauen und Brutalität“ und „paranormalen Aktivitäten“. Bei einem Turnier um den Thron wollen die erfolgreichsten Youtuber Deutschlands – mit Nachtsicht- und Wärmebildkameras ausgerüstet – den Gruselgerüchten nachgehen. Zu spät merken sie, worauf sie sich da eingelassen haben... .

Obwohl der Film in den Ruinen der Lungenheilstätte Grabowsee bei Oranienburg gedreht wurde, befürchten die Projektentwickler in den vier Quadranten des früheren Klinikgeländes in Beelitz-Heilstätten, dass der Grusel- und Partytourismus vergangener Jahre in den noch brach liegenden Bereichen wieder aufleben könnte. Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte als letzte Nutzer der Anlagen Mitte der 1990-Jahre verfielen die historischen Gebäude dem Vandalismus, der sogar bis zum professionellen Diebstahl historisch wertvoller Kupferdächer führte.

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Die ehemalige Lungenheilanstalt Beelitz-Heilstätten versprüht bis heute einen morbiden Charme, der sowohl Horrorfans als auch Historiker auf das verfallene Gelände lockt. Ein Spaziergang durch die Ruinen.

Trotz abgesperrtem Gebiet sind die ungenutzten Flächen in Beelitz-Heilstätten noch immer ein Wallfahrtsort für Okkultisten und Abenteurer. In ihren Ängsten bestärkt werden die Investoren durch den Untertitel des Films „Traust Du Dich?“. Im sozialen Netzwerk Facebook würde es bereits die ersten Verabredungen geben, den Besuch des Films mit einem anschließenden nächtlichen Ausflug zum vermeintlichen Drehort zu verbinden, teilt die Stadtverwaltung Beelitz dieser Zeitung mit.

Die rund 30 Gebäude auf dem Gelände der einstigen Lungenheilstätte am Grabowsee machen Geschichte erlebbar. Sie versprühen einen ganz besonderen, morbiden Charme. Der Berliner Verein Kids Globe e.V. möchte die Anlage zukünftig zukünftig für Kinder und Jugendliche nutzbar machen.

Nach Bekanntwerden des Filminhalts hatten die Projektentwickler in Beelitz-Heilstätten der Produktionsfirma des Filmemachers Till Schmerbeck allerdings den Dreh auf ihrem Gelände untersagt. Wenngleich es früher auch Einrichtungen in Bad Belzig, Treuenbrietzen, Rathenow und anderen brandenburgischen Orten gegeben habe, so werde der Begriff „Heilstätten“ doch meist mit dem größten und bekanntesten Standort im Land Brandenburg in Beelitz verbunden. Da dieser Begriff urheberrechtlich nicht geschützt sei, könne sich der Ort auch kaum gegen den Filmtitel wehren, sagt ein Sprecher der HPG Projektentwicklungs GmbH, die den Baumkronenkronenpfad „Baum & Zeit“ betreibt.

Die rund 30 Gebäude auf dem Gelände der einstigen Lungenheilstätte am Grabowsee machen Geschichte erlebbar. Sie versprühen einen ganz besonderen, morbiden Charme. Der Berliner Verein Kids Globe e.V. möchte die Anlage zukünftig für Kinder und Jugendliche nutzbar machen.

Die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH hat den „ersten deutschen Social-Media-Horrorfilm ’Heilstätten’“ mit 150.000 Euro für die Produktion gefördert. Die Gesellschaft beeindruckte nach eigenen Angaben das „interessante Drehbuch“ und die „vielen jungen Schauspieler“ sowie die vielen Youtuber. Entscheidend sei darüber hinaus gewesen, dass der Film in Brandenburg gedreht wurde und ein „spannend erzähltes Genre“ sei.

Neben Lisa-Marie Koroll sind auch Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq, Emilio Sakraya, Timmi Trinks und die Youtuber Leon Machere, Davis Schulz und Freshtorge in dem Film zu sehen.

„Wir sagen ja nicht, wo genau die Handlung spielt. Im Film wird Beelitz lediglich mal erwähnt“, rechtfertigt Filmproduzent Till Schmerbeck den Titel „Heilstätten“. Eine mögliche Aufregung in Beelitz hänge von der Berichterstattung in der Presse ab, sagt er. Sein Anliegen sei es, das Genre Horror, das bislang fast ausschließlich von amerikanischen Filmproduzenten bedient werde, auch in Deutschland zu etablieren.

Lisa-Marie Koroll spielt eine Rolle in dem Horrorfilm „Heilstätten“ Quelle: imago/Future Image

Die Projektentwickler sehen jedoch das hoffnungsvolle Image eines neu entstehenden Ortszentrums in Heilstätten durch den erneuten Ballast des Morbiden im Film vorsätzlich beschädigt. Verschärfend käme hinzu, dass in dem Film auch auf den sogenannten „Rosa Riesen“ verwiesen werde. Unter diesem Namen sei ein realer Serienmörder bekannt, der in der Nachwendezeit in Beelitz sein Unwesen getrieben hatte – nur nie in den Heilstätten.

Die Stadtverwaltung Beelitz weist ausdrücklich darauf hin, dass eigenmächtige Besuche der ehemaligen Lungenheilanstalt zu jeder Tag- und Nachtzeit eine Straftat sind und auch als solche geahndet werden. Niemand solle sich durch den Film animiert fühlen, selbst in den Ruinen herumzuklettern. „Wen der Ort wirklich interessiert, kann sich bei den genehmigten Führungen oder geführten Fototouren anmelden, ohne seine Gesundheit und sein Leben zu gefährden“, erklärt Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis).

Darsteller- und Produzenten-Riege des Horrorfilms: Producer Miguel Angelo Pate, Regisseur Michael David Pate, die Schauspieler Timmi Trinks, Sonja Gerhardt, Nilam Farooq, Lisa-Marie Koroll, Tim Oliver Schultz, Emilio Sakraya, Anna Jetel (Fox International Productions), Germar Tetzlaff (Twentieth Century Fox), Produzent Till Schmerbeck (v.l.n.r.). Quelle: Andrea Hansen FotografieAndrea Hansen Fotografie

Von Heinz Helwig