Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Klappe für Kinderrechte-Film
Lokales Potsdam-Mittelmark Klappe für Kinderrechte-Film
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:46 15.12.2016
Schüler am Set: Regisseur Joel,  die Tonmeister Johannes und Kevin, Kameramann Sebastian, Profi-Regisseur Ayman Hamadeh und Regie-Assistentin Thea (v.l.) bei den Dreharbeiten.
Schüler am Set: Regisseur Joel, die Tonmeister Johannes und Kevin, Kameramann Sebastian, Profi-Regisseur Ayman Hamadeh und Regie-Assistentin Thea (v.l.) bei den Dreharbeiten. Quelle: Martin Steger
Anzeige
Kleinmachnow

„Ruhe! Ton! Kamera! Wir drehen! 1,2,3 – Klappe!“ Thea, die resolute Regieassistentin duldet keine Störung. Vor der Grundschule „Auf dem Seeberg“ laufen ein paar Mädchen mit Ranzen zum Tor. „Hey, Cherine, wie war dein Wochenende?“ Die eher unspektakuläre Frage von Mädchen zu Mädchen hat einen ernsten Hintergrund.

Die 24 Mädchen und Jungen der Klasse 5a drehen einen eigenen, etwa fünf Minuten langen Film. Er trägt den Titel „Nicht mit uns“ und behandelt die Rollenklischees von Mädchen und Jungen. „Typisch Junge“ – solche Sprüche kennen sie auch aus dem eigenen Lebensumfeld zur Genüge. In ihrem Film lernt aber ein Junge Häkeln und Mädchen unterhalten sich über das letzte Hertha-Spiel vom Wochenende.

Die Kinder um Klassenlehrerin Julian Merkel beteiligen sich damit am Kinderrechte-Filmfestival, das ein Projekt von „kijufi“ – Landesverband Kinder- & Jugendfilm Berlin ist. Der Verband realisiert seit über 25 Jahren Film- und Medienprojekte mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und bildet pädagogische Fachkräfte weiter. Das Medium Film soll den Kindern dabei helfen, sich spielerisch und kreativ mit dem Thema Menschen- und Kinderrechte auseinanderzusetzen. 16 Brandenburger Klassen machen beim 3. Festival mit, darunter auch Schüler der Potsdamer Grundschule am Humboldtring und der Montessori-Oberschule.

In Workshops hatten sich die Schüler der 5a und der 5b der „Seeberg“, die den Film „Jeder mit jedem“ dreht, zuvor mit ihren Rechten und Bedürfnissen auseinandergesetzt und über eine Geschichte gesprochen. Denn von der Idee über den Dreh bis zum fertigen Film mit sechs Szenen übernehmen die Kinder alle Aufgaben vor und hinter der Kamera. Unterstützt werden die Kleinmachnower dabei von dem syrischen Regisseur Ayman Hamadeh (36) und dem angehenden Berliner Sozialpädagogen Maximilian Schmeiser (21). Entscheidend sei „der Prozess und nicht das Ergebnis“, sagt Schmeiser. Teamarbeit zähle und die Verlässlichkeit des anderen. In „Nicht mit uns“ gibt es keine Hauptrolle, keinen Einzelstar – „das wollten die Schüler nicht“, sagt Juliane Merkel.

Als Unterstützung dabei: Der angehende Sozialpädagoge Maximilian Schmeiser (hinten rechts) und der syrische Filmregisseur Ayman Hamadeh (vorn rechts). Quelle: Martin Steger

Sämtliche Aufgaben wurden demokratisch verteilt und besprochen, die Requisiten brachten sie von zu Hause mit. Die Kinder besannen sich schnell auf ihre Stärken und Schwächen. Die einen lieber vor, die anderen hinter der Kamera. „Es ist für mich sehr spannend gewesen, zu sehen, wie ernst die Schüler die Sache nehmen. Und wie sich mancher zurücknehmen konnte, der sonst eher dominant auftritt“, berichtet die Lehrerin.

Als Regieassistentinnen wechseln sich Thea und Julie ab. Beide Mädchen haben ein selbstbewusstes Auftreten, um die Disziplin am Set und das stringente Arbeiten durchzusetzen. Kameramann Sebastian ist eher ruhig. Hamadeh und Schmeiser lenken behutsam. Den Schnitt übernimmt am Ende Schmeiser, der hobbymäßig seit einigen Jahren im Filmfach unterwegs ist. Nötige finanzielle Unterstützung leistete mit 200 Euro der Förderverein der Grundschule.

Premiere der Schülerfilme ist im Januar in Potsdam im Thalia-Kino.

Schülerfilme haben im Januar im Thalia Premiere

Das Kinderrechte-Filmfestival Brandenburg findet in diesem Jahr zum 3. Mal statt; Berlin hat es bereits zum vierten Mal erlebt 2016.

Im Land Brandenburg sind 16 Klassen an dem Festival beteiligt. Die neun- bis zwölfjährigen Schüler schreiben selbst ein Drehbuch und drehen nach Anleitung dann selbst den Film.

Das Projekt will auf kreative Weise ein Bewusstsein für die Rechte von Kindern schaffen.

Die 16 Festivalbeiträge haben im Januar im Potsdamer Thalia-Kino Premiere. Am Mittwoch, 25. Januar, und am Donnerstag, 26. Januar, jeweils in der Zeit von 9.30 bis 12 Uhr, werden sie gezeigt. Eintritt 3 Euro auf Spendenbasis.

Von Claudia Krause