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Kleinmachnow Baurecht fürs Buschgrabengebiet
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19:46 21.08.2018
Die Bürgerinitiative Grüner Buschgraben und eine Reihe weiterer Kleinmachnower wollen, dass das Areal eine Grünzone bleibt. Quelle: Privat
Kleinmachnow

Eines der stärksten Argumente der Gegner einer Bebauung des Areals „Am Buschgraben/Am Rund“ in Kleinmachnow beginnt heftig zu wackeln: Zu keinem Zeitpunkt habe es dort Baurecht gegeben. Immer seien die Grundstücke, für die nun seit Anfang des Jahres in der Gemeindevertretung zäh über ein mögliches Baurecht diskutiert wird, als Grünfläche deklariert und vorgesehen gewesen, behauptet die Bürgerinitiative Grüner Buschgraben seit jeher. Doch nun haben sich zwei Eigentümer von betroffenen Parzellen nicht nur mit Briefen, sondern auch mit aussagekräftigen Unterlagen an Kleinmachnows Gemeindepolitiker gewandt.

Darunter finden sich beispielsweise eindeutige Baugenehmigungen, eine Wohnsiedlungsgenehmigung aus Teltow für die betreffenden 18 Grundstücke, eine Ansiedlungsgenehmigung, Flächenpläne oder auch der Nachweis, dass bereits Wasseranschlüsse zu den Parzellen gelegt wurden. Das belegt eine Rechnung über eine Wasserzuleitung von 1940. Auch ist klar erkennbar, dass eines der Grundstücke zu Beginn des Zweiten Weltkrieges bereits mit einem Haus bebaut gewesen war. Dieses ist jedoch den Bomben zum Opfer gefallen und wurde nicht wieder aufgebaut, so dass heute keine Spuren mehr davon vorhanden sind. Das Grundstück ist etwas später während der DDR-Zeit wohl aufgrund politischer Entscheidungen der Gemeinde zugefallen.

Ein Dokument von 1939 belegt, dass es seinerzeit schon eine Ansiedlungsgenehmigung für die Grundstückeigentümer der Flächen im Buschgrabengebiet gab. Quelle: Privat

„Ich habe im Internet gelesen, dass ein Streit um diese Grundstücke entbrannt ist und wollte zur Versachlichung der Diskussion beitragen“, erklärt Rudolf Schneider der MAZ. Sein Vater hatte seinerzeit eine der Flächen erworben. Die Baugenehmigungen für das Wohnhaus wurden am 21. August 1939 abgestempelt. „Die Baugrube war schon ausgehoben“, erzählt Schneider. Doch dann sei – wie bei den meisten, die dort bauen wollten – der Krieg dazwischen gekommen. Danach sei der Vater nach Kassel gegangen und Kleinmachnow wurde Teil der DDR. Nun hoffen er und andere Eigentümer, doch noch auf ihren Flächen das Baurecht wiederzuerlangen. Schließlich hatte selbiges doch schon bestanden, wie er und seine Mitstreiter betonen.

Für Barbara Sahlmann (Bündnis 90/Grüne), die vehement gegen Baurecht im Buschgrabengebiet eintritt, hat sich durch diese Unterlagen nichts geändert: „Für mich ist es überhaupt nicht weitreichend, was 1938 passiert ist. Auf diesen Unterlagen ist das Hakenkreuz drauf – diese Zeit ist schon lange vorbei.“ Sie argumentiert, dass diese Grundstücke Grünfläche waren und nur durch eine Klage zu weißen Arealen auf dem Flächennutzungsplan wurden. „Sie sollen auch wieder Grünfläche werden. Wir sollten die Interessen der Bürger vertreten und nicht von Auswärtigen, die Geld aus Spekulationsgründen machen wollen.“ Ihre Aufgabe sei es, auf ein ausgewogenes Maß zwischen Grünfläche und bebauter Fläche zu achten. Sie würde nicht einsehen, warum man die urwaldähnlichen Zustände, in denen sich diese Grundstücke mittlerweile befänden, wegen Einzelinteressen kaputt machen solle.

