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Potsdam-Mittelmark Jubiläumsjahr mit Uschi-Party und Almabtrieb
Lokales Potsdam-Mittelmark Jubiläumsjahr mit Uschi-Party und Almabtrieb
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14:20 07.02.2017
Die Stückener feierten 1993 mit einem Festumzug den 675. Geburtstag ihres Ortes – ein Jahr zu spät. Es war trotzdem schön, wie die Bilder zeigen. Quelle: Privat
Stücken

Wer den kleinen Ort nur mal kurz mit dem Auto durchfährt, würde nie auf die Idee kommen, dass dort das Leben tobt. Das Dorf ist ein Fall für den Spruch: Der erste Blick täuscht. Stücken, von dem hier die Rede sein soll, ist ein Dorf, das zusammenhält, einen prall gefüllten Kulturkalender hat, gern und oft feiert, ein eigenes Blasorchester hat und einen Heimatverein, der immer Ende Mai zur 80er-Jahre-Disko einlädt. Was wie eine Meldung aus dem Reich der Kuriositäten klingt, ist Traditionspflege. Einmal im Jahr wird die Auferstehung der Uschi-Party gefeiert – benannt nach Uschi Liebzeit, die 1979 nach Stücken kam und dort mit ihrem Mann Hans die Party, der sie ihren Namen gab, ins Leben rief. Die Uschi-Party machte Stücken in den 1980er Jahren bis nach Ostberlin bekannt. Der legendäre Ruf hat sich bis heute gehalten, wie die Neuauflagen beweisen, die seit 2006 wieder gefeiert werden. „In den ersten beiden Jahren waren die Partys wie Klassentreffen, nur das die Party-Gäste in Begleitung mit ihren erwachsenen Kindern kamen“, erzählt Ortsvorsteher Udo Reich. „Jetzt kommen schon die Kindeskinder mit“, sagt er.

2017 steigen in seinem Ort besonders viele Feten. Man könnte auch sagen: Stücken feiert das ganze Jahr durch, schließlich wird das Dorf 700 Jahre alt. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1317 zurück. Heimatvereinschef Heiko Wüstenhagen weiß von einem Dokument aus dem Jahr, in dem die Rede von einem „Styker“ ist, der als Zeuge zu einer Gerichtsverhandlung in Stangenhagen vorgeladen war. Mit der Schreibweise des Ortsnamens ist es so eine Sache: In alten Urkunden wird Stücken auch „Sticken“ geschrieben – „wohl abgeleitet vom Wort stecken, also einen Pfahl in die Erde stecken“, vermutet Wüstenhagen. Zur Herkunft des Ostnamens gibt es verschiedene Aussagen. Eine andere Vermutung ist, der Name stehe für urbar gemachte Ländereien, die man als „Stücke“ bezeichnete. Mit dem Ortsnamen ist es so ähnlich wie mit der Legende vom versunkenen Krug, von der auch mehrere Versionen überliefert sind. Der Heimatvereinschef kennt diese: In Tremsdorf gab es keine Kirche, deshalb besuchten die Tremsdorfer das Fresdorfer Gotteshaus. Auf dem Weg dorthin lag am Stückener Ortsrand mitten auf einem Acker ein Gasthaus. Nicht alle Tremsdorfer kamen daher bis zur Kirche, einige kehrten in den Dorfkrug ein. Eines Tages sollen die Kirchgänger zurückgegangen sein und das Gasthaus samt der Tremsdorfer, die dort tranken, war versunken. Ein Fleckchen Erde vor den Toren Stückens heißt heute noch „versunkener Krug“. Mit Bäumen bewachsen sieht es aus wie eine Insel auf dem Acker.

Ein Ausblick auf den Höhepunkt der 700-Jahrfeier am 1. und 2. Juli: Heimatvereinschef Heiko Wüstenhagen und Ortsvorsteher Udo Reich (r.). Quelle: Jens Steglich

Mysteriös klingt auch die Geschichte über das verheerende Feuer, dem 1848 eine Hälfte Dorfes zu Opfer fiel. Danach wurde im Ort ein Schriftstück gefunden, in dem jemand androhte, vier Wochen später würde auch die zweite Hälfte des Dorfes brennen. So passierte es dann auch.

Diese oder andere Überlieferungen werden wohl beim Festumzug zur 700-Jahrfeier eine Rolle spielen, wenn die Stückener am 1. Juli die Ortsgeschichte Revue passieren lassen und einen Blick aufs rege Vereinsleben gewähren. Mit durchs Dorf zieht dann auch das Stückener Blasorchesters, das schon allein eine lange Geschichte mit historischen Momenten aufzuweisen hat. Kurz nach dem Mauerfall im November 1989 marschierte das Blasorchester mit Pauken und Trompeten über die Glienicker Brücke, auf der im Kalten Krieg allein zum Agentenaustausch reger Verkehr herrschte. Beim Gang in den Westen spielten die Blasmusikanten den Song „In die weite Welt“ und die Massen jubelten ihnen zu.

Gejubelt wird am 2. Juli zum großen Blasmusikfest im Jubiläumsjahr garantiert auch. Zum 700. Geburtstag haben die Stückener alte Bekannte aus dem Erzgebirge zu Gast – die Bergmannskapelle Schneeberg. Fast 40 Schneeberger müssen dann wieder im 480-Einwohner-Dorf untergebracht werden. „Da wird von Haus zu Haus gegangen und gefragt: Die Schneeberger kommen wieder – nimmste einen?“, erzählt Bianca Schreinicke, Wirtin des Gasthauses „Zu Stücken“. Der Ortsvorsteher nimmt zwei. „Wir haben bisher immer alle untergebracht“, sagt er. Auch zur 675-Jahrfeier, die 1993 begangen wurde – ein Jahr zu spät. In der Wendezeit hatte man so viel um die Ohren, dass man den 675. Geburtstag 1992 verschlief und ein Jahr danach feierte. „Dieses Mal sind wir pünktlich“, sagt Wüstenhagen.

Festumzug und Almabtrieb – Auszüge aus dem Festprogramm

Die ersten Veranstaltungen zur 700-Jahrfeier gab es im Januar etwa mit der Vorführung alter Filme, die Stückener aufgenommen haben.

Am 17. Februar ist Tag der Chronik, den der Heimatverein veranstaltet.

Am 1. April, 19 Uhr, gibt der Angelverein „Fritze Bollmann“ im Landhaus „Zu Stücken“ Einblicke in das Anglerleben in Stücken.

Am 15. April, 18 Uhr, lädt die Feuerwehr zum Osterfeuer (Wiese hinterm Landhaus).

Am 13. Mai veranstaltet der Stückener Fußballverein ein Fußballturnier.

Am 27. Mai steigt die Uschi-Party in der Parkhalle.

Am 10. Juni organisiert der Reiterverein „Lützow“ e. V. ein Reitturnier auf dem Reitplatz hinter der Dorfstraße.

Am 1. Juli steht der Festumzug auf dem Programm und am 2. Juli das Blasmusikfest.

Am 9. September erfährt der Interessierte alles über die Geschichte des Stückener Blasorchesters und am 1. Oktober wird Erntefest gefeiert.

Am 18. November gibt es erstmals einen festlichen Almabtrieb der Rinder des Bauern Schreinicke – mit Musik und Festschmaus.

Am 3. Dezember ist in Stücken Weihnachtsbaumanblasen – organisiert von Heimatverein, Feuerwehr und Blasorchester.

Von Jens Steglich

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