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Potsdam-Mittelmark Im Herbst kommen die Elefanten-Ohren
Lokales Potsdam-Mittelmark Im Herbst kommen die Elefanten-Ohren
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20:36 18.04.2018
Drei Becher voll Bucheckern: Calvin, Lara und Sean (v.l.) aus der Comenius-Schule beim Säen von Rotbuchen in einem Wald bei Wilhelmshorst.
Drei Becher voll Bucheckern: Calvin, Lara und Sean (v.l.) aus der Comenius-Schule beim Säen von Rotbuchen in einem Wald bei Wilhelmshorst. Quelle: Jens Steglich
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Wilhelmshorst

So ein Wald braucht seine Zeit, um erwachsen zu werden. Die Kinder der Potsdamer Comenius-Förderschule müssen sich also ein bisschen gedulden, bis ihre Saat aufgeht und sie eines Tages vor stattlichen Rotbuchen stehen, um sagen zu können: „Dieser Wald ist auch mein Werk!“ Die Kinder, die am 18. April 2018 Bucheckern in den Boden steckten, werden dann erwachsene Leute sein.

„Wir säen Zukunft!“ heißt der Aktionstag, zu dem der Landesforstbetrieb in 21 Oberförstereien aufgerufen hatte. Schul- und Kita-Kinder säten insgesamt 2,5 Millionen Bucheckern in Brandenburgs Wäldern. Anlass ist der Internationale Tag des Waldes, der eigentlich am 21. März begangen wird. An dem Tag aber war der Boden – man mag es kaum mehr glauben – noch tiefgefroren.

So wurde die Aktion auf den 18. April verschoben, an dem bei 24 Grad die Comenius-Schüler die Saat in einem Wald bei Wilhelmshorst einbrachten. „Daraus werden bestimmt mal 600 Rotbuchen, die am Ende durchkommen“, schätzt Ralph Switala von der Forstbetriebsgemeinschaft „Fresdorfer Heide“, die bei der Aktion Kooperationspartner der Oberförsterei Potsdam ist. Auf der Fläche am Ende des Rosenweges, die vorher ein Kiefernforst war, sollen bald auch Rotbuchen und Eichen wachsen. „Hier soll ein Mischwald entstehen“, so Holger Hendtke, Leiter der Oberförsterei Potsdam. „Mischbestände sind vitaler.“ In 50 bis 60 Jahren wird man an der Stelle einen richtigen, stattlichen Mischwald haben, sagt er und fügt hinzu: „Das ist das Schöne an dem Beruf, dass man etwas den Folgegenerationen hinterlässt.“ Vom Waldumbau in Wilhelmshorst habe erst die nächste Generation etwas, so Hendtke, der daran erinnert, dass das Modewort Nachhaltigkeit ein Begriff aus der Forstwirtschaft ist.

Für die Kinder der Comenius-Schule, die für ihre Rotbuchen auch eine Patenschaft übernommen haben, hat der Oberförster gute Nachrichten: Sie brauchen die Bäumchen nicht gießen und auf die ersten Lebenszeichen ihrer Schützlinge müssen sie auch nicht ewig warten. „Im Sommer sprießen die Keime und im Herbst kommen die Elefantenohren heraus.“ So nennt man den ersten Trieb, der zwei große Blätter hat. Die Baum-Babys mit dem lustigen Spitznamen wachsen in einem umzäunten Bereich auf, um sie vor Wild zu schützen. Erst sorgt der Zaun dafür, dass die Bucheckern von Wildschweinen nicht wieder ausgebuddelt werden und danach hält er die Rehe davon ab, den Mini-Buchen die Elefantenohren abzufressen.

Damit ist gesichert, dass die Kinder der Comenius-Schule beim nächsten Besuch von ihren Baumpaten etwas zu sehen bekommen. „Im nächsten Jahr wollen wir schauen“, wie die Bäume gewachsen sind“, sagt Lehrerin Andrea Seelig. Die Schüler werden mit der Natur groß: Die Einrichtung hat einen Kooperationsvertrag mit der Waldschule des Landesforstbetriebes im Wildpark-West. „Jeden zweiten Donnerstag sind zwei Klassen dort“, erzählt die Lehrerin.

Über den Wald bei Wilhelmshorst konnten Martin Rahn und Ralph Switala von der Forstbetriebsgemeinschaft „Fresdorfer Heide“ einiges erzählen. Der Wald dort gehört zum Bestand der Gemeinschaft und liegt an einer Eiszeitrinne, die sich von Michendorf bis Bergholz-Rehbrücke erstreckt und zu der auch Iris- und Herthasee gehören. Geplant ist, im Bereich der Eiszeitrinne den Moorcharakter wiederherzustellen. Dafür wurden auch Birken entfernt, die viel Wasser ziehen. Im Wald tragen einzelne große Kiefern eine Plakette, die anzeigen soll: Diese Bäume sind tabu, sie dürfen nicht gefällt werden. Sie bleiben bis an ihr natürliches Ende stehen und bieten bis dahin und darüber hinaus allerlei Waldbewohnern Lebensraum.

Oberförsterei Potsdam

Das Gebiet der Oberförsterei Potsdam erstreckt sich von Teltow bis Glindow und von Groß Glienicke im Norden bis nach Reesdorf und Borkheide im Süden.

Es sind etwa 28 000 Hektar Wald im Bereich der Oberförsterei.

54 Prozent davon sind Privatwald, 21 Prozent Landeswald, so Oberförster Holger Hendtke. Kleinere Wälder besitzen dort auch der Bund und einige Kommunen.

3060 Hektar hat die Forstbetriebsgemeinschaft „Fresdorfer Heide“ im Bestand, so Vorsitzender Martin Rahn.

Etwa 450 Mitglieder gehören der Betriebsgemeinschaft an, alles private Waldbesitzer.

Von Jens Steglich