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Potsdam-Mittelmark Kampf um Klosterruine geht weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Kampf um Klosterruine geht weiter
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18:19 21.07.2017
Pflaster- und Grünanlagenbauer Marko Beltiz hat Ende Januar Bäume und Büsche aus der historischen Ruine in Niemegk geholt. Quelle: Danilo Hafer
Niemegk

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erhält bald Post aus Niemegk. Die Absender sind Amtsdirektor Thomas Hemmerling und Bürgermeister Hans-Joachim Linthe. Der Grund ist aus Stein gemauert und wird von den Niemegkern als „Kloster“ bezeichnet.

Ob es sich bei dem am Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten Gebäude um die Reste der St. Nikolauskirche handelt oder dasselbe einst als Hospital genutzt wurde, ist noch immer nicht endgültig geklärt. Dass mit dem Kloster das wahrscheinlich älteste Steingebäude des Landes Brandenburg in Niemegk steht, wird von Fachleuten jedoch nicht mehr angezweifelt.

Bemühungen der Kommune seit 2011

„Noch steht es“, mahnte Hemmerling jetzt vor Stadtverordneten und Vertretern des Fördervereins für historische Bauten der Stadt. Gemeinsam suchte man nach neuen Rettungsmöglichkeiten für das seit 1982 unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Seit 2011 lässt die Kommune nichts unversucht, die Ruine zu erhalten. In der Vergangenheit scheiterten alle Bemühungen an der Eigentumsfrage. Das Kloster ist seit 2012 herrenlos und mit 104 000 Euro Schulden belastet. Hauptgläubiger ist mit 80 500 Euro das Land Brandenburg.

Mit dem Brief an Woidke wollen die Niemegker auf die Bedeutung des Gebäudes und den maroden Zustand hinweisen. Sie hoffen, dass der Landesvater dafür sorgt, dass die Denkmalbehörde, das Finanzministerium und das Innenministerium miteinander nach einer Lösung in der verfahrenen Klosterproblematik suchen.

Innenseite des Klosters. Quelle: Christiane Somme

Denn während die Denkmalschützer das Gemäuer als unbedingt erhaltungswürdig einstufen, will das Finanzministerium, dass die Kommune sich der Ruine annimmt. Davor warnt jedoch das Innenministerium – wegen der angespannten Niemegker Haushaltslage.

Diese Widersprüche sorgen seit geraumer Zeit dafür, dass dem Kloster im Wortsinn die Zeit wegläuft. Die Giebel werden nur noch durch Stahlträger gehalten. Aus dem Mauerwerk wächst das Kraut. Kellerdecken drohen einzustürzen und aus den Umfassungsmauern brechen immer mehr Steine heraus. „Wir müssen mit dem Land einen Weg finden“, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Linthe.

Erste größere Aktion soll im September stattfinden

Nach einem einstündigen Dialog hatten sich die Niemegker darauf geeinigt, dass der Brief an Woidke Teil einer Aktionsreihe wird. Mit Postkartenaktionen hat man in Niemegk Erfahrung. Um die Sanierung der Mülldeponie in Neuendorf einzufordern, hat man mit Kartengrüßen Landespolitiker auf den Umweltskandal.

Die erste größere Aktion ist für das zweite Septemberwochenende geplant, zeitgleich mit der Niemegker Musikmeile. Da will man an den Eingängen zur Stadt und an der Ruine Banner installieren, die auf das Problem hinweisen. Die passenden Worte werden noch gesucht. Der erste Vorschlag: „Landesbürokratie zerstört Kulturgüter“.

450 Jahre alte Wandmalereien

Wer sich des Klosters annimmt, erbt auch die Schuldenlast. Deshalb hoffen die Niemegker, dass sich das Land Brandenburg das Gebäude aufgrund seiner herausragenden geschichtlichen Bedeutung aneignet.

Hat das Kloster einen Besitzer, können seit längerer Zeit bereitstehende Fördermittel abgerufen, die Mauerkronen gesichert und das Gebäude vor dem Einsturz bewahrt werden.

Zu Jahresbeginn erfolgten bauhistorische und restauratorische Untersuchungen am Gebäude. 450 Jahre alte Wandmalereien wurden in den Resten der Ruine entdeckt.

Die Ergebnisse bezeichnete der in Bad Belzig lebende Restaurator Udo Drott als „spektakulär“.

Finanziert wurden diese Arbeiten durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Die im Mai durch den Förderverein gestartete Unterschriftenliste zur Klosterrettung lobte Hemmerling als weiteren guten Beitrag. Gegenwärtig haben sich knapp 300 Menschen für den Erhalt des Gebäudes ausgesprochen. „Die Sammlung wird fortgesetzt“, versprach der Vereinsvorsitzende Christian Marthe.

Von Christiane Sommer

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