Bürgermeister tendiert zur Bewilligung

Angelika Scheib (CDU) findet die Papiere hingegen sehr hilfreich: „Das verstärkt unsere Vermutung, dass diese 18 Grundstücke Am Rund schon immer für eine Bebauung vorgesehen waren und bestärkt uns in unserer Meinung, Baurecht für diese zuzulassen.“ Sie macht ihrem Unmut Luft: „Ich ärgere mich. Ich habe so etwas in einer solchen Massivität noch nie erlebt, wie hier gegen eine Bebauung vorgegangen wird – unter anderem auch von Bewohnern, die selbst dort erst vor einigen Jahren oder Jahrzehnten gebaut haben – und mit solch einer Aggressivität!“

Sie hofft, dass das jahrzehntelange Unrecht wenigstens ein wenig wieder gut gemacht werden könne. Ähnlich sieht das auch Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD). „Ich tendiere momentan dazu, die Bebauung für die 18 Grundstücke Am Rund/Wolfswerder zu bewilligen.“

Vor mehr als 80 Jahren parzelliert

Die Grundstücke an den Straßen Am Rund und Wolfswerder, die bereits vor mehr als 80 Jahren parzelliert worden waren, wurden in der DDR-Zeit zu Mauergrundstücken.

Nach der Wende konnten sie von den Eigentümern zu üblicherweise der Hälfte des Verkehrswertes wieder zurückgekauft werden. Baurecht gab es damals jedoch nicht.

In der Verlängerung der Straße Wolfswerder befinden sich auch die Flächen der Erbengemeinschaft Gérard, die nicht parzelliert sind.

Derzeit ist dieser gesamte Bereich im Flächennutzungsplan der Gemeinde Kleinmachnow mit keiner Nutzung ausgewiesen, doch die Gemeinde soll dies ändern. In der Debatte, ob sie künftig als Grünfläche oder Bauland deklariert werden sollen, stehen sich zwei Interessen gegenüber: Die der Eigentümer, die Baurecht wünschen, und die der Bürgerinitiative Grüner Buschgraben und ihrer Unterstützer, die dagegen eintreten.

Die Bürgerinitiative Grüner Buschgraben in Kleinmachnow sammelt gegenwärtig Unterschriften für den Erhalt dieses grünen Bereiches in der Gemeinde. Bis jetzt haben im Internet insgesamt 363 Kleinmachnower unterzeichnet. Insgesamt konnte die Bürgerinitiative bislang 684 Unterstützer von ihrem Ziel überzeugen.

An der Unterschriftenaktion können sich die Kleinmachnower auch online unter https://tinyurl.com/yda8sgkc beteiligen.

Gleichzeitig betont er, dass die Unterlagen aber auch zeigen würden, dass die Gérard’schen Flächen in der Verlängerung von Wolfswerder ein unterschiedlich zu bewertendes Gebiet seien. Dort würde er aktuell einer Bebauung wohl eher nicht zustimmen. Die Erbengemeinschaft hatte angekündigt, auf ihren Flächen ein Alzheimer-Wohnheim errichten zu wollen.

Doch noch wird verhandelt: Alexander Gérard hatte allen Fraktionen angeboten, das geplante Projekt vorzustellen. SPD und CDU haben ihr Interesse bekundet. Für den Herbst sind Termine geplant. Die Gemeindevertreter werden über das Konzept informiert und können Fragen stellen. Bündnis 90/Die Grünen hätten schriftlich abgelehnt, bestätigt Alexander Gérard, Die Linke, BiK und der Seniorenbeirat hätten auf das Angebot erst gar nicht reagiert. Scheib lässt offen, wie sie auf den Bebauungswunsch der Gérard’schen Flächen reagieren wird, kritisiert aber ihre Fraktionskollegen: „Ich kenne noch keine Pläne und kann daher noch nichts entscheiden. Gérard hat allen Fraktionen angeboten, ihn anzuhören. Ich kann nicht verstehen, dass man das ablehnt. Nur wenn man das macht, kann man auch eine Meinung dazu haben – und entscheiden!“

Von Konstanze Kobel-Höller

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