Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kleinmachnow Bauleute finden Kleinstbunker in Kleinmachnow
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Bauleute finden Kleinstbunker in Kleinmachnow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 22.06.2019
Spektakulärer Fund beim Bau des neuen Sportplatzes in Kleinmachnow: Noch können die Ein-Mann-Bunker nicht besichtigt werden. Der Neffe des Kleinmachnower Historikers Rudolf Mach durfte sich in Begleitung die Fundstücke auf der Baustelle für den künftigen Sportplatz vorab ansehen. Quelle: Rudolf Mach
Kleinmachnow

Dort, wo vor mehr als 75 Jahren die Lehrlingsausbildungshalle der Dreilindener Maschinenbauwerke stand, hat die Projektentwicklungsgesellschaft (P&E) zwei Ein-Mann-Bunker – Relikte aus Kriegszeiten – geborgen. Das seit Jahrzehnten unberührte Areal hat die Gesellschaft für den neuen Sportplatz an der Autobahn gerodet und baufertig gemacht.

Gemeinde will Bunker erhalten

Zufällig stieß sie dabei auf die Ein-Mann-Bunker und diverse Motorenteile. Sie stammen aus der Zeit, als die zu Bosch gehörende Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) dort für die Luftwaffe Einspritzgeräte für Flugzeugmotoren produzierte. Die 1935 gegründete Fabrik wurde so angelegt, dass sie aus der Luft einer Wohnsiedlung ähnlich sah. In ihr arbeiteten bis zu 5000 Menschen, darunter in der zweiten Hälfte des Krieges gut die Hälfte Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Die Gemeinde beabsichtigt, die Bunker zu erhalten und auf dem Sportplatz aufzustellen.

Teile von Einspritzgeräten hat Rudi Mach (r.) für den Heimatverein auf der Sportplatz-Baustelle sichergestellt. Quelle: Gesine Michalsky

Der Heimatverein und das Denkmalschutzamt sind jetzt auf Spurensuche der Geschichte dahinter gegangen. In der Kreisvolkshochschule präsentierte Rudi Mach, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, seine Ergebnisse.

Mittlerweile sieben Kleinstbunker

Nach dem Kriegsende sollten alle Schutzbunker innerhalb eines Jahres aus dem Ortsbild entfernt werden. Die erfolgreiche Umsetzung meldete 1946 der Nachkriegsbürgermeisters Hans Casagrande, wie einem Bericht zu entnehmen ist. Dass trotzdem immer wieder Kleinstbunker auftauchen liegt daran, dass sie sich nur schwer zertrümmern lassen. Rudi Mach beziffert den neuesten Fund als den mittlerweile siebten Ein-Mann-Bunker auf Gemeindegebiet. Wie viele es einmal waren, ist unbekannt. Und trotzdem: „Sichtbar übrig geblieben ist von den Splitterschutzbunkern und den unterirdischen Erdbunkern in Kleinmachnow fast nichts“, erklärt der engagierte Hobby-Historiker und ergänzt „und genau das macht sie auch gerade so geheimnisvoll.“

Die Gemeinde habe deswegen auch entschieden, den Ein-Mann-Bunker, der bei den Bauarbeiten für die Seeberg-Grundschule auftauchte, am Rathausmarkt aufzustellen. Der einer kleinen Rakete ähnliche Betonklotz soll als Mahnmal vor dem Krieg warnen – allerdings wird er eher als großer Mülleimer genutzt und ist damit inzwischen selbst schutzbedürftig.

Der Ein-Mann-Bunker am Rathausmarkt soll an Krieg und Zerstörung vor mehr als 75 Jahren erinnern. Allerdings wird er eher als großer Mülleimer genutzt und ist damit inzwischen selbst schutzbedürftig. Quelle: Gesine Michalsky

Gedacht waren die Bunker zur Beobachtung von Schäden. In der Regel mussten Jugendliche von dort aus Luftangriffe beobachten und durch die Sehschlitze Brände ermitteln und auf mögliche Blindgänger hinweisen. Schutz boten die Kleinstbunker allerdings nur gegen Bombensplitter. „Es gab Treffer von 100-Kilo-Bomben, die haben die jugendlichen Beobachter nicht überlebt“, erzählt Mach.

Sicherheit nur für deutsche Lehrlinge

Unter der Halle 28, der Lehrlingsausbildungshalle, befand sich übrigens der einzige Luftschutzkeller auf dem Werksgelände der Dreilinden Maschinenbau zwischen Stolper Weg und Stahnsdorfer Damm – Sicherheit bot er nur den deutschen Lehrlingen.

Mit den Kleinstbunkern sicherte man alle Standorte der Kriegsindustrie, zu denen in Kleinmachnow auch die Reichspostforschungsanstalt auf dem Seeberg zählte. Neben der Neuen Hakeburg, auf der damals der Reichspostminister wohnte, zeugen zwei weitere Ein-Mann-Bunker – sogar mit Türen und noch mit Flachdach – von den Grauen des Krieges. Erst später entwickelte man die sicherere Konstruktion mit der Spitze.

Sieben Meter unter der Hakeburg

Zu den wenigen unterirdischen Schutzräumen, die sichtbar geblieben sind, gehört der 1938 errichtete Bunker unter der Neuen Hakeburg. „Vor allem viele junge Leute wollen wissen, ob man da reingehen kann“, berichtet Rudi Mach – und das kann man: Seit drei Jahren sind die Führungen des Heimatvereins durch die Neue Hakeburg ein Besuchermagnet. Sieben Meter tief unter der Erde führt ein Gang zu dem technisch vollständig erhaltenen Schutzräumen. „Sicher war der nie und er erfüllte auch nicht die modernen Standards jener Zeit“, weiß Mach zu berichten. Aber Albert Speer war zum Schluss nicht mehr bereit, weiter in die Sicherheit des Wohnsitzes vom Reichspostminister zu investieren, belegen alte Berichte. Der Zugang über eine Metalltür am Boden ist längst zugeschweißt. Es sind zu viele fantasievolle Besucher über diesen illegalen Weg eingedrungen.

Von außen ist die ehemalige Belüftungsanlage des unterirdischen Bunkers neben der Neuen Hakeburg kaum als solche zu erkennen. Quelle: Rudolf Mach

Verschwunden ist auch ein erst 1945 fertiggestellter Erdbunker nördlich der Maschinenbau GmbH. Er sollte Zwangsarbeiter, die den Luftangriffen völlig schutzlos ausgeliefert waren, aufnehmen. Später entstand eine wilde Mülldeponie, die beinahe zwei abenteuerlustige Kinder in sich begrub. Man schüttete eiligst die unterirdischen Räume zu und ließ Gras darüber wachsen. Heute kennt wohl niemand mehr den genauen Standort.

Von Gesine Michalsky

Die neuen Kommunalparlamente in Stahnsdorf, Teltow und Kleinmachnow treten bald zusammen – und hinter den Kulissen formieren sich die Mehrheiten. Dabei gibt es so manche personelle Überraschung.

13.06.2019

In der Region Teltow verlief das Unwetter in der Nascht zu Mittwoch weitgehend glimpflich. Die Schäden und die Einsätze der Feuerwehr hielten sich in Grenzen. Kleinmachnow bekam die indirekten Folgen des heftigen Gewitters am nächsten Morgen zu spüren.

12.06.2019

Jahrelang herrschte Uneinigkeit darüber, wo das neue Stahnsdorfer Feuerwehrhaus gebaut werden soll. Nach der Kommunalwahl gibt es eine rechnerische Mehrheit für die Annastraße.

10.06.2019