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Potsdam-Mittelmark Erster West-Besuch mit dänischer Begleitung
Lokales Potsdam-Mittelmark Erster West-Besuch mit dänischer Begleitung
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10:59 09.11.2019
Rainer Knuth hat die Zeitungen von damals aufgehoben, die ihn und seine Familie zeigen. Quelle: Jacqueline Steiner
Brück

Auf dem Wohnzimmertisch seines Einfamilienhauses in Brück hat Rainer Knuth zahlreiche Zeitungen und Fotos ausgebreitet. Darunter zwei Sonderausgaben zum 25. Jubiläum des Mauerfalls – und zwei dänische Zeitungen. Eine davon ist die Berlingske Tidende vom 12. November 1989. Die erste Zeitung, die sich der heute 67-Jährige nach dem Fall der Mauer 1989 in Westberlin gekauft hatte.

Auf dem Titel der ältesten heute noch erscheinenden Tageszeitung Dänemarks prangt das Foto eines kleinen blonden Mädchens, das gerade von einem schnauzbärtigen Mann hochgehoben wird, um eine Münze in die Sammelbüchse eines Leierkastens zu werfen. Der Mann und das Mädchen sind Rainer Knuth und seine damals dreieinhalbjährige Tochter Viola. Aufgenommen wurde es bei ihrem ersten Besuch in Westberlin zwei Tage nach dem Fall der Mauer.

Ohne Begrüßungsgeld durch Westberlin

Der damals in Berlin-Marzahn lebende Rainer Knuth hatte sich am 11. November, dem ersten Samstag nach dem Mauerfall, auf den Weg gemacht, um wie so viele Ostberliner den bis dahin unerreichbaren Westteil der Stadt zu erkunden. Eineinhalb Stunden musste der gelernte Ingenieur dafür gemeinsam mit seiner im dritten Monat schwangeren Frau Gabi, Tochter Viola und seiner aus Dessau angereisten Mutter in der langen Warteschlange am legendären Checkpoint Charlie ausharren. Als die Familie endlich den Grenzübergang passiert hatte, stieß sie wenige Straßen weiter auf den dänischen Zeitungskorrespondenten Michael Kuttner.

„Herr Kuttner fragte, ob er unsere ersten Stunden im Westen für seine Zeitung, die Berlingske Tidende begleiten dürfe“, erzählt Rainer Knuth. „Wir sind dann gemeinsam mit einem Doppeldeckerbus zum Ku’damm gefahren und haben vor der Gedächtniskirche Fotos gemacht. Viola fand vor allem den Doppeldeckerbus aufregend, den es so in Ostberlin ja nicht gab.“ Rainer Knuth sind von seinen ersten Stunden in Westberlin hingegen besonders die Menschenmassen, die mit Waren übervollen Schaufenster und die im Portemonnaie fehlende D-Mark in Erinnerung geblieben. „Die Münze, die Viola auf dem Titelfoto in die Sammelbüchse des Leierkastens wirft, hat uns Michael Kuttner in die Hand gedrückt“, berichtet Rainer Knuth lachend. „Wir hatten ja gar keine Zeit, unser Begrüßungsgeld abzuholen. Vor den Banken hatten sich Schlangen gebildet und mit unserer Ostmark konnten wir nichts anfangen.“

Ein „wenig Sorgen“ über mögliche Konsequenzen

Michael Kuttner, der dänische Journalist, der die Knuths vor allem zu ihren mit dem Mauerfall verbundenen Hoffnungen und Ängsten befragte, lud die Familie dann auch in ein schickes Westberliner Restaurant ein. „Meiner Mutter, die für den Tag das erste Mal ganz allein die Strecke von Dessau nach Berlin in ihrem Trabant gefahren war, war das sehr unangenehm. Sie wollte sich nicht einladen lassen“, erzählt Rainer Knuth.

Der Familienvater, der 1989 in einer leitenden Position tätig war und am Tag nach dem Mauerfall ganz normal zur Arbeit gegangen war, hatte hingegen aus etwas anderen Gründen ein mulmiges Gefühl. „Ich habe mir schon ein wenig Sorgen gemacht, was passieren würde, wenn jemand von meinen Arbeitskollegen den Bericht in der dänischen Zeitung sieht. Man war ja gewohnt, dass da genau hingehört wurde. Und ich habe Michael Kuttner zum Beispiel auch erzählt, dass die Ostmark jetzt eigentlich nur noch Spielgeld sei.“

Neuerlicher Kontakt nach 25 Jahren

Mit dem Zeitungsbericht über die ersten Stunden seiner Familie in Westberlin war Rainer Knuth dann doch zufrieden. So sehr, dass er 25 Jahre später versuchte, den dänischen Journalisten erneut ausfindig zu machen. „Michael Kuttner hat unsere Familie in einer wichtigen Situation begleitet, wir wollten ihn gerne wiedersehen und berichten, wie es uns ergangen ist“, sagt Knuth. Der gebürtige Dessauer, der inzwischen von Berlin nach Brück gezogen war, recherchierte im Internet und fand schließlich heraus, dass Kuttner mittlerweile für die größte dänische Tageszeitung, die Jyllands-Posten arbeitete.

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„Ich schrieb ihm eine E-Mail und bekam daraufhin eine sehr freundliche Antwort“, erzählt Knuth. „Auch Herr Kuttner hatte bereits versucht, uns zu kontaktieren, aber uns nicht gefunden.“ Die Familie – mittlerweile mit zwei erwachsenen Töchtern – traf sich mit dem Journalisten zum Essen, wieder in Westberlin. Diesmal wurde jedoch mit Euros statt mit der D-Mark bezahlt.

„Ich möchte gerne berichten, dass alles gut geworden ist“

Rainer Knuth berichtete dem Journalisten 2014, wie es ihm in den vergangenen 25 Jahren ergangen war, dass er trotz einer Kündigung sechs Monate nach dem Mauerfall mittlerweile aber beruflich gut untergekommen sei und viele Reisen unternommen habe. Dass er sich wohlfühle in der sich wandelnden Bundesrepublik. Das, so Rainer Knuth, sei auch der Grund, warum er seine Geschichte nun auch gerne einer deutschen Zeitung erzähle. „Ich möchte gerne berichten, dass alles gut geworden ist.“

Er und seine neben ihm sitzende 29-jährige Tochter Corinna lächeln über die auf dem Tisch liegenden dänischen Zeitungen hinweg. Sie sind zu wichtigen Erinnerungsstücken der Familie geworden.

Von Jessica Kliem

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