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Potsdam-Mittelmark In den Fängen der Stasi
Lokales Potsdam-Mittelmark In den Fängen der Stasi
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18:30 22.04.2013
Artur Weiß mit seinem Mauerstück.
Artur Weiß mit seinem Mauerstück. Quelle: Bärbel Kraemer
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BAD BELZIG

Dem Schmiedemeister warf das DDR-Regime Verbrechen zum Nachteil sozialistischen Eigentums, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Boykotthetze vor. Auch seine Kinder und die Ehefrau waren während jener Zeit den Bespitzelungen durch die Stasi ausgesetzt. „Die Tulpen vor unserem Haus waren oft runtergetreten“, berichtete Tochter Monika Seltmann.

Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Belzig/Wiesenburg berichtete Artur Weiß jetzt interessierten Bürgern aus seinem bewegten Leben. Rund 15 Zuhörer waren zu der Veranstaltung in der Reihe „Stadtgespräch“ in das Hotel „Burg Eisenhardt“ gekommen.

Artur Weiß ist heute rehabilitiert. Dass er unschuldig verurteilt wurde, hat er nun schriftlich. Ruhe hat er dennoch nicht gefunden, denn einigen Spitzeln von damals begegnet er noch heute. „Sie sehen weg oder wechseln die Straßenseite“, sagte der 82-Jährige.

Während er aus seinem Buch „Von Bessarabien nach Belzig“ und damit aus seinem Leben erzählte, ging ein Papier von Hand zu Hand. Auf ihm standen nicht nur die Decknamen der Menschen, die auf ihn angesetzt wurden, sondern auch deren richtige Namen. Bis auf den IM Cesar sind bereits alle entschlüsselt.

Bespitzelungen, Schläge und Denunziationen haben ihre Spuren bei Artur Weiß bis heute hinterlassen. Seine Stimme zitterte bei der Lesung immer wieder. „Eigentlich wollte ich das alles vergessen“, sagte der Bad Belziger. Doch der 2009 geschlossene Koalitionsvertrag zwischen der SPD und den Linken im brandenburgischen Landtag habe ihm den Anstoß gegeben, die Erlebnisse aus seinem Leben niederzuschreiben (die MAZ berichtete). „Die damaligen Peiniger und Täter wurden mit der Koalition salonfähig gemacht“, kritisierte Weiß. Mit dem Buch sei es ihm gelungen, „wenigstens ein Stück meiner Seele frei zu schreiben“.

Im Jahr 1972, seine Schmiede in der Berliner Straße war zu einem gut gehenden Familienbetrieb ausgebaut, erhielt Weiß unangemeldeten Besuch von, wie er sagte, „Belziger SED-Größen“. Sie teilten ihm mit, dass er die Firma in eine Produktionsgenossenschaft des sozialistischen Handwerks einbringen sollte. Weiß lehnte ab.

Das Unternehmen wurde einer Tiefenprüfung unterzogen, die Geschäftsbücher beschlagnahmt. Obwohl die Unterlagen vom Belziger Finanzamt für gut befunden waren, wurde man in Potsdam fündig. Ein Steuernachzahlungsbescheid verschlang die gesamten Ersparnisse. Der Unternehmer wurde „zur Klärung eines Sachverhalts“ in die Stasi-Bezirkszentrale nach Potsdam bestellt und kehrte nicht zurück. „Ich hatte nichts Unrechtes getan“, sagte er mit bewegter Stimme. Dann erzählte er von der Untersuchungshaft, von nächtlichen Verhören und Schlägen sowie der Verurteilung zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis.

Am Ende wurde Weiß wegen guter Führung nach zwei Jahren entlassen. Doch zu Hause war nichts mehr so wie früher. Nur auf die Spitzel war immer noch Verlass.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, „glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen“, sagte Weiß. Am Tag darauf fuhr er nach Berlin. In der Tasche hatte er einen Hammer und einen Meißel. An der Bernauer Straße klopfte er sich ein Stück aus dem Bollwerk heraus. „Ich fühlte mich das erste Mal frei, ohne Druck und Bevormundung“, erklärte er. Heute liegt das Betonstück hinter Stacheldraht – es hat Symbolcharakter für Artur Weiß. (Von Bärbel Kraemer)

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