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Potsdam-Mittelmark Kampagne will Opfern häuslicher Gewalt helfen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kampagne will Opfern häuslicher Gewalt helfen
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06:44 27.11.2014
Annie Tilmant engagiert sich für Frauenrechte.
Annie Tilmant engagiert sich für Frauenrechte. Quelle: M. Karth
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Brück

Letzteres gilt für die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, die im vergangenen Jahr im Fläming ins Leben gerufen wurde und dieses Jahr eine Neuauflage erfährt. Mit der Ausgabe besonders bedruckter Brötchentüten sollen Opfer häuslicher Gewalt – in den meisten Fällen Frauen – über Wege informiert werden, wie sie Unterstützung bekommen. Aber auch Nachbarn, Bekannte und andere nicht unmittelbar Betroffene sollen sensibilisiert werden, „damit sie nicht die Augen verschließen“, wie Annie Tilmant erzählt.

Die Sozialpsychologin hat bei der Familienberatung in der Alten Brücker Post ein offenes Ohr für Opfer von häuslicher Gewalt. Auch ihre Nummer ist auf der Brötchentüte zu finden.
Das Beratungsangebot sei eine Art „Erste Hilfe“ für „Frauen und Mädchen, aber auch Männer und Jungen, damit sie nicht alleine dastehen“, erklärt Tilmant. „Gewalt ist ein Signal, dass Kommunikation nicht mehr stattfindet. Schon, dass die Probleme ausgesprochen werden, nimmt viel Druck und sorgt dafür, dass das Thema kein Tabu mehr ist“, sagt Tilmant. Häusliche Gewalt ziehe sich durch alle Schichten der Gesellschaft.

2013 wurden 3800 Fälle häuslicher Gewalt registriert

Nach Zahlen der Brandenburger Polizei wurden im Jahr 2013 landesweit rund 3800 Fälle häuslicher Gewalt registriert (siehe Infokasten). Damit gab es gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 7,4Prozent. Der Blick auf die Entwicklung in den letzten zehn Jahren zeigt ebenfalls eine Zunahme. Allerdings können mehr Fälle auch ein Indiz dafür sein, dass mehr Betroffene oder Zeugen den Mut aufbringen und Fälle häuslicher Gewalt melden.

Häusliche Gewalt

2013 verzeichnete die Polizei in Brandenburg 3843 Fälle „Häuslicher Gewalt“. Im Jahr zuvor waren 3579 Übergriffe registriert worden.
Auffällig ist, dass etwa 25 Prozent der Angriffe unter Alkoholeinfluss stattfanden.
Drei Viertel der Opfer sind Frauen, die Täter meist Ehe- oder Lebenspartner, aber auch Ex-Freunde.
Um auf das Thema hinzuweisen, ist der 25. November „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“. Landesweit gab es Aktionen.
In Brück hissten Ricarda Müller und Annie Tilmant an diesem Tag wie in den Jahren zuvor an der Alten Post eine Flagge mit dem Spruch „Nein zu Gewalt an Frauen“.

Die Backstube Körner in Brück nimmt im zweiten Jahr erneut an der Brötchentütenaktion teil. „Die betroffenen Leute wird man damit nicht erreichen können“, glaubt Ingrid Körner von der Bäckerei, „aber wenn man die Leute ringsrum sensibilisiert“, dann sei schon viel gewonnen.

Brötchentütenaktion in Brück

Die Aktion mit den Brötchentüten wird von der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ mitorganisiert. Während die Organisation auf der einen Seite für Aufklärung wirbt, kritisiert sie in diesem Jahr erstmals eine andere Form der Werbung: jene, die sich gegen Frauen wendet. Hierzu vergab „Terre des Femmes“ diese Woche den Negativpreis „Der zornige Kaktus“. „Ausgezeichnet“ wurden unter anderem die Füchse Berlin mit ihrem Plakat. Darauf zeigt der Handball-Verein einen Zähne bleckenden Fuchs mit Ball in der Pfote, der auf fünf leicht bekleidete Frauen am Wannsee blickt – und den Spuch „Hier ist unser Revier“. „Wenn die Bilder nicht mehr für Schönheit stehen, sondern nur Sexualität abrufen, werden sie gefährlich“, sagt Tilmant. „Die Mädchen identifizieren sich damit.“
Zwischen gewalttätigen Übergriffen und der sexualisierten Werbung sieht die Psychologin einen direkten Zusammenhang. Werte und Moralvorstellungen hätten sich durch die allgegenwärtige aufgeladene Werbung geändert, die Hemmschwelle sei gesunken.

Deshalb sei es so wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Das fängt zu Hause an. Je mehr in der Familie über Frauenbilder und Frauenwerte gesprochen wird, desto besser“, sagt Tilmant.

Von Mischa Karth

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