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Kleinmachnow Karl Marx war gestern
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02:22 06.05.2018
Schulleiter Burkhard Dolata mit der Karl-Marx-Plakette im früheren „Lektionssaal“ der früheren SED-Parteihochschule "Karl Marx". Die Plakette zierte früher einen Gedenkstein auf dem Schulgelände. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Kleinmachnow

Am 200. Geburtstag von Karl Marx wird morgen vielerorts daran erinnert, wo und welche Spuren der Sozioökonom hinterlassen hat – so auch in Kleinmachnow. Dort ist man jedoch etwas hin- und hergerissen zwischen Stolz und Irritation. Die einstige SED-Parteihochschule auf dem Seeberg, die seinen Namen trug, hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Aber in den Vorort Berlins kamen wohl schon immer auch politische Größen. In Kleinmachnow wurde Geschichte geschrieben.

Unter Hitler war einst das Gelände angelegt worden, um am Rande der Reichshauptstadt an Top-Secret-Forschungsprojekten arbeiten zu können. Während der Nazi-Zeit wurden dort Teile der V-Waffen wie beispielsweise der V-2-Rakete entwickelt, mit „sehenden Bomben“ experimentiert und auch geheime transatlantische Kommunikationen der Alliierten decodiert. Bereits zwei Jahre nach der Kapitulation Nazideutschlands, im Herbst 1947, zog dann im ehemaligen „Reichspostgelände“ auf dem Seeberg die SED-Parteihochschule „Karl Marx“ ein. Dafür mussten die sechs Gebäude allerdings für zwei Millionen Reichsmark gründlich umgebaut und erneuert werden.

Mächtige Politiker kamen nach Kleinmachnow

Eingerichtet wurden dabei unter anderem Internatsräume für insgesamt 300 Studenten, eine Bibliothek, eine eigene Post- und Telefonzentrale, eine Krankenstation, eine Wache für die Volkspolizei sowie im Haus sechs auch ein sogenannter „Lektionssaal“ für fast 500 Zuhörer. In diesem Theater, ausgestattet mit Polstersesseln, einer Bühne, anschließenden Garderoben, einem Vorführraum und allem, was das Herz begehrt, fanden sich über die Jahre wohl auch zahlreiche einflussreiche kommunistische Persönlichkeiten ein, um ihre Ansprachen zu halten. So besuchten Fidel Castro, Jassir Arafat, Nikita Chruschtschow und Michail Gorbatschow die naheliegende, zum Gästehaus umfunktionierte Hakeburg. Es wird angenommen, dass diese auch in der Parteischule aufgetreten sind.

In den frühen Jahren der Parteihochschule erschienen dort auch regelmäßig der SED-Generalsekretär Walter Ulbricht und die Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl. So war es im Haus 6 der Parteihochschule, dass Ulbricht am 16. April 1948 in einer insgesamt fünfstündigen Rede einen Kurswechsel ankündigte, der erst später offiziell bekanntgegeben wurde: die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 und die Teilung Berlins 1961. Sieben Jahre nach ihrer Eröffnung zog die ParteihochschuleKarl Marx“ zwar nach Berlin um, das Gelände blieb allerdings der Öffentlichkeit weiterhin verschlossen. Stattdessen wurde nun die Bezirksparteischule „Julian Marchlewski“ hier untergebracht, die dann wiederum 1973 als Folge parteiinterner Konflikte der Sonderparteischule des ZK der SEDKarl Liebknecht“ weichen musste.

Einstige Eliteschule wurde zum „Lost Place“

Der Unterricht und auch die Studenten selbst standen unter strikter Kontrolle der Partei. Ehemalige Studierende berichteten von einer Atmosphäre der Angst, da selbst kleine Vergehen zu harten Strafen und dem Parteiausschluss führen konnten. Studenten war es strengstens untersagt, durch West-Berlin zu pendeln, „Kritik und Selbstkritik“ wurden strengstens gedrillt, und unter dem Leitspruch „Drill des Geistes, des Willens, des Gewissens“ wurde ein militantes Dasein gepflegt. Neben Lehrgängen wie „Geschichte der KPdSU“ und „Dialektischer und Historischer Materialismus“ fanden in den Räumlichkeiten in Kleinmachnow auch Tagungen des Zentralkomitees und der Minister statt.

Nach der Wende wurde das Gelände von der Telekom übernommen, die es schließlich an die „Berlin Brandenburg International School“ (BBIS) verkaufte. Jetzt werden dort wieder „Kritik und Selbstkritik“ gelehrt – doch keineswegs militant, vielmehr mit einer weltoffenen Sicht. Die geschichtsträchtigen Gebäude werden unterdessen Stück für Stück saniert. Nach der Wende war vor allem Haus 6 mit dem „Lektionssaal“ laufend massivem Vandalismus zum Opfer gefallen – bevor vor rund zwei Jahren die Fenster lückenlos mit Holz zugenagelt wurden, stiegen auch immer wieder begeisterte „Lost Places“-Jäger ein und nahmen auch „Souvenirs“ mit. Den damaligen Bonzen-Prunk kann man heute nur mehr erahnen. Zu sanieren geht da nichts mehr, bedauert auch Burkhard Dolata, Geschäftsführer der BBIS. In einigen Jahren wird das Gebäude wohl weitestgehend entkernt und als Schulgebäude saniert werden, kündigte er an.

Das sogenannte Haus 6 auf dem Seeberg soll in einigen Jahren entkernt und später wieder zu einem Schulhaus saniert werden. Quelle: Konstanze Kobel Höller

Von Linus Höller und Konstanze Kobel-Höller

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