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Kleinmachnow Haben Teltow und Kleinmachnow ein Drogenproblem?
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08:45 09.10.2019
Kiffer mit Joint. Quelle: imagebroker/epd
Teltow/Kleinmachnow

Jugendliche können angeblich kaum über den Kleinmachnower Rathausmarkt gehen, ohne dass ihnen Drogen angeboten werden. Über verschiedene Schulen kursieren Geschichten, wonach Schülern in höheren Klassen dealen. Ein Kleinmachnower erzählt, dass neben ihm an der Busstation ungehemmt Drogengeschäfte gemacht und besprochen wurden – das Thema schwelt seit Jahren in der Region. Doch wie schlimm ist es wirklich?

Der Rathausplatz in Klienmachnow. Quelle: Friedrich Bungert

 Die offiziellen Zahlen zeigen jedenfalls eine klar steigende Tendenz der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, wobei es sich in der Region vor allem um Cannabis handelt, sagt Juliane Mutschischk von der Polizei-Pressestelle. Absolut gesehen scheinen 46 Fälle im Vorjahr in Kleinmachnow zwar nicht viel zu sein – fünf Jahre zuvor waren es jedoch nur 14. In Teltow gab es 2018 sogar 80 Verstöße, 2013 waren es 24.

In beiden Kommunen handelt es sich damit um eine rund 3,3-fache Steigerung innerhalb dieses Zeitraumes. In Stahnsdorf blieben die Zahlen bis jetzt recht stabil: 19 waren es voriges Jahr, 25 im Jahr 2017 und 18 vor fünf Jahren. Doch wie auch in den beiden größeren Nachbarkommunen vermeldet die Polizei schon jetzt, dass die Tendenz für dieses Jahr steigend sei.

„Jeder zehnte Jugendliche hat ein Drogenproblem

Überall wurden vor allem männliche Tatverdächtige ermittelt. Und die Jugendlichen und Kinder machen mehr als die Hälfte der Betroffenen in der Region aus: Im Vorjahr waren 73 der 142 Tatverdächtigen 14 bis 20 Jahre alt, vier waren sogar noch jünger – also im strafrechtlichen Sinne Kinder.

Eine Sozialarbeiterin der Region sagt: „Es ist ein großes Problem, aber keiner möchte darüber sprechen.“ Sie schätzt, dass „bestimmt 40 Prozent der Jugendlichen in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf schon Erfahrungen mit Drogen gemacht haben und dass jeder zehnte tatsächlich ein Problem damit hat.“ Als solches erkannt werde es von den Betroffenen selbst aber meist erst, wenn Entzugserscheinungen auftreten.

Die Dealer sitzen im Klassenraum

In einer Gesamtschulklasse hätte während eines Klassentrainings tatsächlich mehr als die Hälfte der rund 13-Jährigen angegeben, schon mindestens einmal Ecstasy genommen zu haben, erinnert sie sich. Nur elf Jahre alt war der jüngste Kiffer, der ihr in der Region untergekommen ist, zwölf Jahre der jüngste Ecstasy-Konsument.

Das Thema ist der Sozialarbeiterin nicht fremd: Als sie selbst die zehnte Schulstufe – ebenfalls in einer der drei Kommunen – besucht hat, habe es drei Dealer in der Klasse gegeben, erzählt sie, die das geschäftsmäßig betrieben hätten. Das sei auch kein Geheimnis gewesen. Trotzdem habe es sie schockiert, wie sehr der Drogenkonsum hier in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Auch sie bestätigt, dass es vor allem um Cannabis geht, aber auch um Ecstasy. „Vielleicht noch Speed, Amphetamine, Tilidin. Crystal Meth habe ich noch nicht mitbekommen.“ Marihuana werde von der Jugend verharmlost.

Parteien, die die Legalisierung von Cannabis in ihr Programm aufnehmen, könnten – völlig unabhängig von ihren sonstigen Ideen – mit den Stimmen der Jugendlichen rechnen. „Wenn die AfD Gras legalisieren würde, würden sie auch die wählen“, glaubt sie. Doch trotz der drohenden strafrechtlichen Konsequenzen sei es in der Region kein Problem, an die Substanzen zu gelangen.

Geschäfte kaum zu bemerken

Der Aussage, dass Jugendliche kaum über den Rathausmarkt gehen könnten, ohne von Dealern angesprochen zu werden, könne sie nur zustimmen. Die Geschäfte selbst wären kaum zu bemerken – ein Handschlag, ein kurzes Aufeinandertreffen, für Außenstehende ist nichts Ungewöhnliches zu sehen.

Doch was ist der Grund für den Anstieg des Drogenkonsums in der Region? Viele Jugendliche seien nicht zielorientiert, hat die Sozialarbeiterin bemerkt. „Sie machen sich keine Gedanken über ihre Zukunft.“ Sie fühlten sich allein gelassen – von Familie und Lehrern.

Fehlt Nestwärme – oder nur Motivation?

Die Sozialarbeiterin spricht von „fehlender Nestwärme“ und dass von zu Hause keine Motivation vermittelt wird. Während den einen zu Hause mit dem Heim gedroht wird, revoltieren die anderen gegen überbehütende Eltern und hoffen, mit Drogen gegen ihre Langeweile anzukommen. Das Problem ziehe sich durch alle gesellschaftlichen Schichten.

Durch die sozialen Medien habe sich außerdem das Vertrauen reduziert, Freundschaften seien oberflächlicher geworden. Sie kenne Fälle, wo man auf den sozialen Plattformen den Eindruck bekommt, dass Jugendliche die besten Freunde wären – und im richtigen Leben schauen sie sich nicht einmal an.

Erwartungen von anderen spielen eine Rolle

Warum? „Um Vorteile daraus zu ziehen.“ Generell spielen Erwartungen von anderen und an sich selbst eine große Rolle, sagt sie – und dass die Kids von heute nicht mehr widerstandsfähig genug seien. „Das geht in Richtung Narzissmus. Sie haben immer Recht, die andere Seite gibt es nicht.“

Natürlich sei es die Aufgabe von Heranwachsenden, Grenzen auszutesten. „Aber normalerweise sollte das so ablaufen: Ausprobieren und dann wissen, dass es scheiße ist und man damit scheitert. Aber das fehlt in dieser Generation. Und es ist schwierig, den Cut zu machen, wenn man schon in dem Strudel ist.“

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