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Kleinmachnow Bleiberecht für alte Litfaßsäulen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Bleiberecht für alte Litfaßsäulen
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12:15 25.04.2019
Klassische Litfaßsäule im Steinweg in der Kleinmachnower Sommerfeld-Siedlung. Quelle: Gesine Michalsky
Kleinmachnow

Während in der klassischen Heimatstadt der Litfaßsäulen, in Berlin, 1500 der traditionsreichen Werbeträger abgebaut werden sollen, haben ihre gerade einmal 18 Artgenossen in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf auch in Zukunft sichere Überlebenschancen.

Die mehr als 90 Jahre alte Rundsäule wird in der TKS-Region durchaus noch gebraucht, versichern beispielsweise die Außenwerber des Unternehmens Outfit Potsdam. Auch wenn manche Plakatröhre in den vergangenen Jahren verschwunden sei, sollen die Säulen insgesamt nicht ausgemustert werden.

Litfaßsäulen führen ein Schattendasein

Denn an Veranstaltungs-Plakaten mangelt es ihnen nicht, auch wenn die konventionellen Werbeträger in den drei Kommunen eher ein unauffälliges Schattendasein führen. Die meisten Einwohner wissen gar nicht, wo in ihrer Nachbarschaft die Urgesteine der Werbung tatsächlich stehen, die man in früherer Zeit noch Reklame nannte.

Oft laufen die Menschen achtlos an den Säulen vorbei. „Dabei stammen einige von ihnen noch aus der Gründungszeit Kleinmachnows“, ist sich Gemeindevertreter Klaus-Jürgen Warnick (Linke) sicher, „solange wie ich schon in Kleinmachnow lebe, stehen die hier.“

In der früheren Philipp-Müller-Allee in Kleinmachnow (heute Zehlendorfer Damm)/Ecke Meiereifeld stand im Februar 1960 vor dem ersten Selbstbedienungsladen der Gemeinde ebenfalls eine Litfaßsäule. Quelle: Dieter Mehlhardt

Gerade in vielen Wohngebieten der TKS-Region kündigen die Betonsäulen auf ihre ganz eigene nostalgische Weise Veranstaltungen, Ausstellungen oder Termine an. Der regionale Bezug dabei statt pauschaler kommerzieller Produktwerbung machen sie wohl unsterblich.

„Unsere Litfaßsäulen werden gern für das Plakatformat Din A 1 genutzt und sind daher für lokale Gewerbe- und Kulturtreibende, Vereine und Veranstalter ein bezahlbares Medium“, sagt Outfit-Mitarbeiterin Petra Hanysz.

Die geklebten Plakate würden grundsätzlich wohl kaum durch digitale Medien ersetzt, da diese schon wegen des hohen Tagespreises ausschließlich von überregionalen Kunden gebucht werden, lautet die Erfahrung der Potsdamer Außenwerber.

Berliner Drucker erfand „Annoncier-Säule“

Im so genannten Drei-Gemeinde-Eck, gegenüber dem Hoffbauer-Campus in der Stahnsdorfer Wilhelm-Külz-Straße steht eine Litfaßsäule, die am meisten Beachtung findet.

An der Potsdamer Straße in Teltow sind insgesamt drei der klassischen Werbeträger zu finden.

Auch am Zehlendorfer Damm und in der Hohen Kiefer in Kleinmachnow stehen Litfaßsäulen.

Der Berliner Drucker Ernst Litfaß erhielt am 5. Dezember 1854 vom Berliner Polizeipräsidenten Karl Ludwig von Hinkeldey die erste Genehmigung für seine neuartigen „Annoncier-Säulen“.

In der Gemeinde Kleinmachnow, in der mit zehn Werbeträgern die meisten der geschichtsträchtigen Anonnciersäulen im TKS-Land stehen, schätzen die Einwohner die „Zeitung des kleinen Mannes". Rathaussprecherin Martina Bellack: „Änderungen oder Umbau sind nur in Absprache mit der Gemeinde möglich.“ Die Gemeinde verpachte schließlich die Grundstücksfläche.

Für einen Abriss der Säulen zugunsten einer Digitalisierung und Beleuchtung der Werbeflächen sehen die Kleinmachnower keinen Bedarf. „Für die Firma Wall dagegen besitzen Klebeflächen wie die klassische Litfaßsäule nicht mehr diese große Bedeutung wie noch vor Jahrzehnten“, erklärt Unternehmenssprecher Christian Knappe. Die Außenwerbung seiner Firma ziele jetzt mehr auf deutschlandweite Bekanntheit.

Älteste Säule der Region verschwunden

Wirklich ernsthafte Probleme bereitet der Potsdamer Eigentümerin der 18 Litfaßsäulen in der Teltower Region vor allem das „wilde“ Plakatieren. „Aus unserer bisherigen Erfahrung müssen wir feststellen, dass sich das wilde Plakatieren weder eindämmen noch gänzlich verhindern lässt“, räumt Outfit-Vertreterin Hanysz ein, „daher sind wir bestrebt, Kunden für eine korrekte und ansprechende Außenwerbung zu motivieren.“

Ausgerechnet die älteste Litfaßsäule in der Region wurde allerdings Anfang 2000 abgerissen. Sie stand in Stahnsdorf am Tannenweg/Ecke Potsdamer Allee, erinnert sich der Stahnsdorfer Heimatforscher Peter Reichelt: „Diese alte Litfaßsäule aus Guss und mit ihrer versteckten Tür nach innen aus den 1930-er Jahren stand irgendwann Straßenarbeiten im Weg.“

Von Gesine Michalsky

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